Mediathek-Tipp: Sterben – wie damit leben?

Eine sehr sehenswerte Diskussion im Rahmen des SWR-Nachtcafés: „Sterben – wie damit leben?“, SWR, 1:30 h. verfügbar in der Mediathek bis 24.10.2020.

Die Politik von heute

Etwa seit dem Jahr, in dem meine Frau starb (2015), trifft – meiner Meinung nach – das folgende Shakespeare-Zitat sehr gut auf die Politik zu – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA, im Vereinigten Königreich und weiteren Staaten:

Just my two cents …

Der Karren und der Hund

Stellen Sie sich einen Hund vor, der an einem fahrenden Karren angeleint ist. Die Leine ist lang genug, um dem Hund zwei Möglichkeiten zu bieten:

  1. Entweder kann der Hund problemlos der Richtung des Wagens folgen, über die er keine Kontrolle hat, und gleichzeitig die Fahrt genießen und die Umgebung erkunden.
  2. Oder er kann dem Karren mit aller Kraft hartnäckig widerstehen und wird ohnehin mitgeschleppt – für den Rest der Fahrt.

Genau wie bei diesem Hund gibt es viele Dinge in unserem Leben, die wir nicht kontrollieren können. Entweder nehmen wir die Situation an und versuchen, das Beste daraus zu machen, oder wir bekämpfen sie wie der bockige Hund.

Es ist unsere Wahl.

Nehmen wir uns also den Rat des Philosophen Epiktet (um 50 – 138 n. Chr.) zu Herzen:

Verlange nicht, dass das, was geschieht, so geschieht, wie du es wünschst, sondern wünsche, dass es so geschieht, wie es geschieht, und dein Leben wird heiter dahinströmen.

Leicht gelesen – aber nicht leicht getan!

Dinge passieren, die sehr unglücklich scheinen, keine Frage.

Liebe Menschen sterben, eine Flut zerstört Ihr Zuhause, Sie verlieren Ihren Job oder bestehen Ihre Prüfungen nicht. Sie können diese Dinge nicht rückgängig machen. Sie können nur versuchen, sie mit einem edlen Geist zu akzeptieren und das Beste aus der gegebenen Situation zu machen.

Aber Achtung:
Akzeptanz hat überhaupt nichts mit Resignation zu tun.
Und Akzeptanz heißt auch nicht, dass wir es gutheißen.

Entrümpeln Teil 2

Gewicht (kg) vs. Zeit

Nachdem ich in den ersten Monaten dieses Jahres die Wohnung und den Dachboden entrümpelt hatte, habe ich von August bis Oktober mich selbst entrümpelt:

  • ich habe mein Gewicht um fünf Kilogramm reduziert,
  • habe mich von der Droge „freiem Zucker“ entwöhnt und
  • meine Omega-3-Zufuhr mit Walnusskernen und Leinöl verbessert.
  • Und ich bin natürlich täglich ca. 5+ km flott gegangen.
735898 Schritte in 100 Tagen, also täglich ca. 5-6 km = ca. 250 kcal pro Tag zusätzlicher Verbrauch

Ich hatte zwar schon öfter mein Gewicht reduziert, aber zu wenig auf Limitierung des freien Zuckers geachtet. Mit „freiem Zucker“ sind Monosaccharide (wie Glucose und Fructose) und Disaccharide (wie Saccharose oder Haushaltszucker) gemeint, die Lebensmitteln zugesetzt werden, sowie von Natur aus in Honig, Sirup, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten enthaltenen Zucker. Momentan esse ich weniger als 25 g freien Zucker pro Tag – wie von der WHO empfohlen.

Außerdem war mir aufgefallen, dass meine Omega-3-Zufuhr unzureichend ist. Ich esse nun täglich 2 Teelöffel Leinöl und 25 g Walnusskerne, was einer Zufuhr von ca. 330 mg Omega-3-Fettsäuren und der Empfehlung entspricht.

Insgesamt fühle ich mich ausgeglichener, schlafe besser, habe weniger Entzündungen und weniger Schmerzen. Und meine Verdauung ist auch besser.

Videos zum Thema, die wahre Augenöffner sind:

Zehn praktische Lehren des Stoikers Mark Aurel

Mark Aurel (oder Marcus Aurelius) war von 161 bis 180 römischer Kaiser und als Philosoph der letzte bedeutende Vertreter des Stoizismus.

Mark Aurel

Im folgenden Video (auf Englisch) sind zehn praktische Lehren aus den Selbstbetrachtungen des Mark Aurel wunderbar dargestellt:

  1. Ignoriere, was andere tun oder sagen
  2. Deine Realität wird durch Deine Meinungen gemacht
  3. Tue weniger
  4. Denke immer daran: der Tod klopft an Deine Tür
  5. Du bist stärker, als Du denkst
  6. Setze Deine Gaben und Stärken ein
  7. Beklage Dich niemals
  8. Egal wo, Du kannst überall glücklich leben
  9. Hilf der Gemeinschaft
  10. Sei dankbar für die Dir gegebenen Wohltaten und Segnungen

Kleiner Hinweis: Sie können in YouTube die Untertitel und die automatische Übersetzung ins Deutsche einschalten.

Und: es gibt weitere ähnliche Videos, die Lebensregeln von weiteren Stoikern zeigen – Seneca und Epiktet:

Ein Wort an Dich, lieber unbekannter Leser…

Im Moment gibt es Menschen auf der ganzen Welt, die sind genau wie Du.

Sie sind entweder einsam, sie vermissen jemanden, sie sind traurig, sie sind verletzt, sie sind von der Vergangenheit gezeichnet, sie haben persönliche Probleme, und sie haben Geheimnisse, die man nicht glauben kann.

Sie wünschen, träumen und hoffen.

Und im Moment sitzt Du hier vor Deinem Bildschirm, und Du liest diese Worte.

Ich schreibe dies hier für Dich, damit Du Dich nicht mehr so allein fühlst.

Denke immer daran: sei nicht übermäßig traurig in Bezug auf die Vergangenheit, sorge Dich nicht allzu sehr um die Zukunft. Versuch Dich nur auf das Heute zu konzentrieren.

Wenn nun der heutige Tag nicht so toll ist, mach Dir keine Sorgen!
Denn morgen hast Du eine neue Chance.

Alles Gute für Dich.

Goodbye My Love

Goodbye My Love – ein fast schon uraltes (1970er Jahre) chinesisches Abschiedslied zweier Liebenden, hier gesungen von der wahrscheinlich berühmtesten taiwanischen Sängerin: Teresa Teng (鄧麗君, Dèng Lìyún), die viel zu früh 1995 während einer Reise durch Thailand in Chiang Mai an einem Asthmaanfall mit nur 42 Jahren verstarb. Ursprünglich wurde der Song übrigens von Ann Lewis in Japanisch 1974 veröffentlicht (グッド・バイ・マイ・ラブ). Aber Ann Lewis‘ Interpretation des Songs (in Japanisch) reicht bei weitem nicht an die Interpretation (in Chinesisch) von Teresa Teng heran:

Goodbye My Love / 再見,我的愛人 / Zàijiàn, wǒ de àiren

Während der Live-Performance im folgenden Video (1976 in Japan) fließen bei der Sängerin während des gesprochenen Teils in der Mitte ein paar Tränen…

teresa-teng

Eine ungefähre Übersetzung des Songtextes:

Auf Wiedersehen, meine Liebe, wir trennen uns jetzt voneinander. Ich habe dir alles gegeben, ich hoffe du schätzt es und erfüllst meine Zuneigung zu dir. Ich weiß nicht, wann wir uns wiedersehen werden. Ich werde dich immer von ganzem Herzen lieben. Ich wünschte, du vergisst mich nicht. Ich werde mich bis in alle Ewigkeit an dich erinnern, an deine sanfte Berührung, dein warmes Herz, deine süßen Küsse, deinen berauschenden Gesang, die Zeit, die wir zusammen verbracht haben. Auf Wiedersehen, meine Liebe, ich weiß nicht, wann wir uns wiedersehen werden. — Auf Wiedersehen, meine Liebe, ich werde dich nie vergessen und wünschte, du würdest es auch nie. Vielleicht sehen wir uns ja wieder, nicht wahr? — Auf Wiedersehen, meine Liebe. Werden wir uns eines Tages sehen? Ich liebe dich von ganzem Herzen. Ich wünschte, du vergisst mich nicht. Oh, meine Liebe, ich glaube, wir werden uns eines Tages wiedersehen!

Der Song erinnert mich sehr an meine liebe Frau, schon allein deswegen, weil sie nur eineinviertel Jahre vor Teresa Teng und ebenfalls auf Taiwan geboren wurde.

Wann ist die Trauer endlich zu Ende?

Meine Frau ist heute vor 227 Wochen gestorben. Und in diesen 4 Jahren und 4 Monaten habe ich mich oft gefragt:

Wann ist die Trauer endlich zu Ende?

Vielleicht fragen Sie sich das auch gerade, wenn Sie dies hier lesen.

Ich kann hier nur von mir schreiben. Andere Trauernde werden es wahrscheinlich völlig anders erleben.

In diesem Jahr 2019 war bislang bei mir die Trauer substantiell weniger als in den 3¾ Jahren davor (2015 bis 2018).

Ich könnte auch sagen: Meine Trauer hat knapp 200 Wochen gedauert.

Anfang dieses Jahres schrieb ich: „2019 ist das Jahr des Entrümpeln, des Wegwerfens, des Aufräumens. Jeden Tag ein Schrankteil, eine Schublade, usw. – durch alle Zimmer, Keller, Dachboden.“

Fast fünf Monate habe ich entrümpelt, weggeworfen, aufgeräumt: viele Sachen von mir und von meiner Frau.

Das war ungeheuer befreiend und erleichternd.

Dazu zwei Reisen, die lange gewünscht waren und nichts mehr mit meiner Frau zu tun hatten. Es waren meine Reisepläne, die ich umgesetzt hatte.

Ich denke noch oft an meine Frau, aber diese Wehmut, diese Sehnsucht und Traurigkeit ist inzwischen die meiste Zeit verschwunden. Ich habe mein Leben wieder „in die Hand“ genommen: ich plane Neues, und es macht wieder Freude.

Klar ist: die Trauer wird irgendwann mal wieder zurückkommen, aber das ist für mich absolut in Ordnung, und es wird mich nicht erschrecken. Solche kleineren Trauerepisoden würde ich zur ursprünglichen Trauerzeit nicht mehr dazurechnen.

Ich bin momentan die wichtigste Person in meinem Leben, und ich muss das Beste aus meinem restlichen Leben machen. Ich bin allein dafür verantwortlich, niemand sonst. Und das hat nichts mit Egoismus zu tun.

Es ist mein Leben. Und eine neue Beziehung ist für mich kein Thema. Wenn es sich ganz zufällig ergeben würde: vielleicht. Man soll ja niemals „Nie“ sagen. Aber mit fast 70 sollte man auch ein wenig Realist sein.

It’s a bittersweet symphony – this life

Nächstes Jahr werde ich 70, und ich kann sagen: Viel Wahres in diesem Songtext.

Ein Unbekannter schrieb zum Original-Songvideo folgenden Kommentar – und ich kann ihm zu 100% zustimmen (Übersetzung in’s Deutsche):

This is a brilliant song. It is about the feeling of being trapped and powerless to change your behavior or your life due to circumstances beyond your control. It is about the sense of desperation you feel as your life passes before your eyes and you struggle unsuccessfully to control and shape it. It is about the perpetual conflict between the path you want to follow and the path you are compelled to follow.

Original: The Verve – Bitter Sweet Symphony, 1997
Autor: Richard Ashcroft
Musik: Mick Jagger, Keith Richards

Diese Dance/Electronic-Version:
Gamper & Dadoni – Bittersweet Symphony (feat. Emily Roberts), 2019

Veränderungen

Meine Tochter und ihre Familie haben sich entschieden, für einige Jahre und „open end“ in die Heimat ihrer Mutter bzw. meiner Frau auszuwandern. Mein Schwiegersohn hatte dort ein attraktives Stellenangebot gefunden, und er wurde akzeptiert. Inzwischen sind meine Tochter, mein Schwiegersohn und meine Enkelin in ihre neue Wahlheimat geflogen. Sie müssen ihren Lebensweg selbst finden – da habe ich nichts hineinzureden.

Aber ihr Weggang und ihre große räumliche Distanz schmerzen mich schon, auch in Zeiten von Messenger, WhatsApp & Co. Ich muss damit irgendwie klarkommen. Einfach wird das nicht.

Norwegen

Vier Jahre und mehr als drei Monate sind nach dem Tod meiner Frau vergangen.

Zu Beginn dieses Jahres habe ich einen Neubeginn für mein eigenes Leben angepackt. Zuerst einige Monate des Entrümpeln, des Wegwerfens, des Aufräumens. Das hatte etwas ungeheuer Befreiendes. Nicht dass ich nur Dinge weggeworfen habe, die einmal meiner Frau gehörten. Es waren weitaus mehr Dinge, die mir gehörten. Vieles hat jetzt einfach keine Bedeutung mehr.

Dann war ich im April auf den Kanaren und Madeira. Nun, zwei Monate später, war ich zehn Tage in Norwegen. Beide Ziele waren neu für mich und waren langgehegte Reisewünsche.

Besonders die Norwegenreise hat meiner Seele gutgetan.

Das mehr oder minder angenehme Leben zu Hause hat oft zu wenig neue visuelle Reize, hat zu viel Routine, verleitet zum Grübeln und zu einem schädlichen Schongang.

Die unendliche Weite der Landschaft, des Himmels oder des Meeres hat etwas enorm Beruhigendes. Das Leben in Norwegen hat eine viel geringere Geschwindigkeit und Lautstärke. Auf den Straßen spürt man die ca. 25% E-Autos sofort, genau wie den nicht von Eile und Aufgeregtsein geprägten Fahr- und Lebensstil.

Die nachfolgenden Fotos mögen dies ein wenig verdeutlichen.

Ich habe oft an meine Frau gedacht; sie hätte diese Reise sehr gemocht.

Das Leben geht weiter, und ich werde aus meinem restlichen Leben das Beste machen. Zu Hause sitzen, grübeln, traurig sein, sich im Selbstmitleid ergehen – das kann es nicht sein. Es gibt noch viel Neues zu entdecken. Auch allein.

Wenn Fortuna uns besucht …

Ein interessanter Gedankengang aus Kapitel 22 des Buches „Die Kunst des guten Lebens“ von Rolf Dobelli:

Unser Leben scheint planbarer, als es in Wahrheit ist.

Der Zufall spielt eine viel größere Rolle, als wir wahrhaben möchten.

Die Idee des Schicksals, der Fortuna“, der Göttin des Zufalls – ein jahrtausendelang bewährtes gedankliches Werkzeug – haben wir in den vergangenen 100 Jahren ausradiert.

Darum sind wir so erschüttert, wenn uns etwas Schlimmes aus dem Nichts widerfährt – Unfall, Krebs, Krieg, Tod.

Bis ins letzte Jahrhundert hinein wurden solche Katastrophen bereitwilliger akzeptiert. Die Menschen waren gedanklich auf Fortunas Besuch vorbereitet.

Heute bedeutet Schicksal ein „Versagen des Systems“.

Es gehört aber zum guten Leben, dem gedanklichen Werkzeug der Fortuna wieder den notwendigen Platz einzuräumen.

Fortuna und das Rad des Lebens (Buchillustration aus dem 15. Jh.)