In diesem Moment

In diesem MomentRoger Cicero (* 6. Juli 1970; † 24. März 2016)

In diesem Moment
Geht irgendwo die Sonne auf
Nimmt ein Schicksal seinen Lauf
Erlischt irgendwo ein Stern
Scheint das Glück unendlich fern
Werden Zwillinge geboren
Und Liebeslügen geschworen
Werden Hoffnungen zerstört
Und ein Gebet erhört
Und irgendwo wirds gerade Sommer
Und anderswo schon Herbst
Und Menschen glauben fest daran
Dass ihre Jugend wiederkehrt

(Refrain:)
Und als einer von Millionen
Steh ich hier und schau nach oben
Frag mich wo du gerade bist
Und wie es da wohl ist
Und als einer von Millionen
Der an Erinnerungen hängt
Fühl ich dass du gerade hier bist
In diesem Moment …

In diesem Moment
Schließen Augen sich für immer
Scheint ein kleiner Hoffnungsschimmer
Wird ein geschenktes Herz zur Last
Und durch Mitleid Geld gemacht
Wird ein Mensch zum Kampf gedrillt
Und ein Diktator altersmild
Wird die große Chance verpasst
Und am Sterbebett gelacht
Und hinterm Licht wartet ein Tunnel
Und am Tunnelende Licht
Nur dass ein Plan dahinter steckt
Zeigt sich für mich nicht

(Refrain)

Fragen nach dem großen Sinn
Der die Welt durchzieht
Versenden sich im All und schwingen mit
In jedem Lied

(Refrain)

Roger Cicero verstarb am letzten Donnerstag im Alter von 45 Jahren.

Werbeanzeigen

Fallen

Fallen von Blank & Jones

Do you remember me
I’m just a shadow now
This is where I used to be
Right here beside you
Sometimes I call your name
High on a summer breeze
What I would give
To feel the sunlight on my face
What I would give
To be lost in your embrace

(Refrain:)
I’ve fallen from a distant star
Came back, compelled because I love
I’m caught between two different worlds
I long for one more night on earth

Do you believe in dreams
That’s how I found you
But I can’t be with you
Till you take a leap of faith
What I would give
To feel the sunlight on my face
What I would give
To be lost in your embrace

(Refrain, 3x)

Bis gleich

Bis gleich von Ayke Witt

Ich bin kein Mann der großen Worte,
da bin ich genau wie du.
Ich hab dir so viel zu sagen
und kann nichts mehr für dich tun.
Du sagst, ich soll jetzt gehen
und alles machen was ich will.

Während meine Zeit grad anfängt, steht deine einfach still.

Das alles ist nicht fair, warum müssen wir uns so beeilen?
Wie packe ich ein Leben in ein paar gesprochene Zeilen?

Pass auf,
geh leicht,
flieg hoch,
fall weich …

Ich nehme deine Worte, wenn meine Kraft nicht reicht.

Pass auf,
geh leicht,
flieg hoch,
fall weich …

Wir sagen’s wie immer, wenn es Abschied nehmen heißt:

Bis gleich …

Ich mach mich auf die Reise,
sag mir, wo geht deine hin?
Kannst du auf den Menschen stolz sein,
zu dem ich geworden bin?
Weißt du, was du mir bedeutest,
hab ich dir das schon gesagt?

Dass ich alles geben würde, für noch einen guten Rat.

Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sein wird ohne dich.
Ich hab solche Angst, aber die zeige ich dir nicht.

Pass auf,
geh leicht,
flieg hoch,
fall weich …

Ich nehme deine Worte, wenn meine Kraft nicht reicht.

Pass auf,
geh leicht,
flieg hoch,
fall weich …

Wir sagen’s wie immer, wenn es Abschied nehmen heißt:

Bis gleich …

Jetzt muss aber mal genug sein

Gestern sah ich einen Film auf RTL mit dem Titel „Haltern am See – Leben im Schatten der Germanwings-Katastrophe“. In einer Langzeit-Reportage wurde dokumentiert, wie sich das Leben in der nordrhein-westfälischen Stadt ein Jahr nach dem Absturz der 4U 9525 verändert hat.

Am Ende des Films wurde ein fröhlicher Stammtisch gezeigt, und es fiel der allbekannte Satz „Jetzt – nach fast einem Jahr – muss aber mal genug sein mit der Trauer“.

Mir wurde das schon nach einigen Monaten nach dem Tod meiner Frau von einem Mitbewohner in unserem Mehrfamilienhaus gesagt. Ich war ihm nicht böse, denn er wollte mich bestimmt aufmuntern und mir mit einem derartigen Ansto helfen. Aber es war zu früh.

In letzter Zeit jedoch – nach einem Jahr – sage ich mir das nun sogar selbst. Wenn die Tränen mal wieder aus irgendeinem Anlass bei mir kullern, sage ich mir immer öfter: Jetzt muss aber mal genug sein.

Trauer hat aber kein Maß. Das Maß eines Gefühls wie Trauer unterliegt keinen vergleichenden oder objektivierbaren Maßstäben.

Trotzdem – ich will mich für das Leben entscheiden und nicht für die Dauer-Trauer. Ich will und werde meine Frau loslassen, so wie ich schon vieles in meinem Leben losgelassen habe, meine Kindheit, meine Schulzeit, meine Eltern, meine erste Frau, meine Tochter aus dem Elternhaus, meine Arbeitsstellen, und vieles mehr. Ohne Akzeptanz und Loslassen kann ich mich nicht weiterentwickeln.

Das ist eine willentliche Entscheidung – genau so wie ich entschieden habe, die Dinge meiner Frau zu entsorgen oder Dinge in der Wohnung zu verändern.

Die Trauer wird sich sicher immer mal wieder zeigen, aber das ist auch ein Zeichen meiner Liebe zu meiner Frau, die sich nicht verändern wird.

So ist das

Seit einiger Zeit suche ich ein neues Auto. Heute hatte ich mir einen wirklich interessanten Wagen angeschaut. Danach schrieb ich dies meiner Tochter:

Eben hätte ich fast ein Auto gekauft.
Dieses: (Details spielen hier keine Rolle, Vorführwagen, 4000 km, ca. 27% billiger als Neupreis). Aber ich kann mich einfach nicht von dem alten Wagen (18 Jahre alt, 170.000 km, Restwert 1000 bis 2000 Euro) trennen – zu viele Erinnerungen. Es kommt mir wie ein Verrat gegenüber Mama vor, dass ich das Auto, mit dem ich zusammen mit ihr die schönsten Urlaubsreisen gemacht habe, einfach verscherbele.
Nein, ich kann das nicht.

Ich hatte inzwischen die meisten Sachen meiner Frau entsorgt, aber das alte Auto kann ich (noch) nicht verkaufen …

Diese Sache mit dem neuen und unserem alten Auto hat mich den ganzen restlichen Tag heute beschäftigt. Die ganzen Erinnerungen an alle unsere gemeinsamen Reisen nach Frankreich, Italien, Österreich, Deutschland — alles sehr schmerzhaft, und das nach mehr als 12 Monaten nach dem Tod meiner Frau. Das Nummernschild unseres Wagens enthält zudem die Initialen des Vornamens meiner Frau. Ich musste nach langer Zeit wieder mal richtig viel weinen.

Und ich habe heute das starke Gefühl, dass mich dies bis zu meinem eigenen Tod nicht mehr loslassen wird.

Die Liebe wird nicht enden; die Trauer wird nicht enden.

So ist das.

Den Autokauf habe ich erst einmal verschoben.

Der Rosenmontagszug in der Passionszeit

duesseldorf-zochDer „Zoch“ – in der Passionszeit

Alles ist heute anscheinend möglich:

  • Feiern, saufen, (aufgesetzt) fröhlich sein – mitten in der Fasten- und Passionszeit, siehe Düsseldorfer Rosenmontagszug, heute, zwei Wochen vor Ostern.
  • Karfreitag in die Disko (wird ja allerorts gefordert), Popmusik im Radio an dem Tag, der an Jesu Tod am Kreuz erinnert. Das ist der höchste Feiertag der evangelischen Kirche (was aber kaum jemand noch weiß!).
  • Weihnachtsdeko, Weihnachtsshopping, Weihnachtsmärkte und natürlich Party in der Zeit zwischen Allerheiligen und Toten-/Ewigkeitssonntag.
  • Der Tod oder der nahende Tod wird versteckt: in die Krankenhäuser, Altenheime, Palliativstationen, Hospize.
  • Trauer wird natürlich auch versteckt: Wer macht heute noch Totenwache? Wer geleitet den/die Tote(n) noch durch den Wohnort zum Friedhof? Wer trägt in der Trauer noch schwarz? Alles muss versteckt werden. Alles muss möglichst schnell vorbei sein …

Da ist es kein Wunder, dass Trauernde mit ihrer Trauer nicht zurecht kommen, wenn die ganze Gesellschaft nur dem Hedonismus und Jugendwahn frönt. Jung bleiben, Party – bis es nicht mehr anders geht. Bloß nicht erwachsen werden und wenn irgend möglich, niemals alt werden.

Die Vermeidung von Schmerz und Leid, das Verstecken von Tod und Trauer – all das führt zu mehr Fällen „problemetischer Trauer“, manche werden gar ernsthaft psychisch krank. Früher war Trauer Bestandteil des Lebens, heute sollen Psychologen und Psychiater helfen. Nach der neuen Auflage des Diagnosemanuals für psychische Störungen der amerikanischen psychiatrischen Vereinigung gilt: „Nach zwei Wochen Trauer ist aber bitte Schluss“.

Was sind wir doch für eine kranke Gesellschaft!

Jens Baum schreibt in seinem Buch „Wie’s weitergeht, wenn nichts mehr geht“:

Der positive Pol existiert nur, weil es einen negativen Pol gibt!

Es bedeutet: ohne Aktivität keine Passivität, ohne Festhalten kein Loslassen, ohne Bösartigkeit keine Gutartigkeit, ohne Gesundheit keine Krankheit, ohne Trauer kein Glück, ohne Tod kein Leben.

Die negativen Erscheinungen in unserem Leben sind unabdingbar notwendig.

Schade, dass  die meisten dies erst gezwungenermaßen dann lernen, wenn jemand gestorben ist, der eine große Rolle im eigenen Leben spielte….

Ratschlag von Seneca

senecaSeneca

In seiner Trostschrift an Polybius, dessen Bruder gestorben war, gibt der römische Philosoph Seneca ihm Ratschläge, wie die Trauer überwunden werden kann.

Seneca meint, dass, obwohl die reine Vernunft nicht in der Lage ist, unsere Trauer völlig auszulöschen, diese jedoch die Macht hat, alles zu beenden, „was übertrieben und überflüssig ist“.

Seneca versucht über eine vernunftmäßige Argumentation, Polybius‘ Trauer-Schmerz zu heilen.

Er argumentiert, dass sein toter Bruder es entweder wollen würde oder nicht wollen würde, dass Polybius in tiefer Trauer ist.

Wenn sein liebloser toter Bruder es wollen würde, dass Polybius in Trauer leidet, dann ist er der Tränen nicht wert, und Polybius sollte aufhören zu weinen.

Wenn sein liebevoller toter Bruder es wollen würde, dass Polybius nicht in Trauer leidet, dann ist es die Sache von Polybius, wenn er seinen Bruder liebt und respektiert, dass er das Weinen beendet.

In beiden Fällen ist also das Trauern und das Vergießen von Tränen überflüssig.

Quelle und Originalzitat in deutscher Übersetzung aus dem Lateinischen:
Lucius Annaeus Seneca: Trostschrift an Polybius (Ad Polybium de consolatione), V, 2.

Entweder wünscht dein Bruder, daß du dich mit nie versiegenden Tränen abquälst, dann ist er dieses Gefühls deines Herzens für ihn unwürdig, oder er wünscht es nicht, dann lass den für euch beide überflüssigen Kummer; ein liebloser Bruder verdient und ein liebevoller wünscht nicht, daß man sich so nach ihm sehne. Bei diesem aber, dessen Liebe so erprobt ist, ist als gewiß anzunehmen, daß ihm nichts schmerzlicher sein kann, als wenn dir sein Tod schmerzlich ist.

Ein Jahr ohne meine Frau

Der erste Todestag meiner lieben Frau ist vorüber.

Die Erinnerungen an die Ereignisse vor genau einem Jahr waren sehr schmerzhaft. Ja, ich habe viel geweint. Aber die Familie und besonders meine liebe Enkelin haben mich getröstet. Wir haben das Grab besucht, gemeinsam gegessen und uns erinnert.

Erstaunlich: war es vor zwei Jahren (Zeitpunkt der Diagnose) und vor einem Jahr (Todestag) schon oft sonnig und frühlingshaft, so ist heute Schnee gefallen. Fast wie ein Symbol, denn ohne meine Frau ist es in meinem Leben kalt geworden.

Gestern abend, als ich vom gemeinsamen Essen zurückkam, war der Himmel ganz klar. Ich konnte den Wintersternenhimmel mit Sirius, den Zwillingen Castor und Pollux, Aldebaran und dem herrlichen Orion sehen. Wie oft war es in diesem Winter abends bedeckt gewesen. Aber heute war die ganze Sternenpracht zu sehen. Irgendwo da draußen leuchtet nun auch meine liebe Frau …

Wie war mein erstes Trauerjahr im Rückblick?

März bis Mitte Juli 2015 waren eigentlich gar nicht so schlecht: es war viel zu erledigen, und die Traurigkeit hielt sich in Grenzen. Ich bin sogar viermal (kurz) verreist.

Ende Juli bis Oktober 2015 war ich oft krank und extrem traurig.

November 2015 bis heute waren ziemlich wechselhaft – traurige und weniger traurige Phasen wechselten sich ab.

Ich habe einige ehrenamtliche Tätigkeiten ausprobiert. Einiges habe ich verworfen, einiges mache ich regelmäßig.

Die monatliche Trauergruppe hat mir geholfen, aber ich werde sie wohl nicht weiter besuchen, da sie mir keine neuen Impulse mehr gibt.

Stattdessen werde ich noch ein Trauerwochenende besuchen – an anderem Ort, mit anderen Menschen, zwei Tage lang, also viel intensiver als die zweistündige Trauergruppe.

Die Liebe zu meiner Frau wird bleiben. Die Trauer wird auch bleiben, aber langsam in den Hintergrund treten. Es ist an mir, mein restliches Leben gut zu leben und das Schöne im Leben zu entdecken. Das ist ganz sicher der Wunsch meiner lieben Frau.

2. Trauerjahr schlimmer?

Ich habe mal wieder in einem Trauer-Internetforum gelesen. Ich bin dort nicht mehr angemeldet, aber man kann ja trotzdem alles mitlesen.

Ich wollte das eigentlich nicht mehr tun.

Dort fühlen sich anscheinend nicht wenige Foristen – meist sind es Frauen – berufen, anderen Trauernden jeden zweiten oder dritten Tag mit Posts wie „… das 2. Jahr war schlimmer als das erste …“ oder „… für mich war das zweite Jahr auch schlimm …“ Angst zu machen.

Ist das ein Wettbewerb über das schlimmste Trauerjahr?

Jeder Trauerprozess ist doch so verschieden, dass derartige Vorhersagen oder „Erfahrungsberichte“ keinerlei Sinn machen. 

Ich bin auch deshalb so wütend, weil ich selbst gerade am Ende des ersten Trauerjahres stehe und solchen Bullshit nicht lesen will.

Aber eigentlich ist es ja mein Fehler. Warum lese ich das immer noch?

Merke: Trauerforen sind nicht immer hilfreich.

An deiner Seite

Bleib still liegen, mein Herz,
erschreck dich nicht.
Ich bin ein Freund,
der zu dir spricht …

Ich hab gewartet und gehofft,
dass der Moment vielleicht niemals kommt.
Dass er einfach vorübergeht.
Oder vielleicht niemals geschieht.

Du kamst zu mir
vor jedem allerersten Ton.
Als das Zeitglas unerschöpflich schien.
Du hast gelebt,
in jedem Sturm mit mir gekämpft.
Nie etwas verlangt,
nur gegeben und geschenkt.

Hast mir gezeigt
was wirklich wichtig ist.
Hast ein Lächeln gezaubert
mit deinem stillen Blick.
Ohne jedes Wort,
doch voll von Liebe und Leben.
Hast so viel von dir
an mich gegeben.

Ich schau zurück
auf eine wunderschöne Zeit.
Warst die Zuflucht
und die Wiege meines Seins.
Hast gekämpft
und jeden Moment mit mir geteilt.
Ich bin stolz
auch jetzt an deiner Seite zu sein.

Ich fang ein Bild von dir
und schließ die Augen zu.
Dann sind die Räume nicht mehr leer.
Lass alles andere einfach ruhen.
Ich fang ein Bild von dir
und dieser eine Augenblick
bleibt mein gedanklicher Besitz.
Den kriegt der Himmel nicht zurück.

Ich schau zurück
auf eine wunderschöne Zeit.
Warst die Zuflucht
und die Wiege meines Seins.
Hast gekämpft
und jeden Moment mit mir geteilt.
Ich bin stolz
auch jetzt an deiner Seite zu sein.

Ich fang ein Bild von dir …

Ich lass dich gehen
und wünsch dir alles Glück der Welt.
In diesem Augenblick
bist du das Einzige was zählt.
Lass dich fallen
und schlaf ganz einfach ein.
Ich werde für immer an deiner Seite sein.

Band: Unheilig; Autor: Der Graf;
Album: Puppenspiel; Veröffentlichung: 28. März 2008