I cried for you

I cried for you — gesungen von Katie Melua

Liedtext in deutscher Übersetzung,  in drei Ausschnitten:

… In vielen Jahren werden sie vielleicht vergessen,
unsere Liebe, oder dass wir uns trafen.
Sie mögen vielleicht nicht wissen,
wieviel du mir bedeutet hast …

… Ich weinte um dich,
als der Himmel um dich weinte.
Und als du gingst,
wurde ich zu einem Haltlosen ohne Hoffnung.

… Ohne dich sehe ich jetzt,
wie zerbrechlich die Welt sein kann.
Und ich weiß, du bist weggegangen,
aber du wirst immer in meinem Herzen sein …

Übung in Freundlichkeit sich selbst gegenüber

Die folgende Übung mache ich schon seit einiger Zeit, und ich empfinde sie als sehr wirkungsvoll: eine Übung in Freundlichkeit sich selbst gegenüber.

Wer Achtsamkeitsübungen praktiziert, wird ähnliche (Selbstmitgefühls-) Übungen kennen.

Die folgende ist hier in englischer Sprache beschrieben; es gibt auch ein englisches Audio dazu.

Die Übung ist wie folgt:

1. Entspannen Sie sich, atmen Sie ruhig.

2. Denken Sie an eine Situation in Ihrem Leben, die schwierig ist bzw. die Ihnen Stress oder Schmerzen verursacht.

Rufen Sie sich diese Situation in Erinnerung, fühlen Sie die Anspannung und/oder die physischen oder emotionalen Beschwerden in Ihrem Körper.

Nun sagen Sie, ggf. mehrfach, still zu sich selbst:

3. Das ist ein Moment des Leidens.

Das ist Achtsamkeit, also nicht wertende Aufmerksamkeit. Sie können auch alternativ zu sich sagen:

  • Das tut weh.
  • Da ist Anspannung.
  • Da ist Trauer.
  • Da sind Schmerzen.

Danach sagen Sie, ggf. mehrfach, still zu sich selbst:

4. Leiden ist ein normaler Teil des Lebens.

Es ist also ein Teil des Menschseins. Sie können auch alternativ zu sich sagen:

  • Andere Menschen fühlen genauso.
  • Ich bin nicht allein.
  • Wir alle kämpfen in unserem Leben.

Nun legen Sie Ihre Hände über Ihre Herzgegend, spüren Sie die Wärme der Hände und die sanfte Berührung der Hände auf der Brust. Oder berühren Sie sich sanft an einer Stelle, die Sie für sich als gut entdeckt haben. Sagen Sie sich dann, ggf. mehrfach, still zu sich selbst:

5. Möge ich freundlich zu mir sein.

Sie können sich auch fragen: „Welche freundlichen Worte brauche ich jetzt?“. Gibt es vielleicht einen Satz, der in Ihrer persönlichen Situation zu Ihnen spricht? Vielleicht in der Art:

  • Möge ich mir das Mitgefühl geben, das ich brauche.
  • Möge ich lernen, mich so zu akzeptieren, wie ich bin.
  • Möge ich mir vergeben.
  • Möge ich stark sein.
  • Möge ich geduldig sein.

Diese Übung kann zu jeder Zeit des Tages oder der Nacht gemacht werden.

Sie wird Ihnen helfen, die drei Aspekte der Freundlichkeit sich selbst gegenüber hervorzurufen, wann immer Sie ihrer am nötigsten bedürfen.

Ist da oben jemand?

… fragt Bärbel Schäfer (bekannt aus der Talkshow (1995-2002, RTL) gleichen Namens, verheiratet seit 2004 mit Michel Friedman) in ihrem vor kurzem erschienenen Buch.

Link: Bärbel Schäfer: Ist da oben jemand?

Sie schreibt über den Verlust ihres Bruders und die Zeit danach.

Verlagszitat:

Sie erzählt in ihrem Buch von ihrer Suche nach Sinn. Sie gibt tiefe Einblicke in ihr Seelenleben, in ihre Wut, ihren Schmerz und ihre Verzweiflung. Offen beschreibt sie ihre Skepsis und ihr Hadern im Umgang mit Gott und den Religionen der Welt. Wird der Glaube für sie eine Option sein?

Ich habe das Buch gestern und heute durchgelesen, da meine Situation eine ähnliche war und ist.

Es lässt mich aber doch ziemlich ratlos zurück.

Einerseits ist es eine für mich sehr nachvollziehbare Beschreibung einer verzweifelten Frau, die gerade ihren Bruder verloren hat.

Auf die Fragen „Ist da oben jemand?“ bzw. „Wird der Glaube für sie eine Option sein?“ gibt es am Schluss allerdings nur dieses zu lesen:

Ich war mit Juden, Muslimen, Katholiken, Evangelen, Buddhisten und Zeugen Jehovas an ihren Glaubensstätten. Feiertage und Feste gemeinsam mitgenommen. Ich habe das Gespräch mit dem Pastor, Imam, Rabbiner, Mönch und Pfarrer gesucht.

Und etwas später dann diese Quintessenz:

Gott habe ich auf dieser Reise nicht gefunden. Er ist mir weder ans Herz gewachsen noch erschienen. Ich mochte Momente. Ich mochte Stimmungen in Synagogen, Tempeln, Kirchen und Moscheen. Ich mochte nicht, wenn an diesen Orten Prediger den Menschen erzählten, dass nur in ihrer Religion die Wahrheit steckt.

Ich bin mir etwas unsicher, ob ich dieses Buch empfehlen soll.

Die zentrale Frage nach Gott wird nicht beantwortet.

Frau Schäfer beschreibt im Buch eine befreundete Jüdin und eine befreundete Muslima, die beide fest in ihrem Glauben stehen. Frau Schäfer kann aber deren Glauben nicht für sich nachvollziehen.

Frau Schäfer konvertierte zum Judentum, scheint diesen aber nicht intensiv zu leben. Ganz klar wird das alles nicht.

Letztendlich empfinde ich das ganze Buch als eine „Mogelpackung“, denn auf die Titelfrage „Ist da oben jemand?“ wird am Schluss einfach nur mit „nein“ geantwortet. Das ist mir zu wenig. „Eine Anregung zur eigenen Auseinandersetzung mit dem Glauben“ (Verlagszitat) sieht für mich anders aus.

Besuch bei Aladdin

Wenige Tage nach dem Trauerseminar entschloss ich mich, mir einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen und mich so weiter „in den Fluss des Lebens einzulassen“.

Ich bin also gestern ca. 400 km mit der Bahn nach Hamburg gefahren, habe das Musical „Aladdin“ im Theater „Neue Flora“ erlebt und genossen, habe in Hamburg übernachtet und bin heute vormittag wieder mit der Bahn zurückgefahren.

Als Disney- und Disneyland-Fan wollte ich unbedingt dieses hochgelobte Musical sehen, das bis Ende letzten Jahrs nur in New York und Tokyo zu sehen war. Seit Dezember 2015 nun zusätzlich in Hamburg.

Es war ein wirklich grandioses Erlebnis und jeden Euro der insgesamt 320 Euro wert, die der gesamte Spaß (Eintrittskarte Reihe 9, Hotel, Bahnfahrt, Nebenkosten) gekostet hat.

Ich bin immer noch ganz verzaubert und habe mir heute als kleine Nachfreude den Film „Countdown für Aladdin – Ein Musical kommt nach Hamburg“, der im Dezember 2015 auf VOX lief, angeschaut.

Neben dem Trauerseminar war dieser Musical-Besuch ein weiterer kleiner Baustein aus meiner Trauer zurück in den Fluss des Lebens …

Hauptstraßen zum Sinn des Lebens

Die Existenzanalyse, eine Weiterentwicklung der vom österreichischen Neurologen und Psychiater Viktor Frankl entwickelten Logotherapie, konzentriert sich auf die Voraussetzungen, die ein Mensch braucht, um sinnerfüllt leben zu können.

Frankl ging davon aus, dass das Streben nach Sinn die stärkste Motivationskraft des Menschen ist:

Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie.

Mit diesem Satz von Nietzsche brachte Frankl die von ihm entwickelte sinnorientierte Beratungs- und Behandlungsmethode auf den Punkt.

Viktor Frankl hat drei „Hauptstraßen zum Sinn des Lebens“ beschrieben:

  1. Erlebniswerte:
    Das Erleben von etwas Gutem, von etwas, das uns wertvoll erscheint, kann unserem Leben Sinn geben. Ein Spaziergang, Musikgenuss, ein Sonnenuntergang, ein inspirierendes Gespräch, eine erfüllende Liebesbeziehung.
  2. Schöpferische Werte:
    Werke oder Taten, etwas schaffen, kreativ werden in der Arbeit oder im Alltag, für eine Sache oder andere Menschen einstehen und auf diese Weise Sinn erfahren.
  3. Einstellungswerte:
    Leiden als Aufforderung begreifen, trotz aller Einschränkung noch die Freiheit ergreifen im Wie des Leidens und im Wofür des Leidens – und dem Leben, sich und anderen Menschen eine bedingungslose Treue halten.

Quelle: Psychologie Heute, Heft 01/2016, S. 66.

Buchtipps: Alfried Längle: Sinnvoll leben / Alfried Längle: Sinnspuren

Zurück vom Trauerseminar

Dreizehn Monate nach dem Tod meiner lieben Frau wollte ich mit meiner Teilnahme an einem Wochenend-Trauerseminar einen weiteren Schritt in meiner Trauerbewältigung tun.

Von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag habe ich nun dieses Trauerseminar an einem sehr stillen Ort am Niederrhein besucht. Wir waren (mit mir) acht Trauernde, ein Seminarleiter und eine Assistentin. Zwei Übernachtungen und Vollpension sorgten dafür, dass wir uns vollständig und ohne jede Ablenkung dem Seminar widmen konnten.

Das Seminar ist schwierig mit Worten zu beschreiben. Ein Versuch…

Insgesamt waren es sechs Zusammenkünfte mit einer Dauer von jeweils zwei bis vier Stunden, dazwischen gemeinsame Mahlzeiten. Sitzungen im Kreis (Gespräche, neue Impulse, Rituale, Malen) wechselten sich ab mit vielfältigen Formen von Körperarbeit (Bewegung, Musik, Tanz, Berührungen, Töne). Emotionen wie Traurigkeit, Wut, usw. konnten wir in diesen vielfältigen Übungen spüren und zum Ausdruck bringen. In der Gruppe wurde jeder Teilnehmer auf eine sehr liebevolle Weise angenommen, gehalten und aufgefangen. Blockaden wurden vorsichtig gelöst, und hinter der Trauer konnte ich wieder Lebensfreude und Energie spüren. Es war anstrengend, manchmal schmerzhaft und heilsam zugleich.

Wie bereits geschrieben: es ist sehr schwierig, dieses Wochenende mit Worten zu beschreiben. Man muss es einfach erlebt haben!

Auf der Rückreise war ich glücklich und hoffnungsfroh. Ich bin mir jetzt schon sicher: ich habe mir mit diesem Seminar selbst ein großes Geschenk gemacht. Ich habe mich getraut, mich zum Seminar anzumelden; ich habe mich getraut, hinzufahren; ich habe mich geöffnet, habe mich auf das Seminar eingelassen – und ich bin beschenkt worden – vom Seminarleiter und seiner Assistentin, die uns mit viel Gefühl und Empathie durch dieses Seminar geführt haben; last, but not least, bin ich von allen Teilnehmern der Gruppe beschenkt worden.

Ich war in meiner Trauer in ein tiefes Loch gefallen. Mit diesem Seminar hat dieses tiefe Loch begonnen, sich in eine Quelle zu verwandeln. Ich beginne, wieder Mut zu fassen und mich wieder einzulassen in den Fluss des Lebens – getreu dem Motto „Beweg Dich, dann bewegt sich was!“.

Einen Weg gibt es

weg

Es gibt einen Weg,
den keiner geht,
wenn Du ihn nicht gehst.

Wege entstehen,
indem wir sie gehen.
Die vielen zugewachsenen, wartenden Wege,
von ungelebtem Leben überwuchert.

Es gibt einen Weg,
den keiner geht,
wenn Du ihn nicht gehst;
es gibt Deinen Weg,
ein Weg, der entsteht,
wenn Du ihn gehst.

Werner Sprenger:
„Todesgedichte zum Auswendigleben“
(1995)

 

Tägliches flottes Gehen

Früher bin ich gejoggt, heute bevorzuge ich flottes Gehen oder „Walking“.

Seit dem Tod meiner Frau bin ich so gut wie täglich eine knappe Stunde gewalkt.

Das Walking war (und ist) für mich eine der wichtigsten und besten Trauerbewältigungsstrategien.

Mein Begleiter beim Walking ist der kleine Omron Walking Style X, der nicht nur die Schritte zählt, sondern auch die Intensität berücksichtigt.

walkingstylex

Vom 1. April 2015 bis gestern, 31. März 2016, sieht meine Statistik wie folgt aus (tägl. Zeitaufwand ca. 45 Minuten):

Gesamtes Jahr pro Woche pro Tag
 Walking-Schritte  1,95 Mio.  37.300  5.330
 Exercise Units „Ex“  1.168  22,3  3,2 (=ca. 4 MET)
 Verbrannte kcal  81.000  1.540  220
 Gewalkte km, ca.  1.600  31  4,4

Anmerkung:
Die Gesamtanzahl aller Schritte pro Tag ist natürlich viel größer als die oben angegebenen 5.330, denn im Gegensatz zu den „dummen“ Schrittzählern – wie die in Smartphones oder fitbit & Co. – unterscheidet das Omron-Gerät zwischen Schritten beim intensiven Gehen (die zählen) und Schritten beim Spazierengehen, Herumschlendern oder zu Hause (die zählen nicht). Die verbrannten Kalorien beziehen sich ebenfalls nur auf das intensive Walken.

Ach ja: inzwischen fehlt mir richtig etwas, wenn ich mal einen Tag nicht walken kann, wegen z. B. bei Dauerregen, Krankheit, usw.