Nichts suchen, nichts finden, einfach loslassen

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Sawaki Kōdō (1880-1965), japanischer Zen-Meister

Drei Spielfilme über Witwer-Schicksale

Drei Spielfilme über Witwer-Schicksale – eine Auswahl von mir – alle drei sehr unterschiedlich, alle drei unbedingt sehenswert.

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Inhaltsangaben und weitere Informationen können Sie über die jeweiligen Links in der deutschen Wikipedia nachlesen.

Ähnlichkeit

Ich hatte es eigentlich nicht erwartet, und ich habe es auch nicht herbeigesehnt.

Heute ist es passiert.

Auf der Straße sehe ich eine Frau von hinten – Größe, Statur und Haare wie bei meiner verstorbenen Frau. Als wäre ein Blitz durch mich hindurchgefahren.

Ich musste diese Frau von vorn sehen.

Wie verrückt ist das …? — Meine Frau ist doch tot!

Ich musste keine besonderen Aktionen unternehmen, um dieser fremden Frau in’s Gesicht schauen zu können, denn sie drehte plötzlich den Kopf zu mir und schaute mich an.

Sie hatte wirklich einige Ähnlichkeiten zu meiner Frau. Aber das war’s auch schon. Danach musste ich aber doch ein paar Minuten über diesen Vorfall nachdenken, denn es gibt recht wenige Frauen, die so aussehen wie meine Frau. Und einen kleinen Schmerz, eine kleine Traurigkeit habe ich aufgrund der aufkommenden Erinnerungen verspürt …

Abwärts

Nach meiner Reise nach Nizza, die schöner als erwartet war, haben mich viele kleine Bausteine in eine Abwärts-Spirale der Trauer versetzt: die Heimkehr in die leere Wohnung, das kalte, graue Wetter, gesundheitliche Probleme, usw.

Das Leben „draußen“ tobt weiter. Manchmal fahre ich mit der Bahn in die Stadt. In mir herrscht Traurigkeit, die mir aber niemand ansieht. Alle anderen haben ihre kleinen und großen Ziele vor Augen; ich „vertreibe“ mir die Zeit. Und ich grübele: Was hast du für Ziele? Was macht dir noch Freude? Was erfüllt dich wirklich? Was für Hoffnungen treiben dich an? Viel fällt mir dazu nicht ein.

Im Moment besteht meine kleine Welt aus Routinetätigkeiten (Waschen, Putzen, Kochen, Einkaufen) und mehr oder minder Belanglosigkeiten (Lesen, Walking, Internet, TV, Stadtbummel).

Meine ehrenamtlichen Tätigkeiten sind in Ordnung, aber bieten mir wenig befriedigende soziale Kontakte. Allerdings will ich die auch oft gar nicht haben, da mich eine gewisse Art von Leuten gewaltig nervt. So wie drei Frauen hinter mir im Flugzeug, die den gesamten Flug ununterbrochen idiotische Nörgeleien und Belanglosigkeiten ausgetauscht haben. Die drei haben mich an das Bibelwort (Spr 19,13b) „Nörgelnde Frauen sind so lästig wie ein ständig tropfendes Dach“ erinnert, besonders, weil meine Frau so ganz anders war. Überflüssiges Gerede war ihr ein Gräuel.

Ich überlege, ob ich gewisse Dinge in meinem Leben ändern sollte. Aber da sind viele Widerstände und Ängste. Außerdem ist da die fortwährende Traurigkeit, die ich nach nun fast 600 Tagen nach dem Verlust oft nicht verstehe. Manchmal vergleiche ich die jetzigen Tage mit denen vor einem Jahr. Habe ich mich wirklich weiterentwickelt? Hat sich meine Trauer reduziert? Oft antworte ich mit „nein“, aber das ist vielleicht auch nicht die ganze Wahrheit.

Die Gefühle sind eben da, und sie müssen gelebt werden.

Küsse süßer als Wein

Gerade lief dieser Song in meinem Lieblings-Internet-Radio, und ich erinnerte mich sofort an die wunderbare Zeit, als ich H. kennen und lieben lernte.

Träumte so gern von den Freuden der Welt …
Ich hatte manches Schöne mir vorgestellt …
Dann kam ein Tag und den vergesse ich nie …
Viel schöner als meine Phantasie …
Oh, oh, Küsse süßer als Wein …

(Song: K.I.S.S.E.S. – Resampled von: Bent – Original-Gesang: Nana Mouskouri)

Eine kurze Reise

Seit dem Tod meiner lieben Frau vor über 1½ Jahren konnte ich mich nur schwer zu einer Reise aufraffen. Ich war 2 Tage in Amsterdam (Museumsbesuche), 3 Tage am Niederrhein auf einem Trauerseminar und eine Nacht in Hamburg (Musicalbesuch). Sonst immer zu Hause. Mehr war nicht möglich. Die Gründe waren vielschichtig.

Nun bin ich gestern von einer Kurzreise nach Nizza zurückgekehrt. Während der Reise war der Geburtstag meiner verstorbenen Frau. Es hatte sich terminlich so ergeben, vielleicht aber sollte es sich einfach so ergeben.

Warum Nizza? Warum die Côte d’Azur? Schon das ganze Jahr 2016 zog es mich dahin: an die Orte, an denen ich insgesamt sechs Mal mit meiner Frau Urlaub machte und wo wir beide so glücklich waren. Nun, Anfang Oktober 2016, war der Zeitpunkt gekommen: hier wurde es kalt, und in Nizza war noch der totale Sommer. Und an einem Tag war auch noch der Geburtstag von H.

Die Tage vor der Reise waren für mich voller Zweifel und Traurigkeit. Was soll diese Reise? Was will ich dort? Ohne sie macht das doch alles keinen Sinn! Und wie werde ich reagieren?

Schon der Flug Richtung Süden war wie selten schön: über den Wolken, über den Alpen, der Landeanflug über der Küste: Cannes, Antibes, Cagnes, Flughafen Nizza.

wolken

antibes

Ich fühlte mich dort oben über den Wolken und Bergen meiner Frau sehr, sehr nahe, viel näher als an ihrem Grab oder in ihrem Zimmer in der Wohnung. Und auf dem Rückflug erlebte ich das erneut.

An ihrem Geburtstag habe ich dann zwei Orte besucht: vormittags Èze, ein kleines Bergdorf zwischen Nizza und Monaco, das für uns der magische Ort der französischen Riviera war, und nachmittags Cannes, wo wir immer gewohnt hatten. Auch an diesen Orten war eine große Nähe zu meiner Frau zu spüren. Ich erwartete eigentlich eine große Traurigkeit, aber da war viel mehr Liebe und Dankbarkeit. In Cannes war ich schon ziemlich traurig, da viele Ecken dort mit enorm vielen Erinnerungen verbunden sind. Aber es war schön, diesen Ort zu besuchen und eine starke Nähe zu meiner Frau und zu den gemeinsamen Erinnerungen zu erleben.

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Diese Reise war sehr wichtig für mich. Richtig erklären kann ich das nicht: diese Reise war eine Art Drang, der sich nun „aufgelöst“ hat. Ich bin nach diesem Aufenthalt ruhiger geworden und spüre viel weniger Trauer. Ich habe Orte besucht, an denen ich meiner lieben Frau sehr nahe sein konnte. Und ich kann sie immer wieder besuchen. Ich weiß meine Frau an einem guten, sicheren Ort …