Nur heute

Man mag über die Bücher von Dale Carnegie denken was man will — das Tagesprogramm mit dem Titel „Nur heute“ aus seinem 1948 erschienenen Buch „Sorge dich nicht – lebe!“ ist zeitlos gültig — auch und ganz besonders für Witwen und Witwer.

NUR HEUTE

  1. Heute will ich glücklich sein. Deshalb glaube ich, was Abraham Lincoln sagte: Die meisten Menschen sind so glücklich, wie sie sein wollen. Glück kommt von innen, es hat mit äußeren Umständen nichts zu tun.
  2. Heute nehme ich alles, wie es ist, und zwinge den Dingen nicht meinen Willen auf. Ich nehme alles, wie es kommt, und stelle mich darauf ein.
  3. Heute kümmere ich mich um meinen Körper. Ich bewege ihn, pflege ihn, ernähre ihn und vernachlässige oder missbrauche ihn nicht, damit er so perfekt reagiert, wie ich es mir wünsche.
  4. Heute trainiere ich meinen Geist. Ich lerne etwas Nützliches und faulenze nicht, sondern lese etwas, das Anstrengung, Konzentration und Denkarbeit verlangt.
  5. Heute mache ich drei Seelenübungen: Ich erweise jemand einen Gefallen, ohne dass er es merkt, und tue zwei Dinge, die ich nicht gern tue, um in Übung zu bleiben.
  6. Heute möchte ich erfreulich sein. Ich mache mich so hübsch wie möglich, ziehe mich nett an, spreche leise, bin höflich, lobe oft, kritisiere niemand, nörgle nicht und versuche nicht, andere zu ermahnen oder zu verbessern.
  7. Heute lebe ich allein für diesen Tag und versuche nicht, alle Probleme meines Lebens auf einmal zu lösen.
  8. Heute mache ich mir ein Programm. Ich teile die Zeit genau ein und schreibe es mir auf. Vielleicht halte ich die Einteilung nicht durch, aber immerhin habe ich sie gemacht. Damit vermeide ich zwei lästige Übel: Eile und Unentschlossenheit.
  9. Heute nehme ich mir eine ruhige halbe Stunde und entspanne mich. In dieser halben Stunde denke ich auch an Gott, um in mein Leben eine größere Dimension zu bringen.
  10. Heute bin ich ohne Angst, vor allem habe ich keine Angst davor, glücklich zu sein, das Schöne zu genießen.

Vielleicht der traurigste Liebesfilm

… ist für mich der chinesische Film „Heimweg“ (engl. „The Road Home“) mit der bezaubernden Zhang Ziyi aus dem Jahr 1999. Regie führte der chinesische Starregisseur Zhang Yimou. Er bekam für diesen Film auf der Berlinale 2000 den „Großen Preis der Jury“ (Silberner Bär).

Die Handlung des Films will ich hier nicht ausführlich erzählen – sie ist sehr gut in der Wikipedia dargestellt. Nur soviel: Es geht um das Begräbnis des Lehrers einer chinesischen Dorfschule und um die große Liebe der Witwe zu ihrem verstorbenen Mann, erzählt vom Sohn des Lehrers.

Die traurige Musik kann man auf YouTube hören:

Der Film selbst läuft nie im Fernsehen und natürlich auch nicht mehr im Kino. Selbst in Streaming-Angeboten ist er kaum zu finden. Die DVD ist neu ziemlich teuer; manchmal kann sie jedoch gebraucht günstig erwerben, z.B. im Amazon Marketplace.

Ein englischsprachiger Trailer ist auf imdb.com zu sehen.

Empfehlenswert!

97 Wochen

Heute ist „es“ 97 Wochen her. Oder gut 22 Monate. Als reine Zahl eine unfassbar lange Zeit, die gefühlt schnell vorbeigegangen ist. Die Erinnerungen beginnen bereits zu verblassen.

Ich weine in letzter Zeit wieder häufiger. Ist es Traurigkeit oder Selbstmitleid? Wer weiß das so genau? Keine Ahnung, wahrscheinlich beides. Oft wird das Weinen durch Erinnerungsfetzen ausgelöst; irgend ein Gedanke, eine Musik, ein Bild – neulich z. B. der Song „Lass uns gehen“ von Revolverheld. Das war ein Hit, der kurz vor dem Tod meiner Frau rauf- und runtergespielt wurde. Mit dem Weinen ist es meist schnell wieder vorbei. Ich schäme mich meiner Tränen nicht, nein, ich weiß inzwischen nur zu gut, dass sie mir sogar gut tun, denn mit den vergossenen Tränen verschwindet auch eine Art von „Trauer-Anspannung“.

Das Unterdrücken des Weinens halte ich inzwischen sogar für schädlich, da dies die physischen und psychischen Spannungen verstärkt.

Wenn du bei Nacht …

der-kleine-prinz

Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust,
wird es dir sein, als lachten alle Sterne,
weil ich auf einem von ihnen wohne,
weil ich auf einem von ihnen lache,
du allein wirst Sterne haben, die lachen können! […]
Wenn du dich getröstet hast (man tröstet sich immer),
wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.
Du wirst immer mein Freund sein. […]
Und deine Freunde werden sehr erstaunt sein,
wenn sie sehen, dass du den Himmel anblickst und lachst.

Originalzitat

Quand tu regarderas le ciel, la nuit,
puisque j’habiterai dans l’une d’elles,
puisque je rirai dans l’une d’elles,
alors ce sera pour toi comme si riaient toutes les étoiles.
Tu auras, toi, des étoiles qui savent rire ! […]
Et quand tu seras consolé (on se console toujours)
tu seras content de m’avoir connu.
Tu seras toujours mon ami. […]
Et tes amis seront bien étonnés
de te voir rire en regardant le ciel.

Aus „Der kleine Prinz“ (Kapitel XXVI) von Antoine de Saint-Exupéry (1943)

Was ich anderen erzähle

Wie geht es dir? Alles OK?

Die Antworten, die ich gebe, sind meistens nur die halbe Wahrheit, wenn überhaupt. Wie es in mir wirklich aussieht, das erzähle ich nicht, weder meiner Tochter, auch nicht entfernteren Verwandten, natürlich auch nicht den Nachbarn und noch nicht einmal hier.

Ich spiele eine Rolle. Es ist nicht meine Rolle, die ich spiele. Ich bin innerlich manchmal trauriger und verzweifelter, als ich mich gebe. Ich spiele eine Rolle: die des Witwers, der alles im Griff hat und der ganz gut über den Tod seiner Frau hinwegkommt oder hinweggekommen ist. Tatsächlich bin davon vielleicht entfernter, als andere denken; meine Tochter, die Nachbarn, auch die Leser hier.

Ich frage mich: was wäre, wenn ich völlig ehrlich wäre, zu allen Außenstehenden? Was wäre anders? Wäre ich dann der Jammerlappen, der in der Trauer Steckengebliebene, der in Selbstmitleid Absaufende, vielleicht sogar der Depressive?

Vielleicht will ich das alles nicht sein und verberge es.

Ich bin nicht in der Lage, zu verreisen. Treffen mit Fremden, sogar mit Bekannten, strengen mich an. Ich leide immer noch an diversen psychosomatischen Störungen, mal mehr, mal weniger. Das kalte Wetter macht mir jetzt mehr zu schaffen als früher. Und manchmal ist da eine diffuse Ängstlichkeit.

Und obendrauf dann noch diese permanente Melancholie. Die Erinnerungen an meine Frau scheinen bereits anzufangen, zu verblassen – nach fast zwei Jahren erscheint mir alles lange her. Die Trauer ist nicht mehr wie im ersten Jahr, sie hat sich verändert —

Aber das erzähle ich niemanden. Nur hier musste das mal raus.