30 Gedanken zum Tod

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Link-Tipp
Projekt-Webseite: http://30gedankenzumtod.de
Trailer: https://vimeo.com/165774063
Videos: https://vimeo.com/30gedanken/videos

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Diskursprojekt zeichnet „30 Gedanken zum Tod” – geäußert von sterbenden Menschen, Ärzten, Seelsorgern, Politikern, Juristen, Künstlern und anderen Personen – auf und stellt sie als Videoclips zur Ansicht in diverse soziale Netzwerke (Facebook, Twitter, Vimeo, Tumblr).

Die 30 Gedanken richten sich somit an jedermann, indem sie zur Auseinandersetzung aufrufen und zum Antworten auf die Frage einladen: „Wer oder was ist für Dich der Tod?”

Auch dies geht vorbei

Eine kleine Geschichte:

Der neue Häftling im Gefängnis war voller Angst und sehr deprimiert. Die steinernen Wände seiner Zelle saugten jegliche Wärme auf. Die harten Eisengitter höhnten dem Mitgefühl, der Klang aufeinander prallenden Stahls ließ erahnen, hinter wie vielen Toren die Hoffnung weggeschlossen wurde. Das Herz des Gefangenen war schwer, denn er hatte viele Jahre abzusitzen. Am Kopfende seines Lagers entdeckte er folgende Worte in die Wand geritzt: AUCH DIES GEHT VORBEI.

Dieser Satz half ihm durch diese schwierige Zeit, genau, wie er wahrscheinlich dem Häftling vor ihm Mut gegeben hatte. Ganz gleich, wie schlimm es wurde. Er sah dann auf die Inschrift und dachte daran: »Auch dies geht vorbei.« Am Tag seiner Entlassung erkannte er die tiefe Wahrheit hinter diesen Worten. Er hatte seine Strafe abgesessen. Auch die Zeit im Gefängnis war tatsächlich vorbeigegangen.

Als er wieder ins normale Leben zurückkehrte, dachte er oft an diese Botschaft. Er schrieb sie auf Fetzen Papier, die er an seinem Bett, in seinem Auto und auf der Arbeit deponierte. Sogar in ganz schlechten Zeiten erfasste ihn nie wieder eine Depression. Er entsann sich in scheinbar aussichtslosen Lagen immer der Worte: »Auch dies geht vorbei« und kämpfte sich durch. Die schlechten Zeiten schienen nie sehr lang zu dauern. Wenn gute Zeiten anbrachen, genoss er sie, aber nie allzu sorglos. Er entsann sich der Worte: »Auch dies geht vorbei« und arbeitete hart an seinem Leben, ohne auch nur das Geringste als selbstverständlich hinzunehmen. Die guten Zeiten schienen immer ungewöhnlich lange anzudauern.

Dann wurde bei ihm Krebs diagnostiziert. »Auch dies geht vorbei« gab ihm Hoffnung. Hoffnung gab ihm Kraft und die positive Einstellung, die Krankheit zu besiegen. Eines Tages bestätigte der Facharzt, dass »der Krebs vorbei gegangen war«.

Am Ende seines Lebens flüsterte er seinen Liebsten zu: »Auch dies geht vorbei«, und er fand einen ruhigen Tod. Seine Worte waren der letzte Liebesdienst für Familie und Freunde. Sie hatten von ihm gelernt: »Auch die Trauer geht vorbei.«

„Auch dies geht vorbei“ – dieser kleine Satz sorgt dafür, dass wir eine der großen Ursachen von Depressionen meiden und die guten Zeiten nicht zu selbstverständlich hinnehmen.

— Aus dem Buch „Die Kuh, die weinte“ von Ajahn Brahm, S. 103-104.
Ursprünglich eine Sufi-Geschichte aus „The Way of the Sufi“ von Idries Shah.

 

Euch zum Geleit

Gruppe: Schandmaul – Wikipedia / schandmaul.de
Titel: Euch zum Geleit, aus dem Album: Unendlich

Liedtext:

Es ist schön, euch alle hier zu sehn,
durch dieses Ereignis geeint.
Ich weiß, ihr wolltet diesen Weg nicht gehn,
ich sehe, dass der ein oder andere weint.
Vergießt keine Tränen, erinnert euch heiter,
an unsre gemeinsame Zeit.
In euren Herzen lebe ich weiter,
hinterließ diese Zeilen euch zum Geleit.

Mir geht’s jetzt gut,
ich bin dankbar für alles,
für jeden gemeinsamen Schritt.

(Refrain:)
Wollt ihr mich sehn,
so schließt die Augen.
Wollt ihr mich hörn,
so lauscht dem Wind.
Wollt ihr mich sehn,
schaut in die Sterne.
Wollt ihr mich hörn,
kommt an den Fluss.

Ich liebte Wälder, die Berge und das Meer,
die Sonne, die durch die Nebelwand dringt,
mit ihrem Schein die Seele wärmt,
alle Ängste und Zweifel bezwingt.
Hab mein Leben gelebt,
geliebt und gelitten,
bekommen, verloren,
genommen, gegeben,
hab gelacht und geweint,
mich versöhnt und gestritten,
ich bin am Ziel, und es war schön, dieses Leben.

Mir geht’s jetzt gut,
ich bin dankbar für alles,
für jeden gemeinsamen Schritt.

(Refrain)

Wenn Musik erklingt, lasst mich bei euch sein.
Wenn ihr die Krüge erhebt und feiert, ebenso.
Bei helllichtem Tag wie bei Feuerschein: Gedenkt meiner und dann seid bitte froh.

(Refrain)

Soll ich ganz nah bei euch sein,
schließt mich in euren Herzen ein,
besucht mich hier an meinem Stein.

Zum Thema „Tod und Trauer“ in den Mediatheken

Nachfolgend eine kleine Liste von (sehr unterschiedlichen) Diskussionen, Features und Filmen, die aktuell zum Thema Tod und Trauer in den Mediatheken verfügbar sind:

  1. Ja zum Leben – trotz Trauer
    Feature, 58 Min., verfügbar bis 19.02.2020, Quelle: WDR
    An einem Tag im März 2008 veränderte sich das Leben von Barbara Pachl-Eberhart abrupt. Bei einem Unfall starben ihr Mann, ihr sechsjähriger Sohn und ihre fast zweijährige Tochter. Doch anstatt in ihrer Trauer zu versinken, nimmt Pachl-Eberhart ihr neues, ganz anderes Leben an. Die Österreicherin merkt, dass sie anderen Trauernden aus der Seele spricht und ihnen helfen kann.
  2.  Mehr Leben vor dem Tod – Vom Leben im Hospiz
    Feature, 56 Min., verfügbar bis 14.12.2021, Quelle: SWR
    Wer nicht mehr zuhause gepflegt werden kann, hat das Recht auf eine palliative Versorgung in einem Hospiz. Dort will man den Sterbenden die verbleibende Lebenszeit so schmerzfrei und lebenswert wie möglich gestalten und die Patienten auf ihrem Weg in den Tod begleiten. Nicht die technischen Möglichkeiten stehen hier im Vordergrund, sondern der Wille des Patienten und seine letzten Wünsche. Planet Wissen wagt einen Blick in den Arbeitsalltag von Hospizen, zeigt die Möglichkeiten der Palliativmedizin auf und erklärt wie wichtig die Patientenverfügung für uns alle ist.

  3. Tod und Trauer
    Feature, 15 Min., verfügbar bis 18.01.2022, Quelle: Bayerischer Rundfunk
    Ob Erdbestattung, Verbrennung oder Steingrab, ob stiller Abschied oder gemeinschaftliches Trauern – jede Gesellschaft geht auf ihre eigene Art und Weise mit Tod und Trauer um. Darüber berichtet Prof. Dr. Frank Heidemann.

Vergänglichkeit und die Zyklen des Lebens

Nach einem schmerzhaften Verlust stellt man sich viele grundsätzliche Fragen. Manche Menschen stellen dann ihr ganzes Leben infrage. Aber die meisten durchschauen nicht die wahren Hintergründe des Glücklichseins, des Unglücklichseins und des Leids im Leben.

Die besten Antworten dazu fand ich in Eckhart Tolles Buch „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“.

Er schreibt über das Thema „Vergänglichkeit und die Zyklen des Lebens“ Folgendes:

Vergänglichkeit ist das Merkmal eines jeden Umstandes, einer jeden Situation, auf die du in deinem Leben treffen wirst. Alles wird sich verändern, es wird verschwinden oder es wird dich nicht länger befriedigen. […]
Solange ein Umstand von deinem Verstand als „gut“ eingeschätzt wird, sei es nun eine Beziehung, ein Besitz, eine gesellschaftliche Rolle, ein Platz oder dein physischer Körper, hält der Verstand sich daran fest und identifiziert sich damit. Es macht dich glücklich, gibt dir ein gutes Gefühl für dich selbst und kann zu einem Teil von dem werden, was du für dich selbst hältst. […]
Aber irgendwann enden die Dinge, sie verändern sich oder machen einen Polaritätswechsel durch. Derselbe Umstand, der gestern oder letztes Jahr noch gut war, hat sich plötzlich oder allmählich in einen schlechten verwandelt. Derselbe Umstand, der dich glücklich gemacht hat, macht dich nun unglücklich. Der Wohlstand von heute wird zum leeren Konsumententum von morgen. Aus der glücklichen Hochzeit, dem glücklichen Honeymoon wird die unglückliche Scheidung, die unglückliche Koexistenz, oder gar der schmerzhafte Tod des Partners. Oder ein Umstand verschwindet und sein Fehlen macht dich unglücklich. Wenn ein Umstand oder eine Situation, mit welchen der Verstand sich verbunden oder identifiziert hat, verschwinden, dann kann der Verstand das nicht akzeptieren. Er wird an dem verschwindenden Umstand festhalten und sich der Veränderung widersetzen. […]
Buddha lehrte, dass selbst dein Glücklichsein „Dukkha“ ist – ein Wort aus dem Pali, das „Leiden“ oder „Unzulänglichkeit“ bedeutet. Es ist von seinem Gegensatz untrennbar. Das bedeutet, dein Glücklichsein und dein Unglücklichsein sind in Wahrheit eins. Nur die Illusion von Zeit trennt sie. Diese Haltung ist nicht negativ. Sie erkennt einfach die Natur der Dinge an, so dass du nicht für den Rest deines Lebens einer Illusion hinterherrennst. Sie sagt auch nicht, du solltest angenehme und schöne Dinge oder Bedingungen nicht mehr schätzen. Aber wenn du von ihnen etwas erwartest, was sie dir nicht geben können – eine Identität, ein Gefühl von Beständigkeit und Erfüllung –, dann hast du ein Rezept für Frustration und Leiden. […]
Je mehr du auf diese Art das Glück suchst, desto mehr entzieht es sich dir. Nichts da draußen wird dich je befriedigen, es sei denn oberflächlich und für kurze Zeit, aber es kann sein, dass du vieler Illusionen beraubt werden musst, bevor dir diese Wahrheit einleuchtet. Dinge und Umstände können dir Vergnügen verschaffen, aber sie bringen immer auch Leid. Dinge und Umstände können dir Vergnügen verschaffen, aber sie bringen dir keine Freude. Nichts kann dir Freude bringen. Freude ist ohne Ursache und steigt aus dem Inneren als die Freude des Seins auf. Sie ist ein essenzieller Anteil des inneren Zustandes von Frieden. […]
Ein buddhistischer Mönch sagte einst zu mir: „Alles, was ich in den zwanzig Jahren als Mönch gelernt habe, kann ich in einem Satz zusammenfassen: Was entsteht, vergeht auch wieder. Das weiß ich.“ Er meinte damit natürlich dieses: Ich habe gelernt, dem, was ist, keinen Widerstand entgegenzusetzen; ich habe gelernt, den gegenwärtigen Moment zuzulassen und die vergängliche Natur aller Dinge und aller Umstände anzunehmen. So habe ich Frieden gefunden. Dem Leben keinen Widerstand entgegenzusetzen bedeutet, in einem Zustand von Gnade, Mühelosigkeit und Leichtigkeit zu sein. Dieser Zustand ist dann nicht mehr davon abhängig, dass alles auf bestimmte Art und Weise läuft. Es scheint fast paradox, aber wenn deine innere Abhängigkeit von Form verschwunden ist, werden sich deine allgemeinen Lebensumstände und äußeren Gegebenheiten wahrscheinlich stark verbessern. Dinge, Menschen oder Umstände, die du für dein Glück zu brauchen glaubtest, kommen jetzt ohne deine Mitwirkung, ohne Mühe auf dich zu und du kannst dich an ihnen erfreuen und sie würdigen – solange sie da sind. All diese Dinge werden natürlich auch weiterhin wieder verschwinden, Zyklen werden kommen und gehen, aber mit dem Verschwinden der Abhängigkeit verschwindet auch die Angst vor dem Verlust. Das Leben fließt mit Leichtigkeit.

Zitiert in Auszügen aus Kapitel 9 („Jenseits von Glücklichsein und Unglücklichsein ist Frieden“) des sehr empfehlenswerten Buches „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“ von Eckhart Tolle; © beim Verfasser. Die Hervorhebungen stammen von mir.

Man muss sich jedoch auf die vorgestellten Gedankengänge einlassen können.

Viele Menschen wollen (oder können) nicht erkennen, dass sie mit all ihrem Tun, Haben oder Streben einer Illusion hinterherrennen und sich gleichzeitig zu viele Gedanken über Vergangenheit oder Zukunft machen.

100 Wochen, 700 Tage, fast 23 Monate

Seit exakt hundert Wochen lebe ich nun ohne meine liebe Frau. Ich vermisse sie immer noch sehr. Ich denke jeden Tag an sie. Rückblickend ist die Zeit unglaublich schnell vergangen. Es gab in diesen 100 Wochen einige schlimme Tiefs, aber auch einige gute Monate voll Optimismus. Ich glaube, dass ich die Trauer bislang gut bewältigt habe. Ich habe in Deutschland und Frankreich einige Orte besucht, die meiner Frau und mir viel bedeutet haben und habe mich dort erinnert und Abschied genommen. Ich habe mich intensiv nach neuen Aufgaben umgesehen und diese auch gefunden. Ich habe viel über die Themen Trauer, Tod, Akzeptanz gelernt. Ich habe viele Dinge neu geordnet oder verändert, aber Vieles ist auch so geblieben, wie es war, als meine Frau unsere Wohnung am Aschermittwoch 2015 verließ, um ins Krankenhaus zu gehen, wo sie gut drei Wochen später in der Palliativstation verstarb. Der zweite Jahrestag ihres Todes wird in gut einem Monat sein. Nochmals werde ich mich intensiv an die Zeit vor ihrem Tod und an den Todestag erinnern. Wie könnte ich das jemals vergessen!

Aber nun, nach fast zwei Jahren, sind Akzeptanz, liebende Erinnerung und vor allem Dankbarkeit mehr im Fokus. Für mich ist es immer noch so unglaublich, dass ich das Glück hatte, 26 Jahre eine so tolle Frau an meiner Seite haben zu dürfen. Das ist der Schatz meines Lebens, und er bleibt mir für immer.

Braucht man einen (neuen) Partner für ein erfülltes Leben?

Viele Ledige und Verwitwete wünschen sich sehnlichst einen (neuen) Partner, weil sie annehmen, dass sie nur dadurch zu einem erfüllten Leben gelangen.

Wie wäre es, wenn man diese Phantasie eines erfüllten Lebens mit einem Partner, diese Phantasie einer besseren Zukunft, loslassen würde, und man sich stattdessen auf die Erfülltheit des Lebens im Hier und Jetzt, in einem selbst, konzentrieren würde?

Über dieses interessante und wichtige Thema schreibt Leo Babauta in seinem Blog „Zen Habits“ (in Englisch).