Du bist nicht dein Verstand

Der Verstand ist ein hervorragendes Instrument,
wenn er richtig benutzt wird.
Bei falschem Gebrauch kann er allerdings sehr destruktiv werden.
Genauer gesagt ist es nicht so, dass du deinen Verstand falsch gebrauchst – du gebrauchst ihn normalerweise überhaupt nicht.
Er gebraucht dich.
Das ist die Krankheit.
Du hältst dich für deinen Verstand.
Das ist die Wahnidee.

Eckhart Tolle:
Jetzt! – Die Kraft der Gegenwart (Kap. 1)

Der Wind wird uns tragen

Ein sehr schöner Song (aus dem Jahr 2001) von der französischen Band „Noir Désir“Le vent nous portera (Der Wind wird uns tragen), der die Themen Vergänglichkeit und Zuversicht auf eine typisch französische Art thematisiert.

Musik-Video:

Originaltext:

Je n’ai pas peur de la route
Faudrait voir, faut qu’on y goûte
Des méandres au creux des reins
Et tout ira bien là
Le vent nous portera

Ton message à la Grande Ourse
Et la trajectoire de la course
Un instantané de velours
Même s’il ne sert à rien va
Le vent l’emportera
Tout disparaîtra mais
Le vent nous portera

La caresse et la mitraille
Et cette plaie qui nous tiraille
Le palais des autres jours
D’hier et demain
Le vent les portera

Génétique en bandoulière
Des chromosomes dans l’atmosphère
Des taxis pour les galaxies
Et mon tapis volant dis?
Le vent l’emportera
Tout disparaîtra mais
Le vent nous portera

(…)

Ce parfum de nos années mortes
Ce qui peut frapper à ta porte
Infinité de destins
On en pose un
et qu’est-ce qu’on en retient?
Le vent l’emportera

Pendant que la marée monte
Et que chacun refait ses comptes
J’emmène au creux de mon ombre
Des poussières de toi
Le vent les portera
Tout disparaîtra mais
Le vent nous portera

(…)

Deutsche Übersetzung:

Ich hab keine Angst vor dem Weg,
weil ich ihn sehen sollte, ihn probieren muss
Jede Biegung, jede Windung,
und alles wird gut gehen
der Wind wird uns tragen

Deine Worte an den „Großen Bären“
und der Weg der Umlaufbahn.
Einen Augenblick wie aus Samt
auch wenn er keinen Nutzen hat.
Der Wind wird ihn wegtragen
Alles wird verschwinden aber
der Wind wird uns tragen.

Die Zärtlichkeit und der Geschosshagel
und diese Wunde, die uns zusetzt.
Die Paläste alter Tage
von gestern, von morgen
der Wind wird sie tragen.

Unser Erbgut, unsere Gene nimmt er,
trägt sie in die Luft,
in die Atmosphäre,
in die Galaxien,
wie ein fliegender Teppich.
Der Wind wird sie wegtragen.
Alles wird verschwinden aber
der Wind trägt uns.

(…)

Dieser Duft der toten Jahre
all das, was an deine Tür klopfen kann
die Unendlichkeit von Schicksalen
von denen wir eines leben,
und was behalten wir zurück?
Der Wind wird es wegtragen.

Während die Flut beständig steigt
und jeder seine Rechnung macht,
im Herzen meines Schattens
nehme ich Spuren von dir mit.
Der Wind wird sie tragen.
Alles wird verschwinden, aber
der Wind wird uns tragen.

(…)

Video der sehr schönen Cover-Version der Schweizer Sängerin Sophie Hunger:

Fast zwei Jahre

2015-16-17.jpg

Noch einige Tage, dann jährt sich der Todestag meiner Frau zum zweiten Mal.

Heute habe ich mir mal wieder Fotos meiner Frau angesehen. Sogar die Fotos aus den letzten Lebensjahren meiner Frau wirken inzwischen sehr „lang her“. Die Erinnerungen verblassen oder scheinen sich zu verändern, obwohl ich jeden Tag an meine Frau denke.

Besonders morgens. Warum morgens? Weil sich nach dem Erwachen erneut ein Tag ohne meine Frau manifestiert. Obwohl ich diese Realität verstanden und akzeptiert habe, muss ich sie jeden Morgen erneut verstehen und akzeptieren.

Seit zwei Jahren allein. Das Leben um mich herum tobt weiter, aber in mir ist Traurigkeit. Viel Traurigkeit. Zwar habe ich keine Tränenausbrüche, keine heftige Trauer. Stattdessen eine unterschwellige, diffuse Melancholie.

Inzwischen fragt auch niemand mehr nach meiner Frau. Sie ist in den Köpfen der Anderen verschwunden. Sie lebt nur noch weiter in meinen Gedanken, in meinen Erinnerungen, in meinen Träumen.

Ich würde gern über meine Frau reden. Aber wen interessieren alte Geschichten? Niemand.

Das alles ist die Natur dieser Welt. Wer etwas anderes von dieser Welt erwartet, ist ein Narr.