Goodbye My Love

Goodbye My Love – ein fast schon uraltes (1970er Jahre) chinesisches Abschiedslied zweier Liebenden, hier gesungen von der wahrscheinlich berühmtesten taiwanischen Sängerin: Teresa Teng (鄧麗君, Dèng Lìyún), die viel zu früh 1995 während einer Reise durch Thailand in Chiang Mai an einem Asthmaanfall mit nur 42 Jahren verstarb. Ursprünglich wurde der Song übrigens von Ann Lewis in Japanisch 1974 veröffentlicht (グッド・バイ・マイ・ラブ). Aber Ann Lewis‘ Interpretation des Songs (in Japanisch) reicht bei weitem nicht an die Interpretation (in Chinesisch) von Teresa Teng heran:

Goodbye My Love / 再見,我的愛人 / Zàijiàn, wǒ de àiren

Während der Live-Performance im folgenden Video (1976 in Japan) fließen bei der Sängerin während des gesprochenen Teils in der Mitte ein paar Tränen…

teresa-teng

Eine ungefähre Übersetzung des Songtextes:

Auf Wiedersehen, meine Liebe, wir trennen uns jetzt voneinander. Ich habe dir alles gegeben, ich hoffe du schätzt es und erfüllst meine Zuneigung zu dir. Ich weiß nicht, wann wir uns wiedersehen werden. Ich werde dich immer von ganzem Herzen lieben. Ich wünschte, du vergisst mich nicht. Ich werde mich bis in alle Ewigkeit an dich erinnern, an deine sanfte Berührung, dein warmes Herz, deine süßen Küsse, deinen berauschenden Gesang, die Zeit, die wir zusammen verbracht haben. Auf Wiedersehen, meine Liebe, ich weiß nicht, wann wir uns wiedersehen werden. — Auf Wiedersehen, meine Liebe, ich werde dich nie vergessen und wünschte, du würdest es auch nie. Vielleicht sehen wir uns ja wieder, nicht wahr? — Auf Wiedersehen, meine Liebe. Werden wir uns eines Tages sehen? Ich liebe dich von ganzem Herzen. Ich wünschte, du vergisst mich nicht. Oh, meine Liebe, ich glaube, wir werden uns eines Tages wiedersehen!

Der Song erinnert mich sehr an meine liebe Frau, schon allein deswegen, weil sie nur eineinviertel Jahre vor Teresa Teng und ebenfalls auf Taiwan geboren wurde.

Wann ist die Trauer endlich zu Ende?

Meine Frau ist heute vor 227 Wochen gestorben. Und in diesen 4 Jahren und 4 Monaten habe ich mich oft gefragt:

Wann ist die Trauer endlich zu Ende?

Vielleicht fragen Sie sich das auch gerade, wenn Sie dies hier lesen.

Ich kann hier nur von mir schreiben. Andere Trauernde werden es wahrscheinlich völlig anders erleben.

In diesem Jahr 2019 war bislang bei mir die Trauer substantiell weniger als in den 3¾ Jahren davor (2015 bis 2018).

Ich könnte auch sagen: Meine Trauer hat knapp 200 Wochen gedauert.

Anfang dieses Jahres schrieb ich: „2019 ist das Jahr des Entrümpeln, des Wegwerfens, des Aufräumens. Jeden Tag ein Schrankteil, eine Schublade, usw. – durch alle Zimmer, Keller, Dachboden.“

Fast fünf Monate habe ich entrümpelt, weggeworfen, aufgeräumt: viele Sachen von mir und von meiner Frau.

Das war ungeheuer befreiend und erleichternd.

Dazu zwei Reisen, die lange gewünscht waren und nichts mehr mit meiner Frau zu tun hatten. Es waren meine Reisepläne, die ich umgesetzt hatte.

Ich denke noch oft an meine Frau, aber diese Wehmut, diese Sehnsucht und Traurigkeit ist inzwischen die meiste Zeit verschwunden. Ich habe mein Leben wieder „in die Hand“ genommen: ich plane Neues, und es macht wieder Freude.

Klar ist: die Trauer wird irgendwann mal wieder zurückkommen, aber das ist für mich absolut in Ordnung, und es wird mich nicht erschrecken. Solche kleineren Trauerepisoden würde ich zur ursprünglichen Trauerzeit nicht mehr dazurechnen.

Ich bin momentan die wichtigste Person in meinem Leben, und ich muss das Beste aus meinem restlichen Leben machen. Ich bin allein dafür verantwortlich, niemand sonst. Und das hat nichts mit Egoismus zu tun.

Es ist mein Leben. Und eine neue Beziehung ist für mich kein Thema. Wenn es sich ganz zufällig ergeben würde: vielleicht. Man soll ja niemals „Nie“ sagen. Aber mit fast 70 sollte man auch ein wenig Realist sein.

It’s a bittersweet symphony – this life

Nächstes Jahr werde ich 70, und ich kann sagen: Viel Wahres in diesem Songtext.

Ein Unbekannter schrieb zum Original-Songvideo folgenden Kommentar – und ich kann ihm zu 100% zustimmen (Übersetzung in’s Deutsche):

This is a brilliant song. It is about the feeling of being trapped and powerless to change your behavior or your life due to circumstances beyond your control. It is about the sense of desperation you feel as your life passes before your eyes and you struggle unsuccessfully to control and shape it. It is about the perpetual conflict between the path you want to follow and the path you are compelled to follow.

Original: The Verve – Bitter Sweet Symphony, 1997
Autor: Richard Ashcroft
Musik: Mick Jagger, Keith Richards

Diese Dance/Electronic-Version:
Gamper & Dadoni – Bittersweet Symphony (feat. Emily Roberts), 2019

Veränderungen

Meine Tochter und ihre Familie haben sich entschieden, für einige Jahre und „open end“ in die Heimat ihrer Mutter bzw. meiner Frau auszuwandern. Mein Schwiegersohn hatte dort ein attraktives Stellenangebot gefunden, und er wurde akzeptiert. Inzwischen sind meine Tochter, mein Schwiegersohn und meine Enkelin in ihre neue Wahlheimat geflogen. Sie müssen ihren Lebensweg selbst finden – da habe ich nichts hineinzureden.

Aber ihr Weggang und ihre große räumliche Distanz schmerzen mich schon, auch in Zeiten von Messenger, WhatsApp & Co. Ich muss damit irgendwie klarkommen. Einfach wird das nicht.