Es ist alles gesagt

Meine Frau starb heute vor genau 250 Wochen, also vor fast fünf Jahren.

Ich werde ab sofort hier nichts mehr posten, da alles gesagt ist.
Neue Posts wären lediglich Wiederholungen mit kleineren Variationen.

Die Liebe endet nie und die Trauer endet nie.

Aber dieses Blog muss irgendwann ein Ende haben, und das ist jetzt.

Alles Gute an Sie, liebe Leserin und lieber Leser.

Wieder einmal in der Heimat meiner Frau

Meine verstorbene Frau stammte aus Taiwan.

Vor zwei Jahren besuchte ich – zum ersten Mal allein – die Familie meiner Frau.

Vor einigen Monaten entschlossen sich nun meine Tochter, ihr Mann und ihre Tochter (erst einmal für zwei Jahre) nach Taiwan zu emigrieren, da mein Schwiegersohn eine Lehrerstelle in Taipei gefunden hatte.

Nun besuchte ich – diesmal also unter ganz anderen Gegebenheiten – meine Tochter, ihre Familie und natürlich die Familie meiner Frau.

Meine zehnte Reise nach Taiwan war zumindest teilweise enttäuschend: Ich war nahezu die Hälfte der Zeit krank, und meine Tochter und ihre Familie hatten recht wenig Zeit, Dinge mit mir gemeinsam zu unternehmen. Somit war ich oft auf mich allein gestellt, was erst einmal kein großes Problem darstellte. Aber meine Trauer kehrte diesmal in der Heimat meiner Frau stärker zurück, als ich erwartet hatte. Ich fühlte mich oft allein, ich hatte starke Sehnsucht nach meiner Frau.

Dann hatte ich auch noch ein Erlebnis, das mich emotional aufgewühlt zurückließ:

Ich lief durch eine der unzähligen Shopping Malls von Taipei. Ein Laden weckte meine Aufmerksamkeit und ich betrat ihn, um mir die Waren etwas genauer anzuschauen. Nach einiger Zeit begann plötzlich in dem Laden eine mir sehr bekannte Hintergrund-Musik zu laufen: Goodbye My Love / 再見,我的愛人 / Zàijiàn, wǒ de àiren. Ich war wie vom Blitz getroffen. An einem willkürlichen Ort, zu einer willkürlichen Zeit, stehe ich hier, und es läuft genau diese Musik? Wie kann das sein? Das war für mich völlig unwahrscheinlich, ja unmöglich. So einen Zufall kann es doch gar nicht geben. Dieses Lied klang für mich wie aus einer anderen Welt – als wenn sich meine Frau endgültig von mir verabschieden wollte …

Noch heute verstehe ich nicht, wie es einen derartigen Zufall geben kann. Man betritt irgendwo und irgendwann einen Laden, und es läuft genau dieses Abschiedslied, das mir so viel bedeutet hat und immer noch bedeutet!

Nach meiner Rückkehr aus Taiwan bin ich immer noch fassungslos.

Der Karren und der Hund

Stellen Sie sich einen Hund vor, der an einem fahrenden Karren angeleint ist. Die Leine ist lang genug, um dem Hund zwei Möglichkeiten zu bieten:

  1. Entweder kann der Hund problemlos der Richtung des Wagens folgen, über die er keine Kontrolle hat, und gleichzeitig die Fahrt genießen und die Umgebung erkunden.
  2. Oder er kann dem Karren mit aller Kraft hartnäckig widerstehen und wird ohnehin mitgeschleppt – für den Rest der Fahrt.

Genau wie bei diesem Hund gibt es viele Dinge in unserem Leben, die wir nicht kontrollieren können. Entweder nehmen wir die Situation an und versuchen, das Beste daraus zu machen, oder wir bekämpfen sie wie der bockige Hund.

Es ist unsere Wahl.

Nehmen wir uns also den Rat des Philosophen Epiktet (um 50 – 138 n. Chr.) zu Herzen:

Verlange nicht, dass das, was geschieht, so geschieht, wie du es wünschst, sondern wünsche, dass es so geschieht, wie es geschieht, und dein Leben wird heiter dahinströmen.

Leicht gelesen – aber nicht leicht getan!

Dinge passieren, die sehr unglücklich scheinen, keine Frage.

Liebe Menschen sterben, eine Flut zerstört Ihr Zuhause, Sie verlieren Ihren Job oder bestehen Ihre Prüfungen nicht. Sie können diese Dinge nicht rückgängig machen. Sie können nur versuchen, sie mit einem edlen Geist zu akzeptieren und das Beste aus der gegebenen Situation zu machen.

Aber Achtung:
Akzeptanz hat überhaupt nichts mit Resignation zu tun.
Und Akzeptanz heißt auch nicht, dass wir es gutheißen.

Entrümpeln Teil 2

Gewicht (kg) vs. Zeit

Nachdem ich in den ersten Monaten dieses Jahres die Wohnung und den Dachboden entrümpelt hatte, habe ich von August bis Oktober mich selbst entrümpelt:

  • ich habe mein Gewicht um fünf Kilogramm reduziert,
  • habe mich von der Droge „freiem Zucker“ entwöhnt und
  • meine Omega-3-Zufuhr mit Walnusskernen und Leinöl verbessert.
  • Und ich bin natürlich täglich ca. 5+ km flott gegangen.
735898 Schritte in 100 Tagen, also täglich ca. 5-6 km = ca. 250 kcal pro Tag zusätzlicher Verbrauch

Ich hatte zwar schon öfter mein Gewicht reduziert, aber zu wenig auf Limitierung des freien Zuckers geachtet. Mit „freiem Zucker“ sind Monosaccharide (wie Glucose und Fructose) und Disaccharide (wie Saccharose oder Haushaltszucker) gemeint, die Lebensmitteln zugesetzt werden, sowie von Natur aus in Honig, Sirup, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten enthaltenen Zucker. Momentan esse ich weniger als 25 g freien Zucker pro Tag – wie von der WHO empfohlen.

Außerdem war mir aufgefallen, dass meine Omega-3-Zufuhr unzureichend ist. Ich esse nun täglich 2 Teelöffel Leinöl und 25 g Walnusskerne, was einer Zufuhr von ca. 330 mg Omega-3-Fettsäuren und der Empfehlung entspricht.

Insgesamt fühle ich mich ausgeglichener, schlafe besser, habe weniger Entzündungen und weniger Schmerzen. Und meine Verdauung ist auch besser.

Videos zum Thema, die wahre Augenöffner sind:

Zehn praktische Lehren des Stoikers Mark Aurel

Mark Aurel (oder Marcus Aurelius) war von 161 bis 180 römischer Kaiser und als Philosoph der letzte bedeutende Vertreter des Stoizismus.

Mark Aurel

Im folgenden Video (auf Englisch) sind zehn praktische Lehren aus den Selbstbetrachtungen des Mark Aurel wunderbar dargestellt:

  1. Ignoriere, was andere tun oder sagen
  2. Deine Realität wird durch Deine Meinungen gemacht
  3. Tue weniger
  4. Denke immer daran: der Tod klopft an Deine Tür
  5. Du bist stärker, als Du denkst
  6. Setze Deine Gaben und Stärken ein
  7. Beklage Dich niemals
  8. Egal wo, Du kannst überall glücklich leben
  9. Hilf der Gemeinschaft
  10. Sei dankbar für die Dir gegebenen Wohltaten und Segnungen

Kleiner Hinweis: Sie können in YouTube die Untertitel und die automatische Übersetzung ins Deutsche einschalten.

Und: es gibt weitere ähnliche Videos, die Lebensregeln von weiteren Stoikern zeigen – Seneca und Epiktet:

Wann ist die Trauer endlich zu Ende?

Meine Frau ist heute vor 227 Wochen gestorben. Und in diesen 4 Jahren und 4 Monaten habe ich mich oft gefragt:

Wann ist die Trauer endlich zu Ende?

Vielleicht fragen Sie sich das auch gerade, wenn Sie dies hier lesen.

Ich kann hier nur von mir schreiben. Andere Trauernde werden es wahrscheinlich völlig anders erleben.

In diesem Jahr 2019 war bislang bei mir die Trauer substantiell weniger als in den 3¾ Jahren davor (2015 bis 2018).

Ich könnte auch sagen: Meine Trauer hat knapp 200 Wochen gedauert.

Anfang dieses Jahres schrieb ich: „2019 ist das Jahr des Entrümpeln, des Wegwerfens, des Aufräumens. Jeden Tag ein Schrankteil, eine Schublade, usw. – durch alle Zimmer, Keller, Dachboden.“

Fast fünf Monate habe ich entrümpelt, weggeworfen, aufgeräumt: viele Sachen von mir und von meiner Frau.

Das war ungeheuer befreiend und erleichternd.

Dazu zwei Reisen, die lange gewünscht waren und nichts mehr mit meiner Frau zu tun hatten. Es waren meine Reisepläne, die ich umgesetzt hatte.

Ich denke noch oft an meine Frau, aber diese Wehmut, diese Sehnsucht und Traurigkeit ist inzwischen die meiste Zeit verschwunden. Ich habe mein Leben wieder „in die Hand“ genommen: ich plane Neues, und es macht wieder Freude.

Klar ist: die Trauer wird irgendwann mal wieder zurückkommen, aber das ist für mich absolut in Ordnung, und es wird mich nicht erschrecken. Solche kleineren Trauerepisoden würde ich zur ursprünglichen Trauerzeit nicht mehr dazurechnen.

Ich bin momentan die wichtigste Person in meinem Leben, und ich muss das Beste aus meinem restlichen Leben machen. Ich bin allein dafür verantwortlich, niemand sonst. Und das hat nichts mit Egoismus zu tun.

Es ist mein Leben. Und eine neue Beziehung ist für mich kein Thema. Wenn es sich ganz zufällig ergeben würde: vielleicht. Man soll ja niemals „Nie“ sagen. Aber mit fast 70 sollte man auch ein wenig Realist sein.

Veränderungen

Meine Tochter und ihre Familie haben sich entschieden, für einige Jahre und „open end“ in die Heimat ihrer Mutter bzw. meiner Frau auszuwandern. Mein Schwiegersohn hatte dort ein attraktives Stellenangebot gefunden, und er wurde akzeptiert. Inzwischen sind meine Tochter, mein Schwiegersohn und meine Enkelin in ihre neue Wahlheimat geflogen. Sie müssen ihren Lebensweg selbst finden – da habe ich nichts hineinzureden.

Aber ihr Weggang und ihre große räumliche Distanz schmerzen mich schon, auch in Zeiten von Messenger, WhatsApp & Co. Ich muss damit irgendwie klarkommen. Einfach wird das nicht.

Norwegen

Vier Jahre und mehr als drei Monate sind nach dem Tod meiner Frau vergangen.

Zu Beginn dieses Jahres habe ich einen Neubeginn für mein eigenes Leben angepackt. Zuerst einige Monate des Entrümpeln, des Wegwerfens, des Aufräumens. Das hatte etwas ungeheuer Befreiendes. Nicht dass ich nur Dinge weggeworfen habe, die einmal meiner Frau gehörten. Es waren weitaus mehr Dinge, die mir gehörten. Vieles hat jetzt einfach keine Bedeutung mehr.

Dann war ich im April auf den Kanaren und Madeira. Nun, zwei Monate später, war ich zehn Tage in Norwegen. Beide Ziele waren neu für mich und waren langgehegte Reisewünsche.

Besonders die Norwegenreise hat meiner Seele gutgetan.

Das mehr oder minder angenehme Leben zu Hause hat oft zu wenig neue visuelle Reize, hat zu viel Routine, verleitet zum Grübeln und zu einem schädlichen Schongang.

Die unendliche Weite der Landschaft, des Himmels oder des Meeres hat etwas enorm Beruhigendes. Das Leben in Norwegen hat eine viel geringere Geschwindigkeit und Lautstärke. Auf den Straßen spürt man die ca. 25% E-Autos sofort, genau wie den nicht von Eile und Aufgeregtsein geprägten Fahr- und Lebensstil.

Die nachfolgenden Fotos mögen dies ein wenig verdeutlichen.

Ich habe oft an meine Frau gedacht; sie hätte diese Reise sehr gemocht.

Das Leben geht weiter, und ich werde aus meinem restlichen Leben das Beste machen. Zu Hause sitzen, grübeln, traurig sein, sich im Selbstmitleid ergehen – das kann es nicht sein. Es gibt noch viel Neues zu entdecken. Auch allein.

Wie man Witwer mittags satt wird

Ich gebe es offen zu: in der Küche bin ich ein „Dummy“ (am. = Dummkopf). Aufwärmen von Tiefkühlkost, Spaghetti, Spiegeleier, Steak oder Bratwurst braten, Pizza aus dem Backofen … alles kein Problem für mich. Das war’s aber auch schon. Spaß macht mir das nicht – und das wird sich in meinem Leben wohl auch nicht mehr ändern.

Am Beispiel „Hühnchen-Geschnetzeltes in Curry-Soße mit Gemüse und Reis“ kann man die Alternativen mit ihren Vor- und Nachteilen und den zeitlichen und pekuniären Kosten schön aufzeigen:

  1. Gaststätte (China- oder Thai-Restaurant)
    Arbeitszeit: 0 Minuten, nur Weg zum Restaurant und Wartezeit.
    Kosten: ca. 8-12 Euro
    Vorteil: schmeckt i.A. besser als zu Hause, raffinierter zubereitet
    Nachteil: teuer
     
  2. Fertiggericht, z.B. Thai Curry von YouCook
    Arbeitszeit: 10 Minuten, nur Erhitzen in der Mikrowelle oder in der Pfanne
    Kosten: ca. 4 Euro
    Vorteil: schnell zubereitet (= aufgewärmt), schmeckt akzeptabel
    Nachteil: Portionsmenge relativ klein, zu wenig Gemüse
     
  3. Selbst kochen mit einigen Convenience-Produkten
    Arbeitszeit für zwei Portionen: 30 Minuten (Hühnchenfilet schneiden, anbraten, Sahne+Wasser+Soßenpulver+Fertigreis dazu, weiterköcheln. Gleichzeitig TK-Gemüse in Salzwasser erhitzen)
    Kosten für zwei Portionen: 3,50 Hühnchenfilet, 0,20 Sahne, 0,90 Maggi Fix Curry, 1,00 REWE Express Jasminreis, 1,00 TK-Gemüsemischung = 6,60 Euro, pro Portion 3,30 Euro.
    Vorteil: große Portion, die ein wenig „deutsch“ schmeckt, zweite Portion erfordert nur Aufwärmen.
    Nachteil: spürbarer Arbeitsaufwand plus größerem Abwasch.

Je nach Lust und Laune nutze ich alle drei Varianten.

Die zwei Fotos zeigen Variante 3 – vorher und nachher.

Zutaten
Resultat (eine Portion von zwei)