Haltet die Welt an

Auch nach vier Jahren ist es für mich einfach unfassbar, dass meine Frau nicht mehr ist. Klar, ich habe es akzeptiert, ich habe es rational begriffen, dass meine Frau tot ist. Aber gefühlsmäßig ist das alles immer noch schwer zu fassen.

Die Liebe, die Trauer, die Dankbarkeit.

Dieser Song sagt alles: Es fehlt ein Stück – haltet die Welt an!

Gruppe: Glashaus – Wikipedia / imglashaus.de
Song-Titel: Haltet die Welt an
Aus dem Album: Drei (2005)

Liedtext:

Seitdem du weg bist,
ist so manches ok.
Dafür, dass es korrekt ist,
tut es aber ganz schön weh.
Ich bin wirklich gesegnet,
hatte Glück,
und vieles ist super wie es ist,
bis auf die Lücke,
die nicht schließt.
Es ist ein perfekter Kreis von 280 Grad.
Der rettende Beweis,
den ich leider grad nicht hab.
Es ist der Sinn des Lebens,
den keiner mir verrät.
Man muss wirklich kein Genie sein,
um zu merken, dass was fehlt.

(Refrain 1:)
Bei Gott, es fehlt ein Stück, haltet die Welt an.
Es fehlt ein Stück, sie soll stehen …

(Refrain 2:)
Und die Welt dreht sich weiter,
und dass sie sich weiter dreht,
ist für mich nicht zu begreifen,
merkt sie nicht, dass einer fehlt?
Haltet die Welt an, es fehlt ein Stück.
Haltet die Welt an, sie soll stehen.

Es ist nicht zu beschreiben,
wie kalt und leer es ist.
Ich versuche nicht zu zeigen,
wie sehr ich dich vermiss.
Meine Freunde tun ihr Bestes,
aber das Beste ist nicht gut genug.
Für das was du mir gabst,
hat diese Welt kein Substitut.
Dies ist ein Akt der Verzweiflung,
ein stummer Schrei
eines Menschen voller Leid
und seiner Wunde die nicht heilt.
Es ist der letzte Kampf gegen das,
woran es liegt.
Wie ein Vogel mit nur einem Flügel,
der bestimmt nicht fliegt.

(Refrain 1)

(Refrain 2)

Es ist leicht zu erkennen
und schwer zu ertragen.
Wie konnte man uns trennen?
Mein Herz trägt deinen Namen.
Es ist die alte Geschichte,
wenn jemand stirbt.
Es fehlt ein Stück vom Puzzle,
das so niemals fertig wird.
Man sagt mir, halb so schlimm,
es geht weiter wie du siehst.
Um zu sehen, dass das nicht stimmt,
braucht es keinen Detektiv.
Ich kann meinen Zweck nicht erfüllen,
wie eine Kerze ohne Docht.
Dieses Schiff geht langsam unter,
merkt ihr nicht, es hat ein Loch?

(Refrain 1)

(Refrain 2)

Herbstmond über dem ruhigen See (平湖秋月)

Diese chinesische Melodie entstand in den 1930er Jahren, als der Komponist Lü Wencheng im Herbst einen Ausflug zum Westsee in Hangzhou machte. Dieser malerische Westsee bei Mondschein hat ihn regelrecht verzaubert: ein ruhiger See, Weiden am Seeufer, eine kühle Abendbrise und angenehmer Duft. Die Welt schien in einem silbernen Schleier zu liegen.

Für meine liebe Frau, die in meinem Herzen weiterlebt. Diese Musik drückt so vieles aus, was sie ausgemacht hat: ihre chinesische Seele, ihre Schönheit, ihre Liebe zur Natur und zur Musik. Ich liebe dich.

200 Wochen …

… ist es heute genau her, dass du gestorben bist. In gut 8 Wochen sind es bereits 4 Jahre. Was ich vor knapp einem Jahr schrieb (da war es genau 150 Wochen her), könnte ich fast 1:1 wiederholen.

Die Zeit der Feiertage war diesmal etwas melancholischer als in den Jahren davor. Vor drei Jahren weinte ich bitterlich, als ich nach der Feier bei Tochter und Enkelkind an Heiligabend allein war und auf der leeren Autobahn fuhr. Dieses Jahr kam diese Traurigkeit plötzlich und unerwartet am Morgen des 1. Weihnachtstages. Die meisten Leute, die bislang in ihrem Leben vom Tod eines nahen Angehörigen verschont geblieben sind, können sich das, so glaube ich, gar nicht vorstellen: nämlich dass nach fast 4 Jahren immer noch Tränenausbrüche ab und zu vorkommen. Aber ich kann und will mich nicht beherrschen, auch aus dem Wissen, dass ich mich danach besser fühle.

Manchmal frage ich mich: habe ich eine „verlängerte Trauerstörung“, oder bin ich gar depressiv? Aber für beides gibt es keine Anzeichen. Allerdings habe ich immer noch einen ziemlichen seelischen Druck in mir, insbesondere vor und während Jahres- und Feiertagen.

Silvester ist auch so ein Tag. So viele Erinnerungen. Das Kopfkino lässt sich nur schwer abschalten.

Und immer wieder erstaunlich, dass ab 2. Januar, wenn das normale Leben wieder beginnt, bei mir eine gewisse Leichtigkeit einsetzt. So auch dieses Jahr.

Emotionen an Silvester

Gerade sah ich das ARD-Silvesterkonzert, ein Stück war das Intermezzo aus Cavalleria rusticana von Pietro Mascagni.

Es erinnerte mich an so vieles. Das Stück ist einfach sehr emotional…

Und gerade der Silvestertag ist für mich nicht einfach.

Video:  Evergreen Symphony Orchestra, Taiwan, Dirigent: Lim Kek-tjiang.

Weihnachten 2018 – das 4. allein

Wieder Weihnachten, wieder ein Jahr fast vorbei. Dieses Jahr war nicht schön. Ich bin 68 geworden und die „Einschläge“ des Alters und der Krankheiten rücken näher. Nach der Trauer der letzten Jahre, die weniger geworden ist, ist es jetzt mein persönliches Altern, das ausgehalten und akzeptiert werden muss.

Weihnachtsfeste habe ich viele erlebt, sehr viele schöne – dank meiner lieben Eltern, zusammen mit meiner Frau und meiner Tochter, und nun mit meiner kleinen Enkelin. Die Feste haben sich enorm verändert. Früher in den Fünfzigern des vergangenen Jahrhunderts war Weihnachten einfacher, aber irgendwie verzauberter, mit mehr Schnee, mehr Stille, mit echten Kerzen und mehr Lametta.

Dieser Zauber ist ein wenig verlorengegangen.

Mit meiner Frau und meiner Tochter habe ich später viele schöne Weihnachten verlebt, viel moderner im Stil und als eigene Familie.

Jetzt ist auch dies vorbei.

Heiligabend zusammen mit meiner Tochter, meinem Schwiegersohn und meiner Enkelin ist wieder ganz anders als die vielen Weihnachten davor. Meine Frau wird zumindest von mir an diesem Tag schmerzlich vermisst. Und ich werde alt. Ich merke, dass ich das manchmal noch nicht wahrhaben will.

„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie was man kriegt.“  (aus dem Film „Forrest Gump“). Das gilt auch für Weihnachten, denn Weihnachten ist auch ein Spiegelbild der aktuellen Lebenssituation. Die aktuellen Pralinen sind nicht mehr so toll wie früher einmal.

Besonders an Weihnachten gilt: Leiden ist immer eine persönliche Entscheidung. Eckhart Tolle sagt dazu: „Der Ursprung des Leidens ist die Weigerung, das zu akzeptieren, was jetzt im Leben da ist“ (siehe dazu: Quelle und Erläuterungen).

Ich werde an den zwei Weihnachtsfeiertagen allein sein, werde akzeptieren was ist. Etwas Schönes essen, ein Buch lesen, spazieren gehen, Weihnachtsfilme anschauen, die ich mag … Es werden zwei schöne Tage, mit meiner Frau in meinem Herzen.  Da bin ich mir sicher.

Candles in the window
Shadows painting the ceiling
Gazing at the fire glow
Feeling that gingerbread feeling
Precious moments
Special people
Happy faces
I can see …
Somewhere in my memory
Christmas joys all around me
Living in my memory
All of the music
All of the magic
All of the family home here with me …

(Filmmusik aus dem Film „Kevin allein zu Haus“ von John Williams)

Allen Lesern dieses Blogs wünsche ich gesegnete Weihnachten.

Mögen Sie sich in Liebe und Dankbarkeit der Weihnachtsfeste erinnern, die Sie mit ihrem verstorbenen Angehörigen verleben durften, und mögen Sie trotz Traurigkeit schöne Momente beim diesjährigen Fest im Kreise von lieben und verständnisvollen Menschen erleben.

Ewigkeitssonntag 4

Heute, drei Jahre und achteinhalb Monate nach dem Tod meiner Frau, ist wieder Ewigkeitssonntag. Es ist der vierte Ewigkeitssonntag, an dem ich meiner verstorbenen Frau gedenke.

Vor drei Jahren schrieb ich: „Es gibt Zuversicht für einen Neustart ohne meine Frau“.

Vor zwei Jahren schrieb ich über ein „liebendes und dankbares Loslassen“.

Vor einem Jahr schrieb ich, dass „die Trauer sich reduziert, aber enorm langsam, und sie wird nie ganz verschwinden“.

Und heute? Wieder ein bewegender Gottesdienst. Meine Traurigkeit ist da wie ein guter Freund, und meine Frau fehlt mir sehr. Am Grab habe ich ihr gesagt, wie sehr ich sie liebe. Und das ist alles auch gut so.

2018 war und ist kein einfaches Jahr. Viele Krankheiten, eigentlich Petitessen, trotzdem führten sie bei mir zu einer psychischen Labilität und Melancholie. Ich habe eine Reise gemacht, aber diese war eher freudlos. Einige Dinge habe ich geändert. Keine wirklichen persönlichen Fortschritte. Aber ich habe sehr viel gelesen …

Ich muss zugeben: nach drei Jahren und achteinhalb Monaten plätschert das Leben mehr oder minder ruhig dahin, und ich habe keinen Plan.

Vielleicht will ich gar keinen Plan, keine wie-auch-immer gearteten „Fortschritte“, keine neue Partnerin. Ich sollte das Dahinplätschern meines Lebens einfach noch mehr genießen.

Ich bin traurig

Seitdem ich in der letzten Woche vom plötzlichen Tod eines ehemaligen Chefs von mir erfuhr, bin ich sehr traurig. Er starb viel zu früh – wie meine Frau mit 63. Er war ein immer freundlicher Mensch, eigentlich kein Chef, eher wie ein guter Kollege, und er bestimmte den Lauf meines eigenen Lebens mit. Viele Bilder von Situationen mit meinem ehemaligen Chef schwirren momentan durch meinen Kopf. Warum schlägt der Tod bei den guten, lieben, wertvollen Menschen oft so früh zu?

So ist es – nach 150 Wochen

Heute vor genau 150 Wochen bist Du gestorben.

Was für eine lange Zeit! Und doch irgendwie kurz, da die Zeit so schnell vergangen ist. Manchmal bringe ich bereits Dein Todesjahr durcheinander: war es 2014, 2015 oder 2016? Aber nahezu jede Woche erinnere ich mich an den Freitagabend, als – völlig unerwartet – die Schwester der Palliativstation anrief und mir mitteilte, dass Du diese Welt verlassen hast…

Heute Nacht träumte ich von Dir – irgendwelche Alltagssituationen, als sei nichts gewesen: keine Krankheit, kein Tod, keine Trauer… Solche Träume hinterlassen immer ein schönes Gefühl.

Ich beginne mich mit dem Alleinsein anzufreunden. Die Einsamkeit und die Traurigkeit besuchen mich manchmal. Aber zunehmend seltener.

Einige Hobbies mache ich inzwischen wieder mit Freude und Befriedigung. Andere, wie z.B. das Verreisen, machen mir allein keinen Spaß mehr. Ich bin neugierig, ob sich das irgendwann noch ändert.

In zweieinhalb Jahren bin ich bereits 70, und da mache ich mir keine Illusionen oder falschen Hoffnungen. Nach meinem Gefühl bin ich zwar eher 55, aber der Spiegel zeigt mir was anderes. Auf alle Fälle werde ich deshalb nicht in Torschlusspanik verfallen. Ich muss keine Bucket-List (Liste mit Dingen, die man noch nie gemacht hat, aber in seinem weiteren Leben gerne noch machen würde) abarbeiten.

Du hast mir mehr als 25 tolle, gemeinsame Jahre geschenkt, und dafür bin ich Dir sehr dankbar.

Weihnachten 2017 – das 3. allein

Lange habe ich mit mir gerungen: soll ich dieses Jahr einen Weihnachtsbaum aufstellen oder nicht? Nur für mich allein?

Ich hatte bis heute keine große Lust auf Weihnachten. Meine Tochter wollte an der Tradition nichts ändern – also fahre ich Heiligabend zu ihr, zum Schwiegersohn und zur Enkelin – und nicht umgekehrt sie alle zu mir (dann hätte ich ganz sicher mehr Motivation gehabt).

Doch heute habe ich den Weihnachtsbaum doch aufgestellt. Nur für mich. Und weil man nie weiß, ob man das nächste Weihnachten noch feiern kann …

So hat sich wieder diese inzwischen mehr melancholische als fröhliche Weihnachtsstimmung in meiner Wohnung (und in mir) „breit gemacht“, die so sehr dieser Komposition des berühmten Filmmusik-Komponisten John Williams entspricht: „Somewhere in my memory“

Candles in the window
Shadows painting the ceiling
Gazing at the fire glow
Feeling that gingerbread feeling
Precious moments
Special people
Happy faces
I can see …
Somewhere in my memory
Christmas joys all around me
Living in my memory
All of the music
All of the magic
All of the family home here with me …

Allen Lesern dieses Blogs wünsche ich gesegnete Weihnachten.

Mögen Sie sich in Liebe und Dankbarkeit der Weihnachtsfeste erinnern, die Sie mit ihrem verstorbenen Angehörigen verleben durften, und mögen Sie trotz Traurigkeit schöne Momente beim diesjährigen Fest im Kreise von lieben und verständnisvollen Menschen erleben.

Braucht man einen (neuen) Partner für ein erfülltes Leben?

Viele Ledige und Verwitwete wünschen sich sehnlichst einen (neuen) Partner, weil sie annehmen, dass sie nur dadurch zu einem erfüllten Leben gelangen.

Wie wäre es, wenn man diese Phantasie eines erfüllten Lebens mit einem Partner, diese Phantasie einer besseren Zukunft, loslassen würde, und man sich stattdessen auf die Erfülltheit des Lebens im Hier und Jetzt, in einem selbst, konzentrieren würde?

Über dieses interessante und wichtige Thema schreibt Leo Babauta in seinem Blog „Zen Habits“ (in Englisch).

Wenn du bei Nacht …

der-kleine-prinz

Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust,
wird es dir sein, als lachten alle Sterne,
weil ich auf einem von ihnen wohne,
weil ich auf einem von ihnen lache,
du allein wirst Sterne haben, die lachen können! […]
Wenn du dich getröstet hast (man tröstet sich immer),
wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.
Du wirst immer mein Freund sein. […]
Und deine Freunde werden sehr erstaunt sein,
wenn sie sehen, dass du den Himmel anblickst und lachst.

Originalzitat

Quand tu regarderas le ciel, la nuit,
puisque j’habiterai dans l’une d’elles,
puisque je rirai dans l’une d’elles,
alors ce sera pour toi comme si riaient toutes les étoiles.
Tu auras, toi, des étoiles qui savent rire ! […]
Et quand tu seras consolé (on se console toujours)
tu seras content de m’avoir connu.
Tu seras toujours mon ami. […]
Et tes amis seront bien étonnés
de te voir rire en regardant le ciel.

Aus „Der kleine Prinz“ (Kapitel XXVI) von Antoine de Saint-Exupéry (1943)

Ewigkeitssonntag 2

Vor zwei Jahren (und davor) war mir der Ewigkeitssonntag ziemlich egal. Er betraf mich einfach nicht. Seit einem Jahr ist das nun anders. Meine große Liebe ist irgendwo in der Ewigkeit, auf einem fernen Stern, im Himmel, über den Wolken, in einer Parallelwelt, oder fliegt womöglich irgendwo als Schmetterling …

Vor einem Jahr wurde der Name meiner Frau im Gottesdienst aufgerufen und es wurde eine Kerze für sie angezündet.

In diesem Jahr war es nicht minder bewegend, die Namen der im letzten Kirchenjahr Verstorbenen zu hören und ihrer still zu gedenken. Zum Schluss wurde eine weitere Kerze für alle in früherer Zeit Verstorbenen angezündet, also auch für meine liebe Frau.

den-himmel-gibts-echt

Der Pfarrer sprach unter anderem über das Buch und den Film „Den Himmel gibt’s echt“ (bei Amazon: Buch, DVD), die auf einer wahren Geschichte beruhen und uns Trost spenden können. Und über das Loslassen, das man nicht mit Vergessen oder Verdrängen gleichsetzen sollte.

Nein, anzustreben ist ein liebendes und dankbares Loslassen des Verstorbenen, damit dieser seinen Frieden findet und man selbst neue Wege suchen und einschlagen kann.

Nach 14 Monaten oder 61 Wochen

Nach 14 Monaten oder 61 Wochen wurde ich heute wieder an den Todestag meiner Frau erinnert. Zum zweiten Male nach ihrem Tode fiel das Monatsdatum ihres Todes wieder auf einen Freitag, dem Wochentag ihres Todes.

Es war seltsam: genau zum Todeszeitpunkt erinnerte ich mich an sie. Den ganzen Tag hatte ich an andere Dinge gedacht. Nach längerer Zeit habe ich heute für sie eine Kerze angezündet.

Die Dinge haben sich seit dem 1. Jahrestag ihres Todes, also in den letzten zwei Monaten, zum Besseren verändert. Die Gründe dafür sind vielfältig: das wunderbar hilfreiche Wochenend-Trauerseminar im April, der Kurztrip nach Hamburg, der Frühling, das warme Wetter der letzten Tage, und einiges mehr.

Die Trauer hat sich deutlich reduziert. Ich denke immer noch oft an meine Frau, aber da ist inzwischen weniger Traurigkeit und mehr Dankbarkeit.

Mit den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon.

Jean de La Fontaine (1621-95)