Ein Wort an Dich, lieber unbekannter Leser…

Im Moment gibt es Menschen auf der ganzen Welt, die sind genau wie Du.

Sie sind entweder einsam, sie vermissen jemanden, sie sind traurig, sie sind verletzt, sie sind von der Vergangenheit gezeichnet, sie haben persönliche Probleme, und sie haben Geheimnisse, die man nicht glauben kann.

Sie wünschen, träumen und hoffen.

Und im Moment sitzt Du hier vor Deinem Bildschirm, und Du liest diese Worte.

Ich schreibe dies hier für Dich, damit Du Dich nicht mehr so allein fühlst.

Denke immer daran: sei nicht übermäßig traurig in Bezug auf die Vergangenheit, sorge Dich nicht allzu sehr um die Zukunft. Versuch Dich nur auf das Heute zu konzentrieren.

Wenn nun der heutige Tag nicht so toll ist, mach Dir keine Sorgen!
Denn morgen hast Du eine neue Chance.

Alles Gute für Dich.

Veränderungen

Meine Tochter und ihre Familie haben sich entschieden, für einige Jahre und „open end“ in die Heimat ihrer Mutter bzw. meiner Frau auszuwandern. Mein Schwiegersohn hatte dort ein attraktives Stellenangebot gefunden, und er wurde akzeptiert. Inzwischen sind meine Tochter, mein Schwiegersohn und meine Enkelin in ihre neue Wahlheimat geflogen. Sie müssen ihren Lebensweg selbst finden – da habe ich nichts hineinzureden.

Aber ihr Weggang und ihre große räumliche Distanz schmerzen mich schon, auch in Zeiten von Messenger, WhatsApp & Co. Ich muss damit irgendwie klarkommen. Einfach wird das nicht.

175 Wochen

Was sind 175 Wochen? Fast 30.000 Stunden. 1.225 Tage. Über 40 Monate.

Die meisten sagen sicher: „Eine lange Zeit.“.

Und wenn es um die Trauer geht, sagen die meisten sicher: „Du trauerst immer noch – kann es damit nicht nun endlich genug sein?“.

Ja, manchmal zieht sich die Trauer zurück. Und sie ist weniger geworden.

Aber verschwunden? — Nein.

Genug Trauer? — Wenn es so einfach wäre.

Die Trauer kommt einfach – an einem trüben Tag, oder an einem herrlichen Sommertag.

Was soll man machen? Irgendwie weiterleben.

Aber manchmal bin ich müde. Müde wegen meines inzwischen zumeist banalen Lebens.

Du fehlst mir.
Ich vermisse dich.
Ich liebe dich.

Allein sein

Eines ist klar: eine Frau wie meine verstorbene Frau werde ich nie mehr finden.

Meine Frau hatte immer ein jugendliches Aussehen – mit 50 sah sie aus wie 30. Sie war immer sehr schlank und drahtig, sportlich, nie ein Gramm Fett zu viel, BMI immer um die 18. Zudem war sie intelligent, sprach als eine Frau aus Asien nahezu fehlerfreies und flüssiges Deutsch, war sehr belesen, sah gern anspruchsvolle Filme. Sie folgte immer ihren Werten: Bildung, Naturliebe, Familiensinn, usw., und ein Gräuel waren ihr Materialismus und Kaufrausch.

Und dabei war sie eine (asiatische) Schönheit; eine Traum-Frau – ich übertreibe nicht. Immer wenn ich in Asien war, habe ich schnell gemerkt, dass auch dort wenige Frauen so attraktiv wie meine Frau waren. Und im Vergleich zu europäischen Frauen sowieso …

Ich bin kein Narr. In den letzten Jahren habe ich viele Frauen in meinem Alter gesehen. Sie interessieren mich einfach nicht. Ich bin außerdem fast 68. Ich kenne meine Grenzen und werde mich nicht in Dating-Portalen selbst zum Affen degradieren. Nein. Ganz bestimmt nicht. Ich bin in Bezug auf Frauen anspruchsvoll, sehr anspruchsvoll. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich allein mein Leben weiterführe, ist deshalb sehr, sehr nahe bei 100 Prozent.

Das ist aber nicht schlimm, denn nach meiner mehrjährigen Trauerzeit mit vielen Gefühlen der Einsamkeit beginne ich mein Alleinsein immer positiver zu sehen und zu genießen.

Das Alleinsein hat ja so viele Vorteile: ich kann mich so verhalten und benehmen, wie ich mag, ohne Rücksicht zu nehmen oder Angst zu haben, was jemand anderes denken könnte, ich kann meinen eigenen Rhythmus finden und leben, ich kann in Ruhe über mich, mein Leben und meine Ziele nachdenken, ohne Einflüsse und ohne Druck von außen, …

Nachts besucht mich meine verstorbene Frau ab und zu in meinen Träumen. Tagsüber genieße ich mein Leben, allein und frei.

Diese Freiheit ist einfach unbezahlbar…

Zwischenbilanz nach 167 Wochen

167 Wochen, oder 38½ Monate, oder knapp 3¼ Jahre lebe ich nun allein, da meine liebe Frau mit 63 Jahren heimgerufen wurde.

Was für eine lange Zeit. Und doch fühlt sie sich so kurz an. Und in 2 Jahren bin vielleicht 70, wenn ich es denn erlebe.

Heute eine kleine Zwischenbilanz, die vielleicht negativer ausfällt als sie sollte, da ich momentan in einem Trauertal und einer gewissen Lebensstagnation feststecke.

Falls das hier jemand liest, der auch einen lieben Menschen verloren hat, könnte das manchem auch Angst bereiten; aber bitte immer dran denken: mein Schicksal ist nicht Ihr Schicksal, lieber Leser oder liebe Leserin.

Warum wieder ein Trauertal? Nach so langer Zeit?

Da genügt nicht viel: eine harmlose Erkrankung, die nicht weichen will – dann starb die Katze meiner Tochter vor ein paar Tagen – und selbst das schöne Wetter ohne einen geliebten Partner an all den Feier- und Brückentagen – all das treibt mich momentan in die Traurigkeit, in ein Trauertal.

Wenn alles früher besser war und heute schlechter, dann kommen die gefährlichen negativen Bewertungen im Kopf, selbst wenn es früher gar nicht alles wirklich besser war. Und aus den negativen Bewertungen kommen negative Gefühle, und die böse Spirale beginnt. Theoretisch ist es völlig klar, wie ungut so etwas ist. Und doch passiert es: ich bin traurig, unzufrieden, allein, fühle mich auf einem Trauer-Abstellgleis.

Stagnation macht sich breit, besonders auch deswegen, weil die Zeit rennt: gestern war noch Weihnachten, heute morgen ist Ostern vorbeigeflogen. Morgen ein wenig Sommer und Herbst, und übermorgen ist schon wieder Weihnachten. Jede Woche ist stramm durchorganisiert, und jede ist so langweilig wie die letzte.

Veränderungen wären wünschenswert, sind aber anstrengend. Manchmal habe ich einfach keine Kraft. Und keine Motivation. Dann überlege ich: was bringen mir solche Veränderungen? Die Antwort ist meist: Nichts, nur Mühe ohne Sinn. Dann kann ich es auch lassen.

Zum Beispiel: Verreisen. Warum soll ich noch groß verreisen, wenn man die Erlebnisse nur noch mit sich selbst teilen kann? Kein Partner da, mit dem man einen Sonnenuntergang oder einen Museumsbesuch teilen könnte. Allein ist es sinnlos, zumindest für mich.

Mir wird oft empfohlen, mich mit anderen Menschen zu verbinden, was immer das auch heißen mag. Aber das ist schwierig. Schwierig deshalb, weil ich mit der überwiegenden Mehrheit der „Anderen“ nichts anfangen kann und diese nichts mit mir. Zu speziell die Hobbies, zu speziell die Launen und Lebenserfahrungen. Auch fühle ich mich erheblich jünger als ich bin, eher Anfang 50 und nicht Ende 60. Aber für Leute Anfang 50 bin bzw. wirke ich zu alt.

Jemand schrieb folgendes – und dem kann ich voll zustimmen:

Warum ich lieber alleine bin …
Das Problem bin nicht ich.
Das Problem sind auch nicht die Anderen.
Das Problem ist die Differenz zwischen mir und den Anderen.

Eine einfache Lösung gibt es dafür nicht. Also warte ich auf den Zufall. Viel Zeit habe ich nicht, und die Wahrscheinlichkeit für eine Lebenswendung ist sehr gering.

Ich habe den schönen Teil meines Lebens bereits gelebt. Dafür bin ich besonders meiner verstorbenen Frau sehr dankbar.

Jetzt heißt es jeden Tag: „Weitermachen!“ und das Beste aus der Restlaufzeit machen. Das Leben – besonders das im Alter – ist nichts für Feiglinge.

Eine „Neue“ – die Lösung aller Probleme?

Vor einiger Zeit habe ich mal wieder gute Rat-Schläge bekommen. Es ging um meine aktuelle Lebensgestaltung, meine psychosomatischen Störungen, meine Traurigkeit, mein Alleinsein und was man dagegen tun könnte. Und dass mein jetziger Lebensstil ohne viele menschliche Kontakte und Bindungen einfach nicht gesund wäre. Ganz nach den Aussagen dieses Buches oder dieser Webseite:

Einsamkeit – die unerkannte Krankheit: schmerzhaft, ansteckend, tödlich.

Isolation und Einsamkeit sind ein immer höher werdendes Gesundheitsrisiko. Höher noch als Übergewicht.

Der schlichte Rat-Schlag war dann: „Such‘ dir ’ne Neue!“

Aber es geht nicht. So einfach ist es nicht. Nicht, dass ich zu dämlich oder zu knauserig wäre, mich über ElitePartner, Parship oder ein ähnliches Portal der reiferen Damenwelt anzubieten. Und damit alle Probleme zu lösen.

Meine Seele, mein Gefühl, sagt mir, dass das momentan kein Weg für mich ist. Und dass es nach mehr als drei Jahren zu früh ist. Wirklich zu früh. Und dass eine neue Beziehung, wenn überhaupt, höchstens zufällig passieren sollte und nicht gesteuert.

Eine Frau behauptete vor kurzem in einem Verwitweten-Forum dieses:

Männern fällt es meistens leichter als uns Frauen, sich auf eine neue Partnerschaft einzulassen …

Stimmt für mich schon mal nicht.

Ich bin wirklich einsam ohne dich

Dieser (vielleicht etwas banale) chinesische Pop-Song spricht mir momentan besonders aus der Seele. Aus zwei Gründen: Meine Frau war Chinesin. Und ihr Todestag jährt sich in ein paar Tagen zum dritten Mal. Mein Leben ist nicht mehr wie es mal war, und es wird nie mehr so sein. Das Leben ist endlich; das Glück ist endlich. Zurück bleiben nur schöne Erinnerungen und Dankbarkeit für die gemeinsamen Jahre.

游走在街头一个人孤单
(yóuzǒu zài jiētóu yīgèrén gūdān)
allein durch die Straßen gehen …

所有的快乐都和我无关
(suǒyǒu de kuàilè dōu hé wǒ wúguān)
diese ganze Fröhlichkeit hat nichts mit mir zu tun …

没有你陪伴我真的好孤单
(méiyǒu nǐ péibàn wǒ zhēn de hǎo gūdān)
ich bin wirklich einsam ohne dich …

我的心好慌乱被恐惧填满
(wǒ de xīn hǎo huāngluàn bèi kǒngjù tián mǎn)
mein Herz ist konfus und voller Angst …

没有你在身边真的好不习惯
(méiyǒu nǐ zài shēnbiān zhēn de hǎo bù xíguàn)
dich nicht neben mir zu haben, bin ich wirklich nicht gewohnt …

Sängerin: 梦然 (Meng-Ran oder Mira), geb. 1989 in Ulanhot, Innere Mongolei

Songtitel: 没有你陪伴真的好孤单 (Méiyǒu nǐ péibàn wǒ zhēn de hǎo gūdān) / Ich bin wirklich einsam ohne dich

Youtube-Video, gesungen von 梦然 (Meng-Ran oder Mira)

Weiteres Youtube-Video, gesungen von einem Mann (冷漠 / Leng Mo oder MoMo)

15 Kippen am Tag, …

… obwohl ich nicht rauche. Aber ich bin allein und oft einsam.

„Das Gefühl allein zu sein und niemanden zu haben ist nachweislich schlechter für die Gesundheit als das Rauchen von 15 Zigaretten pro Tag.“

— Mark Robinson, Chef von Age UK, zitiert in diesem Artikel

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Foto von Huy Phan auf Unsplash.

Siehe dazu auch diese Artikel:

So ist es – nach 150 Wochen

Heute vor genau 150 Wochen bist Du gestorben.

Was für eine lange Zeit! Und doch irgendwie kurz, da die Zeit so schnell vergangen ist. Manchmal bringe ich bereits Dein Todesjahr durcheinander: war es 2014, 2015 oder 2016? Aber nahezu jede Woche erinnere ich mich an den Freitagabend, als – völlig unerwartet – die Schwester der Palliativstation anrief und mir mitteilte, dass Du diese Welt verlassen hast…

Heute Nacht träumte ich von Dir – irgendwelche Alltagssituationen, als sei nichts gewesen: keine Krankheit, kein Tod, keine Trauer… Solche Träume hinterlassen immer ein schönes Gefühl.

Ich beginne mich mit dem Alleinsein anzufreunden. Die Einsamkeit und die Traurigkeit besuchen mich manchmal. Aber zunehmend seltener.

Einige Hobbies mache ich inzwischen wieder mit Freude und Befriedigung. Andere, wie z.B. das Verreisen, machen mir allein keinen Spaß mehr. Ich bin neugierig, ob sich das irgendwann noch ändert.

In zweieinhalb Jahren bin ich bereits 70, und da mache ich mir keine Illusionen oder falschen Hoffnungen. Nach meinem Gefühl bin ich zwar eher 55, aber der Spiegel zeigt mir was anderes. Auf alle Fälle werde ich deshalb nicht in Torschlusspanik verfallen. Ich muss keine Bucket-List (Liste mit Dingen, die man noch nie gemacht hat, aber in seinem weiteren Leben gerne noch machen würde) abarbeiten.

Du hast mir mehr als 25 tolle, gemeinsame Jahre geschenkt, und dafür bin ich Dir sehr dankbar.

Weihnachten 2017 – das 3. allein

Lange habe ich mit mir gerungen: soll ich dieses Jahr einen Weihnachtsbaum aufstellen oder nicht? Nur für mich allein?

Ich hatte bis heute keine große Lust auf Weihnachten. Meine Tochter wollte an der Tradition nichts ändern – also fahre ich Heiligabend zu ihr, zum Schwiegersohn und zur Enkelin – und nicht umgekehrt sie alle zu mir (dann hätte ich ganz sicher mehr Motivation gehabt).

Doch heute habe ich den Weihnachtsbaum doch aufgestellt. Nur für mich. Und weil man nie weiß, ob man das nächste Weihnachten noch feiern kann …

So hat sich wieder diese inzwischen mehr melancholische als fröhliche Weihnachtsstimmung in meiner Wohnung (und in mir) „breit gemacht“, die so sehr dieser Komposition des berühmten Filmmusik-Komponisten John Williams entspricht: „Somewhere in my memory“

Candles in the window
Shadows painting the ceiling
Gazing at the fire glow
Feeling that gingerbread feeling
Precious moments
Special people
Happy faces
I can see …
Somewhere in my memory
Christmas joys all around me
Living in my memory
All of the music
All of the magic
All of the family home here with me …

Allen Lesern dieses Blogs wünsche ich gesegnete Weihnachten.

Mögen Sie sich in Liebe und Dankbarkeit der Weihnachtsfeste erinnern, die Sie mit ihrem verstorbenen Angehörigen verleben durften, und mögen Sie trotz Traurigkeit schöne Momente beim diesjährigen Fest im Kreise von lieben und verständnisvollen Menschen erleben.

Mehr Fragen als Antworten

… Wenn der Himmel ohne Farben ist
Schaust du nach oben und manchmal fragst du dich
Ist da jemand, der mein Herz versteht?
Und der mit mir bis ans Ende geht?
Ist da jemand, der noch an mich glaubt?
Ist da jemand? Ist da jemand?
Der mir den Schatten von der Seele nimmt?
Und mich sicher nach Hause bringt?
Ist da jemand, der mich wirklich braucht?
Ist da jemand? Ist da jemand? …


Künstler: Adel Tawil
Song: Ist da jemand
Album: So schön anders

Braucht man einen (neuen) Partner für ein erfülltes Leben?

Viele Ledige und Verwitwete wünschen sich sehnlichst einen (neuen) Partner, weil sie annehmen, dass sie nur dadurch zu einem erfüllten Leben gelangen.

Wie wäre es, wenn man diese Phantasie eines erfüllten Lebens mit einem Partner, diese Phantasie einer besseren Zukunft, loslassen würde, und man sich stattdessen auf die Erfülltheit des Lebens im Hier und Jetzt, in einem selbst, konzentrieren würde?

Über dieses interessante und wichtige Thema schreibt Leo Babauta in seinem Blog „Zen Habits“ (in Englisch).

Was ich anderen erzähle

Wie geht es dir? Alles OK?

Die Antworten, die ich gebe, sind meistens nur die halbe Wahrheit, wenn überhaupt. Wie es in mir wirklich aussieht, das erzähle ich nicht, weder meiner Tochter, auch nicht entfernteren Verwandten, natürlich auch nicht den Nachbarn und noch nicht einmal hier.

Ich spiele eine Rolle. Es ist nicht meine Rolle, die ich spiele. Ich bin innerlich manchmal trauriger und verzweifelter, als ich mich gebe. Ich spiele eine Rolle: die des Witwers, der alles im Griff hat und der ganz gut über den Tod seiner Frau hinwegkommt oder hinweggekommen ist. Tatsächlich bin davon vielleicht entfernter, als andere denken; meine Tochter, die Nachbarn, auch die Leser hier.

Ich frage mich: was wäre, wenn ich völlig ehrlich wäre, zu allen Außenstehenden? Was wäre anders? Wäre ich dann der Jammerlappen, der in der Trauer Steckengebliebene, der in Selbstmitleid Absaufende, vielleicht sogar der Depressive?

Vielleicht will ich das alles nicht sein und verberge es.

Ich bin nicht in der Lage, zu verreisen. Treffen mit Fremden, sogar mit Bekannten, strengen mich an. Ich leide immer noch an diversen psychosomatischen Störungen, mal mehr, mal weniger. Das kalte Wetter macht mir jetzt mehr zu schaffen als früher. Und manchmal ist da eine diffuse Ängstlichkeit.

Und obendrauf dann noch diese permanente Melancholie. Die Erinnerungen an meine Frau scheinen bereits anzufangen, zu verblassen – nach fast zwei Jahren erscheint mir alles lange her. Die Trauer ist nicht mehr wie im ersten Jahr, sie hat sich verändert —

Aber das erzähle ich niemanden. Nur hier musste das mal raus.

… wenn auch nur in meinen Träumen

Bing Crosby – I’ll Be Home For Christmas (1943)

Englischer Originaltext:

I’ll be home for Christmas,
You can count on me.
Please have snow and mistletoe
And presents on the tree.
Christmas eve will find me,
Where the love light gleams
I’ll be home for Christmas,
If only in my dreams …

Auf Deutsch:

Ich werde Weihnachten zu Hause sein
Du kannst auf mich zählen
Bitte mit Schnee und Mistelzweig
und Geschenken unter dem Baum.
Heiligabend wird mich finden
dort, wo das Licht der Liebe leuchtet.
Ich werde Weihnachten zu Hause sein
wenn auch nur in meinen Träumen …

Wohl das traurigste Weihnachtslied – nur die Erinnerungen bzw. die Träume von vergangenen Zeiten bleiben …

Sie fehlt immer noch so sehr

Ja, meine Frau fehlt mir. Immer noch. Natürlich immer noch, wie sollte es anders sein? Sie fehlt mir so sehr!

Keine Ahnung, woran es liegt: die Kälte draußen, die Dunkelheit, der graue November, ein massiver grippaler Infekt, das viele Allein-Sein, die kommende Familien-Kuschel-Festtags-Saison mit all ihren Begleiterscheinungen. Meine Frau fehlt mir sehr – gerade jetzt, fast 1¾ Jahre nach ihrem Tod.

Man könnte es Trauertal nennen, andere nennen es SAD (Seasonal affective disorder) oder Winterdepression. Bei mir ist es sicherlich zusätzlich eine fortgesetzte Anpassungsstörung, auf gut Deutsch: ich habe einfach Schwierigkeiten, mich meinen neuen Lebensumständen anzupassen: dem Alleinsein, der zeitweiligen Einsamkeit, dem Gefühl der Leere, usw.

Dabei ging es mir zwischen Mai und Oktober 2016 – zumindest zeitweilig – besser, aber jetzt ist alles Positive wieder mal verflogen. Interessant ist außerdem, dass mir das Novembertief in diesem 2. Trauerjahr im Vergleich zum 1. Trauerjahr irgendwie schlimmer vorkommt. Allerdings sind die diesjährigen November-Temperaturen im Vergleich zum Vorjahr ca. 10 Grad niedriger. Auch an das kalte Wetter mag ich mich eben nicht anpassen.

Dabei gibt es, realistisch betrachtet, durchaus positive Entwicklungen. Das Ehrenamt macht Freude. Ich freue mich, dass ich – nach einer längeren und manchmal enttäuschenden Suche  – nun etwas gefunden habe, das mir wirklich Spaß macht und ein wenig Anerkennung und auch Kontakte bringen.

Ich bin auch im Nachhinein sehr froh, dass ich Anfang Oktober die kurze Reise in den Süden gemacht habe. Und nach dem Ewigkeitssonntag werde ich die Wohnung weihnachtlich schmücken; dieses Mal wird mir das leichter fallen als noch vor einem Jahr.

Ein vorsichtiger Vergleich zwischen dem 1. und 2. Trauerjahr:

  • Das 2. Trauerjahr ist – wie das 1. Jahr – nicht einfach. Es gibt immer noch tiefe Trauertäler.
  • Das 2. Trauerjahr ist – wenn man alle Facetten betrachtet – nicht schlimmer als das 1. Jahr, da man alles schon einmal ohne den Verstorbenen erlebt hat.
  • Das 2. Trauerjahr ist ganz anders als das 1. Jahr. Und, ja, es gibt Lichtblicke.

Es gibt auch nach fast 21 Monaten immer wieder schlimme Momente. Da weiß ich immer noch nicht, wie ich mit dieser Realität, dass meine Frau unwiederbringlich fort ist, weiterleben soll. Die Welt ist für mich so kalt und still geworden. Für die anderen „tobt“ das Leben weiter; dieser Irrsinn, der mir inzwischen größtenteils gleichgültig geworden ist.

Abwärts

Nach meiner Reise nach Nizza, die schöner als erwartet war, haben mich viele kleine Bausteine in eine Abwärts-Spirale der Trauer versetzt: die Heimkehr in die leere Wohnung, das kalte, graue Wetter, gesundheitliche Probleme, usw.

Das Leben „draußen“ tobt weiter. Manchmal fahre ich mit der Bahn in die Stadt. In mir herrscht Traurigkeit, die mir aber niemand ansieht. Alle anderen haben ihre kleinen und großen Ziele vor Augen; ich „vertreibe“ mir die Zeit. Und ich grübele: Was hast du für Ziele? Was macht dir noch Freude? Was erfüllt dich wirklich? Was für Hoffnungen treiben dich an? Viel fällt mir dazu nicht ein.

Im Moment besteht meine kleine Welt aus Routinetätigkeiten (Waschen, Putzen, Kochen, Einkaufen) und mehr oder minder Belanglosigkeiten (Lesen, Walking, Internet, TV, Stadtbummel).

Meine ehrenamtlichen Tätigkeiten sind in Ordnung, aber bieten mir wenig befriedigende soziale Kontakte. Allerdings will ich die auch oft gar nicht haben, da mich eine gewisse Art von Leuten gewaltig nervt. So wie drei Frauen hinter mir im Flugzeug, die den gesamten Flug ununterbrochen idiotische Nörgeleien und Belanglosigkeiten ausgetauscht haben. Die drei haben mich an das Bibelwort (Spr 19,13b) „Nörgelnde Frauen sind so lästig wie ein ständig tropfendes Dach“ erinnert, besonders, weil meine Frau so ganz anders war. Überflüssiges Gerede war ihr ein Gräuel.

Ich überlege, ob ich gewisse Dinge in meinem Leben ändern sollte. Aber da sind viele Widerstände und Ängste. Außerdem ist da die fortwährende Traurigkeit, die ich nach nun fast 600 Tagen nach dem Verlust oft nicht verstehe. Manchmal vergleiche ich die jetzigen Tage mit denen vor einem Jahr. Habe ich mich wirklich weiterentwickelt? Hat sich meine Trauer reduziert? Oft antworte ich mit „nein“, aber das ist vielleicht auch nicht die ganze Wahrheit.

Die Gefühle sind eben da, und sie müssen gelebt werden.

Als Mann über Trauer reden

Als Witwer über (die eigene) Trauer reden: das gibt es eigentlich nicht. Die Familie (Tochter, Schwiegersohn, Enkelin) will ich damit nicht belästigen. Selbst mit guten Freunden, sofern man (noch) welche hat, möchte man nicht über Trauer sprechen. Und schon gar nicht nach mehr als einem Jahr, denn da muss ja nun mal „genug sein“. Wer bleibt da noch?

Witwen sind da sicher anders: die öffnen sich ihren Freundinnen leichter und die verfügen zumeist über ein mehr oder minder großes Netzwerk von Menschen, die für die Trauer ein Ohr haben. Keine Ahnung, ob der letzte Satz stimmt, aber das ist so mein Eindruck.

Also muss man die Trauer irgendwie allein bewältigen. Ja, man könnte die Telefonseelsorge anrufen, aber so schlimm ist ja nun auch nicht.

Ich schreibe diesen Beitrag, weil ich fast die ganze letzte Woche ziemlich traurig war. Trotz aller Tricks aus der Psycho-Kiste, trotz Stimmungsaufheller, trotz Restaurant- und Eisdielen-Besuch, trotz genügend Bewegung (Sport war nicht möglich wegen der enormen Hitze), trotz sonniger und langer, heller Tage – alles ist doch freudlos, sinnlos.

Ich habe in dieser Woche wohl keine fünfzig Sätze geredet: Friseur, Nachbarn, Verkäufer, Bedienung. Ich spule gewisse Standard-Tagesabläufe herunter, konsumiere Mahlzeiten und Medien, ärgere mich über Nachrichten und den Zustand dieser kaputten Welt, schaute EM, schaue Tour de France, werde Olympia schauen, dazwischen ein Buch, ein Film, dann wieder mal Einkaufen, Putzen, Internet und natürlich 10.000 Schritte gehen oder power-walken, und das ganze von vorn, zwischendurch sieben bis acht Stunden Schlaf.

Urlaubsreisen, Hobbies: ja die gab es. Aber die Lust dazu ist komplett verflogen.

Keine Ahnung, was aus mir werden soll. Ich muss mich neu erfinden. Muss ich das?

Zumindest ist mein Leben stressarm. Habe ich mir das nicht öfter früher gewünscht?

Werde ich noch mal glücklich sein?

Ich kann mich nicht wirklich über das neue Auto freuen. Ich lebe tagein, tagaus; man kann sagen: ich funktioniere einfach. Manchmal bin ich sehr traurig, manchmal nicht. Ich habe nicht viel Kontakt zu anderen Menschen. Es ist mir zu anstrengend, und wer kann und will meine Situation schon verstehen? Ich mag zudem keine Oberflächlichkeiten. Die meisten Dinge, die mir früher Freude gemacht haben, interessieren mich nicht mehr sonderlich. Verreisen? Warum sollte ich das tun? Die Orte, die mich interessieren, habe ich schon mit meiner Frau besucht. Eine erneute Reise an die Côte d’Azur – ein Ort, den ich viele Male mit meiner Frau besucht hatte – habe ich erst neulich wegen der massiven Streiks in Frankreich storniert. Ich war nicht traurig darum. Ich wollte noch einmal einen Ort des gemeinsamen Glücks besuchen und vielleicht Abschied nehmen, denn jetzt ist es ein Ort des vergangenen Glücks. Es hat keine Eile, diesen Ort noch mal zu besuchen. Vielleicht habe ich auch ein wenig Angst davor. Ich frage mich oft: Werde ich noch mal glücklich sein? Die Antwort weiß ich nicht. Eine neue Beziehung, eine neue Frau, ist sicher nicht die Antwort auf diese Frage. Mein Alleinsein wohl auch nicht. So gehen die Wochen dahin. Wer weiß, wohin mich dieser Weg führt?

Auf und ab

Es gibt Tage, da denke ich wenig an meine verstorbene Frau. Ich kann Dinge genießen. Ich beschäftige mich mit einigen Hobbies und kann vieles um mich herum vergessen (oder sollte ich besser schreiben: „verdrängen“?); das war vor wenigen Monaten nicht möglich. Jetzt finde ich wieder etwas Freude an meinen Hobbies.

Wenn man das liest, könnte man denken: alles prima, Trauer überwunden, so kann es weitergehen.

So ist es natürlich nicht.

Da gibt es die anderen Tage. Voller Schatten, viele Erinnerungsfetzen, schöne Erinnerungen, sehr schöne sogar; und alles vorbei. Ich spüre Dankbarkeit, aber spüre auch: das war’s dann, das zerbrechliche Leben. Meine Frau hat gern gelebt, hat das Schöne des Lebens geliebt, und innerhalb sehr weniger Jahre ist sie wie eine Rose verblüht.

Heute im Gottesdienst sangen wir ein Lied, das auch während der Trauerfeier meiner Frau gesungen wurde. Da konnte ich die Tränen nicht unterdrücken, ein Singen war nicht mehr möglich – von einem Moment zum anderen.

Und dann die Frage:  wie geht es mit mir weiter?

Ich bin allein, ich trage allein die Verantwortung: wie viel Sport, wie viel Meditation, wie viel Schlaf, wie viel Körpergewicht, wie viel Alkohol, wie viel Schokolade, wie viel Putzen, wie viel Geldausgeben, wie viel Sparsamkeit, usw., usw., sind richtig? Bei welchen Beschwerden gehe ich zum Arzt, und bei welchen nicht? Was mache ich mit meiner „Restlaufzeit“? Keine Ahnung, wie lange die geht, und das ist wohl auch gut so. Wie wird sich mein Tod gestalten?

Fragen über Fragen. Keine Antworten. Und die Tage und Wochen fliegen dahin …

Tröstliche Eichendorff-Gedichte

640px-Joseph_Freiherr_von_Eichendorff_(1841)


Trennung ist wohl Tod zu nennen,
Denn wer weiß, wohin wir gehn,
Tod ist nur ein kurzes Trennen
Auf ein baldig‘ Wiedersehn.


Mondnacht

Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt‘.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis’ die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.


Vorbei

Das ist der alte Baum nicht mehr,
Der damals hier gestanden,
Auf dem ich gesessen im Blütenmeer
Über den sonnigen Landen.

Das ist der Wald nicht mehr, der sacht
Vom Berge rauschte nieder,
Wenn ich vom Liebchen ritt bei Nacht,
Das Herz voll neuer Lieder.

Das ist nicht mehr das tiefe Tal
Mit den grasenden Rehen,
In das wir Nachts vieltausendmal
Zusammen hinausgesehen. —

Es ist der Baum noch, Tal und Wald,
Die Welt ist jung geblieben,
Du aber wurdest seitdem alt,
Vorbei ist das schöne Lieben.


Der Umkehrende

Es wandelt was wir schauen,
Tag sinkt ins Abendrot,
Die Lust hat eignes Grauen,
Und alles hat den Tod.

Ins Leben schleicht das Leiden
Sich heimlich wie ein Dieb,
Wir alle müssen scheiden
Von allem was uns lieb.

Was gäb‘ es doch auf Erden,
Wer hielt den Jammer aus,
Wer möchte geboren werden,
Hieltst Du nicht droben haus!

Du bist’s, der, was wir bauen,
Mild über uns zerbricht,
Daß wir den Himmel schauen —
Darum so klag‘ ich nicht.


Da fuhr’ ich still im Wagen,
du bist so weit von mir,
wohin er mich mag tragen,
ich bleibe doch bei dir.


Abbildung „Joseph Freiherr von Eichendorff (1841)“ von „Wikipedia: Foto H.-P. Haack“. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Kopf – ja, Herz – nein

Und wieder so ein Moment – irgendeine sentimentale Musik, das Foto meiner Frau auf dem Schreibtisch, dazu die totenstille Wohnung, Gedanken, Erinnerungen: ich vermisse meine liebe Frau so sehr!

Rational habe ich den Tod meiner Frau akzeptiert – der Kopf sagt ja.

Aber das Herz sagt nein.

Auch fast zehn Monate nach ihrem Tod spüre ich eine so starke unerfüllte Sehnsucht und Traurigkeit …

Und schon ist das Taschentuch wieder feucht von Tränen.

Weihnachten allein

In den zwei Internet-Trauerforen, in denen ich ab und zu lese und schreibe, wünschten sich die Foristen meist erträgliche Weihnachtstage. Als wenn Weihnachten ein Leidensweg voller Schmerzen ohne Schmerzmittel ist, den man ertragen müsste.

Leiden ist immer eine persönliche Entscheidung. Eckhart Tolle sagt dazu: „Der Ursprung des Leidens ist die Weigerung, das zu akzeptieren, was jetzt im Leben da ist“.

Jetzt ist Weihnachten da und meine Frau ist tot. Wenn ich mich nicht gegen diese Realität stelle und selbst aktiv werde, um das Beste daraus für mich zu machen, dann …

Ich habe dieses erste Weihnachten ohne Partner nicht trauriger empfunden als „normale“ Sonntage vor Weihnachten. Nach der Rückkehr von Tochter und Enkelin am Heiligabend musste ich einige Minuten weinen, ebenso auf dem Weg zum Friedhof gestern am 1. Weihnachtstag. Insgesamt hatte ich proaktiv versucht, die Weihnachtstage schön für mich zu gestalten, teilweise auch neu für mich zu erfinden. Ich habe mir ein wirklich leckeres Weihnachtsessen gekocht und es richtig genossen. Genauso wie die Süßigkeiten, den erleuchteten Weihnachtsbaum, die Filme „Ist das Leben nicht schön?“ und „Kevin allein zu Haus“, die Buchgeschenke – und ich habe auch sehr gelacht über Jürgen Beckers‘ Comedy „D’r Baum fängt am Nadeln“.

Ja, etwas geweint. Aber mehr gelacht. Es waren auch besinnliche Weihnachten. Ich habe mich viel an die schönen Weihnachtsfeste von früher erinnert.

Und ich war nicht beleidigt, wenn Verwandte, Bekannte oder Nachbarn mir FROHE Weihnachten gewünscht haben. Klar war ich nicht unbeschwert froh wie früher zu Weihnachten. Aber dieses Weihnachtsfest war für mich kein leidvolles Fest, dass ich ertragen musste. Das hätte meine Frau übrigens auch nicht gewollt.

Als Trauernder sollte man über manche unbedacht gesprochenen und unpassenden Wünsche, Ratschläge, usw., von Außenstehenden einfach hinwegsehen. Selbst wenn es für einen Moment etwas weh tut – einfach dem/der Anderen verzeihen, denn er/sie kennt die Trauersituation vielleicht noch nicht persönlich. Er/Sie meint es meist gut und findet keine passenden Worte. Klar, als Trauernder ist man ziemlich dünnhäutig, aber wenn man sich in die Zeit vor dem Todesfall versetzt – was für unpassende Worte hätte man selbst gesagt? Also versuchen, locker zu bleiben – auch in der Trauer.

Im Nebel

nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Hermann Hesse (1877-1962)

Was tun Sie, wenn Sie sich einsam fühlen?

Ich musste heute sehr lachen, als ich folgendes las.

Aus dem Buch „Die hohe Schule der Einsamkeit“ von Mariela Sartorius:

Was tun Sie, wenn Sie sich einsam fühlen? – Eine Umfrage.
Antwort von René, 40 Jahre alt:
»Ich habe da ein Spezialrezept entwickelt: Ich schaue mir in einem alten Adressenverzeichnis die Namen verflossener Freundinnen an und frage mich bei jeder einzelnen, wie es jetzt mit der wäre: zum Beispiel bei Regen in einem klammen italienischen Hotelzimmer, wenn der Wein und der Gesprächsstoff ausgegangen sind, wenn man keine Lust auf Sex hat und die Stimmung auf dem Nullpunkt angekommen ist. Ich schwöre Ihnen, jegliches Gefühl von Einsamkeit ist sofort verflogen. Und ich bin nichts weiter als dankbar, allein zu sein.«

Ich weiß (noch) nicht, ob ich dieses Buch wirklich empfehlen soll. Eher nicht.