Wann ist die Trauer endlich zu Ende?

Meine Frau ist heute vor 227 Wochen gestorben. Und in diesen 4 Jahren und 4 Monaten habe ich mich oft gefragt:

Wann ist die Trauer endlich zu Ende?

Vielleicht fragen Sie sich das auch gerade, wenn Sie dies hier lesen.

Ich kann hier nur von mir schreiben. Andere Trauernde werden es wahrscheinlich völlig anders erleben.

In diesem Jahr 2019 war bislang bei mir die Trauer substantiell weniger als in den 3¾ Jahren davor (2015 bis 2018).

Ich könnte auch sagen: Meine Trauer hat knapp 200 Wochen gedauert.

Anfang dieses Jahres schrieb ich: „2019 ist das Jahr des Entrümpeln, des Wegwerfens, des Aufräumens. Jeden Tag ein Schrankteil, eine Schublade, usw. – durch alle Zimmer, Keller, Dachboden.“

Fast fünf Monate habe ich entrümpelt, weggeworfen, aufgeräumt: viele Sachen von mir und von meiner Frau.

Das war ungeheuer befreiend und erleichternd.

Dazu zwei Reisen, die lange gewünscht waren und nichts mehr mit meiner Frau zu tun hatten. Es waren meine Reisepläne, die ich umgesetzt hatte.

Ich denke noch oft an meine Frau, aber diese Wehmut, diese Sehnsucht und Traurigkeit ist inzwischen die meiste Zeit verschwunden. Ich habe mein Leben wieder „in die Hand“ genommen: ich plane Neues, und es macht wieder Freude.

Klar ist: die Trauer wird irgendwann mal wieder zurückkommen, aber das ist für mich absolut in Ordnung, und es wird mich nicht erschrecken. Solche kleineren Trauerepisoden würde ich zur ursprünglichen Trauerzeit nicht mehr dazurechnen.

Ich bin momentan die wichtigste Person in meinem Leben, und ich muss das Beste aus meinem restlichen Leben machen. Ich bin allein dafür verantwortlich, niemand sonst. Und das hat nichts mit Egoismus zu tun.

Es ist mein Leben. Und eine neue Beziehung ist für mich kein Thema. Wenn es sich ganz zufällig ergeben würde: vielleicht. Man soll ja niemals „Nie“ sagen. Aber mit fast 70 sollte man auch ein wenig Realist sein.

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It’s a bittersweet symphony – this life

Nächstes Jahr werde ich 70, und ich kann sagen: Viel Wahres in diesem Songtext.

Ein Unbekannter schrieb zum Original-Songvideo folgenden Kommentar – und ich kann ihm zu 100% zustimmen (Übersetzung in’s Deutsche):

This is a brilliant song. It is about the feeling of being trapped and powerless to change your behavior or your life due to circumstances beyond your control. It is about the sense of desperation you feel as your life passes before your eyes and you struggle unsuccessfully to control and shape it. It is about the perpetual conflict between the path you want to follow and the path you are compelled to follow.

Original: The Verve – Bitter Sweet Symphony, 1997
Autor: Richard Ashcroft
Musik: Mick Jagger, Keith Richards

Diese Dance/Electronic-Version:
Gamper & Dadoni – Bittersweet Symphony (feat. Emily Roberts), 2019

Norwegen

Vier Jahre und mehr als drei Monate sind nach dem Tod meiner Frau vergangen.

Zu Beginn dieses Jahres habe ich einen Neubeginn für mein eigenes Leben angepackt. Zuerst einige Monate des Entrümpeln, des Wegwerfens, des Aufräumens. Das hatte etwas ungeheuer Befreiendes. Nicht dass ich nur Dinge weggeworfen habe, die einmal meiner Frau gehörten. Es waren weitaus mehr Dinge, die mir gehörten. Vieles hat jetzt einfach keine Bedeutung mehr.

Dann war ich im April auf den Kanaren und Madeira. Nun, zwei Monate später, war ich zehn Tage in Norwegen. Beide Ziele waren neu für mich und waren langgehegte Reisewünsche.

Besonders die Norwegenreise hat meiner Seele gutgetan.

Das mehr oder minder angenehme Leben zu Hause hat oft zu wenig neue visuelle Reize, hat zu viel Routine, verleitet zum Grübeln und zu einem schädlichen Schongang.

Die unendliche Weite der Landschaft, des Himmels oder des Meeres hat etwas enorm Beruhigendes. Das Leben in Norwegen hat eine viel geringere Geschwindigkeit und Lautstärke. Auf den Straßen spürt man die ca. 25% E-Autos sofort, genau wie den nicht von Eile und Aufgeregtsein geprägten Fahr- und Lebensstil.

Die nachfolgenden Fotos mögen dies ein wenig verdeutlichen.

Ich habe oft an meine Frau gedacht; sie hätte diese Reise sehr gemocht.

Das Leben geht weiter, und ich werde aus meinem restlichen Leben das Beste machen. Zu Hause sitzen, grübeln, traurig sein, sich im Selbstmitleid ergehen – das kann es nicht sein. Es gibt noch viel Neues zu entdecken. Auch allein.

Wenn Fortuna uns besucht …

Ein interessanter Gedankengang aus Kapitel 22 des Buches „Die Kunst des guten Lebens“ von Rolf Dobelli:

Unser Leben scheint planbarer, als es in Wahrheit ist.

Der Zufall spielt eine viel größere Rolle, als wir wahrhaben möchten.

Die Idee des Schicksals, der Fortuna“, der Göttin des Zufalls – ein jahrtausendelang bewährtes gedankliches Werkzeug – haben wir in den vergangenen 100 Jahren ausradiert.

Darum sind wir so erschüttert, wenn uns etwas Schlimmes aus dem Nichts widerfährt – Unfall, Krebs, Krieg, Tod.

Bis ins letzte Jahrhundert hinein wurden solche Katastrophen bereitwilliger akzeptiert. Die Menschen waren gedanklich auf Fortunas Besuch vorbereitet.

Heute bedeutet Schicksal ein „Versagen des Systems“.

Es gehört aber zum guten Leben, dem gedanklichen Werkzeug der Fortuna wieder den notwendigen Platz einzuräumen.

Fortuna und das Rad des Lebens (Buchillustration aus dem 15. Jh.)

Wie man Witwer mittags satt wird

Ich gebe es offen zu: in der Küche bin ich ein „Dummy“ (am. = Dummkopf). Aufwärmen von Tiefkühlkost, Spaghetti, Spiegeleier, Steak oder Bratwurst braten, Pizza aus dem Backofen … alles kein Problem für mich. Das war’s aber auch schon. Spaß macht mir das nicht – und das wird sich in meinem Leben wohl auch nicht mehr ändern.

Am Beispiel „Hühnchen-Geschnetzeltes in Curry-Soße mit Gemüse und Reis“ kann man die Alternativen mit ihren Vor- und Nachteilen und den zeitlichen und pekuniären Kosten schön aufzeigen:

  1. Gaststätte (China- oder Thai-Restaurant)
    Arbeitszeit: 0 Minuten, nur Weg zum Restaurant und Wartezeit.
    Kosten: ca. 8-12 Euro
    Vorteil: schmeckt i.A. besser als zu Hause, raffinierter zubereitet
    Nachteil: teuer
     
  2. Fertiggericht, z.B. Thai Curry von YouCook
    Arbeitszeit: 10 Minuten, nur Erhitzen in der Mikrowelle oder in der Pfanne
    Kosten: ca. 4 Euro
    Vorteil: schnell zubereitet (= aufgewärmt), schmeckt akzeptabel
    Nachteil: Portionsmenge relativ klein, zu wenig Gemüse
     
  3. Selbst kochen mit einigen Convenience-Produkten
    Arbeitszeit für zwei Portionen: 30 Minuten (Hühnchenfilet schneiden, anbraten, Sahne+Wasser+Soßenpulver+Fertigreis dazu, weiterköcheln. Gleichzeitig TK-Gemüse in Salzwasser erhitzen)
    Kosten für zwei Portionen: 3,50 Hühnchenfilet, 0,20 Sahne, 0,90 Maggi Fix Curry, 1,00 REWE Express Jasminreis, 1,00 TK-Gemüsemischung = 6,60 Euro, pro Portion 3,30 Euro.
    Vorteil: große Portion, die ein wenig „deutsch“ schmeckt, zweite Portion erfordert nur Aufwärmen.
    Nachteil: spürbarer Arbeitsaufwand plus größerem Abwasch.

Je nach Lust und Laune nutze ich alle drei Varianten.

Die zwei Fotos zeigen Variante 3 – vorher und nachher.

Zutaten
Resultat (eine Portion von zwei)

Drei schöne Zitate …

… zum Thema Trauer vom US-amerikanischen Kinderbuch-Autor, Cartoonzeichner und Grinch-Erfinder Theodor Seuss Geisel:

theodor-seuss-geiselFoto: Donated to the Library of Congress / Lizenz: Public Domain

* * *

Sei wer du bist und sag, was du fühlst.
Denn die, die das stört, zählen nicht
und die, die zählen, stört es nicht.

* * *

Weine nicht, weil es vorbei ist.
Lächle, weil es passiert ist.

* * *

Manchmal erkennt man den Wert eines Augenblick erst dann,
wenn er zur Erinnerung wird.

* * *

Was Leben und Tod wirklich bedeuten

Der Tod ist das Gegenteil von Geburt, aber nicht von Leben, weil Leben kein Gegenteil hat.

Innerhalb des Lebens werden Formen geboren, um später wieder zu sterben.

Doch das Leben selbst stirbt nicht.

Das, wofür wir uns und unsere Nächsten normalerweise halten, sind wir nicht.

Wir sind keine sterblichen Personen, sondern nur vorübergehende Erscheinungen in dem einen Leben, das wir selbst sind. Wenn der Tod des Körpers eintritt, geht das Leben weiter. Sie gehen in Liebe weiter.

— Aus dem Buch „Was dein Leben leuchten lässt“
von Dirk Hessel (ISBN 978-3843413459)

Jetzt ist die Zeit

Meine liebe Frau ist vor fast vier Jahren in eine andere Welt gegangen, und ich werde in fünfzehn Monaten siebzig. Wahnsinn – wirklich schon siebzig?!? Scheiße! Aber …

… jetzt ist die Zeit! 2019.

2019 ist das Jahr des Entrümpeln, des Wegwerfens, des Aufräumens. Jeden Tag ein Schrankteil, eine Schublade, usw. – durch alle Zimmer, Keller, Dachboden.

Es geht gar nicht nur um Dinge meiner Frau, sondern es ist eher ein generelles Loslassen, Loswerden von Dingen, die sich in den letzten Jahrzehnten angesammelt haben – uraltes Zeug, dem irgendwann früher eine Bedeutung gegeben wurde und das aufgehoben wurde.

Jetzt ist eine neue Zeit, eine neue Lebenssituation, vieles hat sich geändert, hat sich relativiert. Vieles ist nicht mehr wichtig.

Es ist tagtäglich ein gutes Gefühl: wegwerfen, saubermachen, neu ordnen.

Für mich ist das ungemein befreiend und es erleichtert mich. Manchmal fast eine kleine Euphorie.

Marie Kondō lässt grüßen, obwohl ich nicht ihre Prinzipien anwende.

Wenn ich durch alle Räume durch bin, werde ich wahrscheinlich einen zweiten Durchgang machen und dann das wegwerfen,  was ich jetzt noch als eher aufhebenswert erachte.

Ich bin gespannt, wie es Ende 2019 bei mir aussieht.

Das Leben ist schwierig

Übersetzung:

Das Leben ist schwierig.

Dies ist eine große Wahrheit, ja eine der größten Wahrheiten.

Es ist eine große Wahrheit,
weil wir, sobald wir sie wirklich erkennen,
über ihre reine Wahrnehmung und Erfahrung hinausgehen.

Sobald wir also wirklich erkennen, dass das Leben schwierig ist –
es wirklich verstehen und akzeptieren
dann ist das Leben nicht mehr schwierig.

Sobald nämlich die Tatsache einmal akzeptiert ist,
dass das Leben schwierig ist, ist dies gar nicht mehr so wichtig.

Buch in Deutsch erschienen: M. Scott Peck: Der wunderbare Weg / Leseprobe (PDF)

Alles wird wieder gut

Alles wird wieder gut – dieser Trostsatz ist wohl einer der beliebtesten Trostsätze.

Und er wird sehr häufig als unglaublich falsch, unsäglich und verletzend kritisiert.

Mir gefällt dieser Satz sehr.

Der Satz bedeutet ja nicht, dass die Trauer um den Verstorbenen irgendwann vorbei wäre. Als ein Ausdruck der ewigen Liebe zum Verstorbenen ist die Trauer nie vorbei. „Gut“ bedeutet auch nicht Abwesenheit von Trauer oder Rückgängigmachung des Verlustes.

Die Realität des Lebens ist Wandel: Kommen und Gehen. Diese Tatsache kann man nicht verleugnen. Das Leben beinhaltet Freude und Leid. Wollte man den Tod verleugnen, dann müsste man auch die Geburt verleugnen.

Alles wird wieder gut – das bedeutet Hoffnung. Warum sollte ich „es wird nie wieder gut“ denken und ohne diese Hoffnung leben?

Außerdem beinhaltet mein christlicher Glaube dieses „Alles wird (wieder) gut“: nämlich ein gutes Leben zu führen im Wandel von Freude und Leid.

Und am Ende wird alles gut – das ist uns Christen versprochen: Offenbarung 21,4.

Mein Gebet, das ich sehr oft bete, lautet:

JESUS,
DU
bist bei mir alle Zeit.

DEINE Liebe begleitet mich
auf all‘ meinen Wegen.

Vergib mir meine Fehler –
erbarme DICH meiner.

Ich vertraue auf DEINE Hilfe
und DEINEN Schutz.

JESUS,
ich danke DIR für alles.

Alles wird gut –
mit DIR und durch DICH.

Amen.


Quellenhinweis: Ein Teil des obigen Gebets (Zeile 1, 2 und 6) stammt aus Douglass/Vogt: Expedition zum Anfang – In 40 Tagen durch das Markusevangelium; diese Zeilen bilden eine schöne Kurzform:


JESUS,
DU
bist bei mir alle Zeit.

DEINE Liebe begleitet mich.

Alles wird gut.


Zusicherungen aus der Bibel zu diesem Gebet:

Matthäus 28,20b:
Jesus spricht: „[…] Ihr dürft sicher sein: Ich bin immer bei euch, bis das Ende dieser Welt gekommen ist!“

Johannes 14,21:
Jesus spricht: „Wer meine Gebote annimmt und danach lebt, der liebt mich. Und wer mich liebt, den wird mein Vater lieben. Auch ich werde ihn lieben und mich ihm zu erkennen geben.“

Psalm 139,5:
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine schützende Hand über mir.

Epheser 6,17a:
Die Gewissheit, dass euch Jesus Christus gerettet hat, ist euer Helm, der euch schützt. […]

Sprüche 29,25b:
[…], wer dem Herrn vertraut, ist gelassen und sicher.

Kolosser 4,2:
Lasst euch durch nichts vom Gebet abbringen, und vergesst dabei nicht, Gott zu danken.

1.Thessalonicher 5,18:
Dankt Gott für alles. Denn das erwartet Gott von euch, weil ihr zu Jesus Christus gehört.

Jeremia 29,11:
Denn ich allein weiß, was ich mit euch vorhabe: Ich, der Herr, werde euch Frieden schenken und euch aus dem Leid befreien. Ich gebe euch wieder Zukunft und Hoffnung.

Offenbarung 21,4:
Gott wird alle Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid, keine Klage und keine Schmerzen; denn was einmal war, ist für immer vorbei.

Die Lichtung

Übersetzung:

Versuche nicht, die ganze Welt zu retten
oder sonst etwas Großartiges zu vollbringen.
Stattdessen erschaffe eine Lichtung
im dichten Wald deines Lebens
und warte dort geduldig,
bis das Lied, das dein Leben ist,
in deine geöffneten Hände fällt,
und du es erkennst und begrüßt.
Nur dann wirst du wissen,
wie du dich dieser Welt, die es so wert ist,
gerettet zu werden, schenken kannst.

— Martha Postlewaite

200 Wochen …

… ist es heute genau her, dass du gestorben bist. In gut 8 Wochen sind es bereits 4 Jahre. Was ich vor knapp einem Jahr schrieb (da war es genau 150 Wochen her), könnte ich fast 1:1 wiederholen.

Die Zeit der Feiertage war diesmal etwas melancholischer als in den Jahren davor. Vor drei Jahren weinte ich bitterlich, als ich nach der Feier bei Tochter und Enkelkind an Heiligabend allein war und auf der leeren Autobahn fuhr. Dieses Jahr kam diese Traurigkeit plötzlich und unerwartet am Morgen des 1. Weihnachtstages. Die meisten Leute, die bislang in ihrem Leben vom Tod eines nahen Angehörigen verschont geblieben sind, können sich das, so glaube ich, gar nicht vorstellen: nämlich dass nach fast 4 Jahren immer noch Tränenausbrüche ab und zu vorkommen. Aber ich kann und will mich nicht beherrschen, auch aus dem Wissen, dass ich mich danach besser fühle.

Manchmal frage ich mich: habe ich eine „verlängerte Trauerstörung“, oder bin ich gar depressiv? Aber für beides gibt es keine Anzeichen. Allerdings habe ich immer noch einen ziemlichen seelischen Druck in mir, insbesondere vor und während Jahres- und Feiertagen.

Silvester ist auch so ein Tag. So viele Erinnerungen. Das Kopfkino lässt sich nur schwer abschalten.

Und immer wieder erstaunlich, dass ab 2. Januar, wenn das normale Leben wieder beginnt, bei mir eine gewisse Leichtigkeit einsetzt. So auch dieses Jahr.

Emotionen an Silvester

Gerade sah ich das ARD-Silvesterkonzert, ein Stück war das Intermezzo aus Cavalleria rusticana von Pietro Mascagni.

Es erinnerte mich an so vieles. Das Stück ist einfach sehr emotional…

Und gerade der Silvestertag ist für mich nicht einfach.

Video:  Evergreen Symphony Orchestra, Taiwan, Dirigent: Lim Kek-tjiang.

Zitat aus einem Murakami-Roman

»Der Tod existiert nicht als das Gegenteil des Lebens, sondern ist ein Bestandteil desselben.« So lautet die unumstößliche Wahrheit des Lebens. Indem wir leben, züchten wir gleichzeitig unseren Tod heran. Doch in dieser Erkenntnis liegt nur ein Teil der Wahrheit, mit der wir uns abfinden müssen. […] Ich lernte, daß nicht die wahrste Wahrheit den Schmerz zu lindern vermag, den wir beim Verlust eines geliebten Menschen empfinden. Weder Erkenntnis, noch Aufrichtigkeit, noch Kraft, noch Güte können diesen Kummer heilen. Wir können ihn nur durchleiden und etwas daraus lernen. Doch das, was wir daraus lernen, hilft uns nicht beim nächsten Kummer, der uns ohne Vorankündigung überfällt.

– aus »Naokos Lächeln« von Haruki Murakami

Sich der Realität stellen

Denkst du manchmal oder stellst dir vor:

  • ewig jung zu bleiben oder ewig zu leben?
  • Krankheiten zu vermeiden?
  • an denen, die du liebst, festzuhalten, dass diese auf immer bei dir sein werden?
  • an deinem Besitz festzuhalten?
  • den Folgen deiner Handlungen zu entkommen?

Fühlst du dich innerlich bedroht, wenn du erfährst, dass ein anderer Mensch …

  • schwer erkrankt ist?
  • einen schweren Verlust erlitten hat?
  • gestorben ist?

Wendest du viel Energie auf, um die Realität nicht wahrzunehmen und aus deinem Leben wegzudrücken?

Alle Bemühungen, Realität zu verleugnen, sind im Grunde die Wurzel eines großen Teils deines Leidens.

Fünf Themen zur häufigen Reflexion bzw. Meditation:

  • Ich bin sicher, dass ich alt werde. Ich kann Altwerden nicht vermeiden.
  • Ich bin sicher, dass ich krank werde. Ich kann Krankheit nicht vermeiden.
  • Ich bin sicher, dass ich sterben werde. Ich kann den Tod nicht vermeiden.
  • Alle Dinge, die mir wichtig sind und die ich liebe, sind Veränderung und Trennung unterworfen.
  • Ich bin Eigentümer meiner Handlungen und ich werde Erbe meiner Handlungen sein.

Quellen:

Was in meiner Macht steht – und was nicht

Oft konzentrieren wir uns auf Dinge, die außerhalb unserer Kontrolle liegen.

Je mehr wir dies tun, desto enttäuschter, wütender, ängstlicher oder trauriger fühlen wir uns.

Je mehr wir uns dagegen auf das konzentrieren, was in unserer Macht steht, desto stärker sind wir, und wir können tatsächlich etwas Nützliches tun.

Außerhalb meiner Macht sind:

  • Mehrheit meiner Gefühle
  • Mehrheit meiner Gedanken
  • Mehrheit meiner Empfindungen
  • Meine Erinnerungen
  • Ob ich meine Ziele erreiche oder nicht
  • Wie gut ich mich fühle, wenn ich tue, was ich tue
  • Was andere Leute sagen und tun
  • Wie andere meine Motivationen wahrnehmen
  • Wie andere mich beurteilen oder wahrnehmen
  • Was in der Zukunft passiert
  • Was in der Vergangenheit passiert ist
  • Unvermeidliche schmerzliche Verluste im Leben
  • Ob das Leben mir das gibt, was ich will
  • Alterung, Krankheit und Verletzungen, sowie mein Tod

Potentiell unter meiner Kontrolle sind:

  • Wie ich auf meine Gefühle reagiere
  • Wie ich auf meine Gedanken reagiere
  • Wie ich auf meine Empfindungen reagiere
  • Wie ich auf meine Erinnerungen reagiere
  • Wieviel ich für meine Ziele unternehme
  • Wie sehr ich mich auf das konzentriere, was ich tue
  • Was ich sage und tue, um andere Menschen zu beeinflussen
  • Wieviel ich meine Werte zur Motivation einsetze
  • Ob ich mich wie eine Person benehme, die ich sein möchte
  • Was ich sage und tue, um die Zukunft zu beeinflussen
  • Wie ich auf Gedanken über die Vergangenheit reagiere
  • Wie mitfühlend ich mir selbst gegenüber bei Verlusten bin
  • Die Werte, nach denen ich lebe – egal, ob das Leben mir das gibt oder nicht, was ich will
  • Wie gut ich auf mich selbst aufpasse

Quelle: Russ Harris – The Happiness Trap

191 Wochen …

… ist es nun her, dass meine liebe Frau nicht mehr ist.

115,51 Millionen Sekunden habe ich allein weitergelebt, irgendwie. Das Bett neben mir war leer in den letzten 1337 Nächten. Keine Frau mehr in meinem Leben. Immer allein, manchmal einsam.

Und so wird es weitergehen. Auch mich wird das Schicksal des Todes ereilen, nur wann – das weiß nur Gott. Manchmal habe ich Angst, dass mich in der leeren Wohnung der Tod trifft. Oder mit vielen Schmerzen in einer der Verwahranstalten für Todkranke oder Alte, die es so gibt. Der Tod und die Zeit der Gebrechen davor wird gut versteckt in unserer Gesellschaft der „ewigen Jugend“. Es ist gut, dass man den Termin nicht weiß. Momentan bin ich krank, und ich weiß nicht warum. Ist es harmlos, oder nicht? Keine Ahnung. Jede Diagnose könnte eine sehr schlimme sein …

Aber es eigentlich auch egal. Ich bin dankbar für dieses Leben, besonders bin ich dankbar für die schönen Jahre zusammen mit meiner lieben Frau. Jeder Tag kann der letzte sein, deshalb versuche ich jeden Tag ein wenig wertzuschätzen.

Das Wichtigste ist Akzeptanz. Fühlen, akzeptieren, loslassen. Jede Anhaftung bedeutet nur Schmerz.

175 Wochen

Was sind 175 Wochen? Fast 30.000 Stunden. 1.225 Tage. Über 40 Monate.

Die meisten sagen sicher: „Eine lange Zeit.“.

Und wenn es um die Trauer geht, sagen die meisten sicher: „Du trauerst immer noch – kann es damit nicht nun endlich genug sein?“.

Ja, manchmal zieht sich die Trauer zurück. Und sie ist weniger geworden.

Aber verschwunden? — Nein.

Genug Trauer? — Wenn es so einfach wäre.

Die Trauer kommt einfach – an einem trüben Tag, oder an einem herrlichen Sommertag.

Was soll man machen? Irgendwie weiterleben.

Aber manchmal bin ich müde. Müde wegen meines inzwischen zumeist banalen Lebens.

Du fehlst mir.
Ich vermisse dich.
Ich liebe dich.

20 alltägliche Fehler, die dein Leben ruinieren

  1. Mach keine Fehler!
  2. Versuche, überall gut zu sein.
  3. Tu so, als wüsstest du alles.
  4. Je weniger du offen von dir zeigst, desto besser geht es dir.
  5. Du denkst, dass du ein Opfer deiner Verhältnisse bist, bzw. dass dein Leben von äußeren Mächten beherrscht wird.
  6. Du denkst, dass die anderen Menschen glücklich sind.
  7. Lass deinen Ärger raus!
  8. Du solltest dich schuldig fühlen, wenn du tust, was du für richtig hältst und andere sich darüber aufregen!
  9. Sieh zu, dass du es anderen Leuten recht machst, so dass diese dich mögen und anerkennen!
  10. Hab Recht! Zeige den anderen, dass deine Ansichten besser sind als ihre!
  11. Du musst dein Glück verdienen!
  12. Geh auf Nummer sicher! Riskiere nichts!
  13. Versuche völlig unabhängig und selbständig zu werden!
  14. Wenn du Problemen und unangenehmen Situationen aus dem Weg gehst, dann verschwinden sie mit der Zeit von selbst.
  15. Von einzelnen Aussagen und Handlungen kannst du auf den ganzen Menschen schließen.
  16. Einige Menschen sind besser als andere.
  17. In der Welt ist alles entweder schwarz oder weiß: entweder bist ein Versager oder ein Sieger, es gibt nur unattraktive und attraktive Menschen, usw.
  18. Hohe Leistungsfähigkeit ist wichtig, um ein erfülltes Leben führen zu können.
  19. Das meiste von dem, was du hörst, kannst du glauben!
  20. Du musst deine (abwegigen) Gedanken sehr ernst nehmen!

Glaubst du irgendetwas davon? Stimmst du einigen dieser (irrtümlichen) Überzeugungen zu? Wenn ja, könnte das ein Grund von emotionalen Störungen sein.

(nach Arnold A. Lazarus: I can if I want to, 1975)

Allein sein

Eines ist klar: eine Frau wie meine verstorbene Frau werde ich nie mehr finden.

Meine Frau hatte immer ein jugendliches Aussehen – mit 50 sah sie aus wie 30. Sie war immer sehr schlank und drahtig, sportlich, nie ein Gramm Fett zu viel, BMI immer um die 18. Zudem war sie intelligent, sprach als eine Frau aus Asien nahezu fehlerfreies und flüssiges Deutsch, war sehr belesen, sah gern anspruchsvolle Filme. Sie folgte immer ihren Werten: Bildung, Naturliebe, Familiensinn, usw., und ein Gräuel waren ihr Materialismus und Kaufrausch.

Und dabei war sie eine (asiatische) Schönheit; eine Traum-Frau – ich übertreibe nicht. Immer wenn ich in Asien war, habe ich schnell gemerkt, dass auch dort wenige Frauen so attraktiv wie meine Frau waren. Und im Vergleich zu europäischen Frauen sowieso …

Ich bin kein Narr. In den letzten Jahren habe ich viele Frauen in meinem Alter gesehen. Sie interessieren mich einfach nicht. Ich bin außerdem fast 68. Ich kenne meine Grenzen und werde mich nicht in Dating-Portalen selbst zum Affen degradieren. Nein. Ganz bestimmt nicht. Ich bin in Bezug auf Frauen anspruchsvoll, sehr anspruchsvoll. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich allein mein Leben weiterführe, ist deshalb sehr, sehr nahe bei 100 Prozent.

Das ist aber nicht schlimm, denn nach meiner mehrjährigen Trauerzeit mit vielen Gefühlen der Einsamkeit beginne ich mein Alleinsein immer positiver zu sehen und zu genießen.

Das Alleinsein hat ja so viele Vorteile: ich kann mich so verhalten und benehmen, wie ich mag, ohne Rücksicht zu nehmen oder Angst zu haben, was jemand anderes denken könnte, ich kann meinen eigenen Rhythmus finden und leben, ich kann in Ruhe über mich, mein Leben und meine Ziele nachdenken, ohne Einflüsse und ohne Druck von außen, …

Nachts besucht mich meine verstorbene Frau ab und zu in meinen Träumen. Tagsüber genieße ich mein Leben, allein und frei.

Diese Freiheit ist einfach unbezahlbar…

In Bewegung bleiben

Seit Anfang 2018 (153 Tage) bin ich 1,34 Millionen Schritte gegangen, im Schnitt täglich 8700 Schritte, was ca. 7 km pro Tag entspricht. Mein Leistungsumsatz pro Kilometer beträgt ca. 45 kcal, insgesamt bin ich also 1070 km gelaufen und habe dabei 48000 kcal verbrannt. Da ich im Januar nicht alle Schritte protokolliert hatte, sind es wohl noch ein paar mehr.

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Wie ich schon einmal schrieb: vielleicht der wichtigste Baustein meiner Trauerbewältigung.