Die Illusion der Kontrolle aufgeben und sich dem Leben überlassen


Siehe auch:

Copyright-Hinweis: „The Work“ © Byron Katie International, Inc.

Das Leben ist schwierig

Übersetzung:

Das Leben ist schwierig.

Dies ist eine große Wahrheit, ja eine der größten Wahrheiten.

Es ist eine große Wahrheit,
weil wir, sobald wir sie wirklich erkennen,
über ihre reine Wahrnehmung und Erfahrung hinausgehen.

Sobald wir also wirklich erkennen, dass das Leben schwierig ist –
es wirklich verstehen und akzeptieren
dann ist das Leben nicht mehr schwierig.

Sobald nämlich die Tatsache einmal akzeptiert ist,
dass das Leben schwierig ist, ist dies gar nicht mehr so wichtig.

Buch in Deutsch erschienen: M. Scott Peck: Der wunderbare Weg / Leseprobe (PDF)

Alles, was dir passiert, ist gut

Das Gasthaus

Dieses menschliche Dasein ist ein Gasthaus.
Jeden Morgen ein neuer Gast.
Freude, Traurigkeit, Gemeinheit, …
Auch ein kurzer Moment von Achtsamkeit
kommt unverhofft als Besucher.

Begrüße und bewirte sie alle!
Selbst wenn es eine Schar von Sorgen sind,
die gewaltsam dein Haus seiner Möbel entledigt,
selbst dann behandle jeden Gast ehrenvoll.
Vielleicht reinigt er Dich ja für ganz neue Wonnen.

Dem dunklen Gedanken, der Scham, der Bosheit –
begegne ihnen lachend an der Tür
und lade sie zu Dir ein.

Sei dankbar für jeden, der kommt,
denn alle sind zu deiner Führung
geschickt worden aus einer anderen Welt.

Dschalāl ad-Dīn ar-Rūmī (1207-1273, Sufi-Mystiker)

Leiden ist eine persönliche Entscheidung

Leiden ist eine persönliche Entscheidung. Viele stoßen sich sehr an dieser Aussage. Viele verstehen nicht den Unterschied zwischen Leid und Leiden. Und die Bedeutung des Ego.

Nachfolgend einige Gedanken dazu.

1. Was ist Leid?

Alle Probleme in unserem Leben, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, kann man unter dem Begriff Leid zusammenfassen.

Zum Beispiel:

  • Ich stehe im Stau.
  • Ich werde krank.
  • Mein Partner stirbt.

Hier geht es um die reinen Fakten.

Leid ist ein Bestandteil unseres Lebens, da unser Leben nicht vollständig unter unserer Kontrolle ist.

Wer das leugnet, ist ein Narr.

2. Was ist Leiden?

Leiden ist eine gedankliche, gefühlsmäßige und körperliche Reaktion auf das Leid.

Zum Beispiel:

  • Ich stehe im Stau → ich befürchte, zu spät zu kommen, ich ärgere mich, ich werde wütend, usw.
  • Ich werde krank → ich sorge mich, ich grübele, ich habe Angst um meine Zukunft, ich befürchte schlimme Dinge, ich könnte sterben, usw.
  • Mein Partner stirbt → ich trauere, ich grübele, ich habe Angst vor der Zukunft, ich kann das Alleinsein nicht ertragen, ich habe psychosomatische Beschwerden, usw.

Kurz: Der Ursprung des Leidens ist oft die Weigerung, das zu akzeptieren, was jetzt im Leben da ist (oder nicht da ist).

Auf die Reaktionen auf das Leid, also auf das persönliche Leiden, habe ich jedoch sehr wohl einen Einfluss.

3. Die Rolle des Ego

Fast alle Reaktionen auf das Leid – also das Leiden – kommen bzw. kommt aus dem antrainierten Ego, das mir ohne Unterlass Erwartungen, Bewertungen und andere (zumeist schädliche) Impulse einflüstert:

  • ich will …
  • ich will nicht …
  • ich muss …
  • ich mag …
  • ich mag nicht …
  • ich finde …
  • ich denke …
  • ich meine …
  • das darf nicht …
  • wieso …
  • warum nur …

Zum Beispiel so etwas:

  • Das darf nicht wahr sein!
  • Wieso passiert mir so etwas?
  • Ich finde das alles nur furchtbar! Ich will das nicht!
  • Wenn es nach mir ginge, hätte die Autobahn fünf Spuren und es gäbe keinen Stau.
  • Eigentlich dürften keine Menschen sterben, und es dürfte keine Verluste geben. Wenn ich im Universum zu sagen hätte, würde so etwas nicht geschehen.
  • Ich habe mein Leben offenbar nicht mehr unter Kontrolle. Aber wer bin denn jetzt?

Der Verstand bzw. das Ego lebt vom „Nein“ zum gegenwärtigen Augenblick.

Mit einem „Ja“ zum gegenwärtigen Augenblick, was immer er auch bringen mag, befreist du dich aus dem Gefängnis deines Verstandes, der mit und aus der Verleugnung dieses Augenblicks lebt.

Das Ziel ist es also, den gegenwärtigen Augenblick so zu nehmen, wie er ist.

Durch Achtsamkeit kann man die Erwartungen, Bewertungen und Impulse des Ego erkennen und wahrnehmen. Nicht hilfreiche Gedanken werden erkannt und losgelassen. Gefühle werden wirklich gefühlt und nicht verdrängt. Schon allein durch dieses Erkennen und Wahrnehmen wird das Ego reduziert und so auch das Leiden gemindert, denn die Reaktionen auf das Leid werden dann Ergebnis einer bewussten Entscheidung in größerer Klarheit.

Leiden (oder Nicht-Leiden) ist eine persönliche Entscheidung.

Es gibt eine Einschränkung: In den ersten Wochen und Monaten nach einem einschneidenden Verlust wird die Trauer so stark im Vordergrund stehen, dass Achtsamkeit und ein „Ja“ zum gegenwärtigen Augenblick unmöglich sind. Im weiteren Trauerprozess sollte sich dies ändern.

Um was es geht

    • Wir definieren Glück als das Fehlen von Leiden. Wir suchen Vergnügen und Zufriedenheit. Wir wollen unseren Spaß haben und versuchen, Enttäuschungen, Leiden und Ärger zu vermeiden. Doch das zu wollen ist unrealistisch: Leiden und die damit verbundenen Emotionen sind ebenso feste Bestandteile des Lebens wie positive Emotionen.
    • Ein Grund für unseren Wunsch, glücklich zu sein, ist, dass alle Menschen in unserer Umgebung so wirken, als ob sie glücklich wären.
      Schmerz ist aber eher die Regel als die Ausnahme. Trotzdem vermutet man eher das Gegenteil, wenn man die Dinge von außen betrachtet.
    • Das Leben wird attraktiver, wenn es uns gelingt, nicht mehr zu versuchen, unsere negativen Emotionen unter Kontrolle zu behalten – wenn wir das ständige Ringen mit dem, was in uns vor sich geht, endlich beenden.
    • Lebenskunst ist nichts anderes als die Fähigkeit, im Augenblick zu leben. Das bedeutet, für positive und negative Emotionen offen zu sein und beide zu akzeptieren. Ein Leben im Augenblick schließt Glück und Leid ein. Wenn wir negative Emotionen zu vermeiden versuchen, mindern wir unsere psychische Flexibilität.
    • Gefühle, die wir zu unterdrücken versuchen, äußern sich umso stärker. Es ist, als würde man versuchen, einen Ball unter Wasser zu drücken. Sie können noch so stark drücken, sobald Sie den Druck lösen, kommt der Ball wieder hoch. Tatsächlich drängt der Geist uns, Gefühle zu unterdrücken.
    • Der Verstand ist eine wunderbare Hilfe, wenn es um äußere Probleme und den Umgang mit ihnen geht; bei emotionalen Problemen jedoch ist er ein schlechter Berater.
    • Haben wir nicht alle Schwierigkeiten, mit der Traurigkeit anderer Menschen fertig zu werden? Wir suchen dann reflexartig nach einer schnellen Lösung oder stellen sondierende, analytische Fragen. Oder wir sagen: „Es wird alles wieder in Ordnung kommen“ und „Alles wird gut!“ Wie schwer ist es, nur da zu sein, zu unterstützen und der Trauer und Verzweiflung ein wenig Raum zu geben. Wenn Sie die Emotion eines anderen Menschen zulassen, kommen auch Ihre eigenen verborgenen Gefühle ans Licht.
    • Unser Verstand lässt uns sinnlose Fragen stellen, die den Schmerz noch verstärken.
      Kennen Sie die folgenden Fragen und Gedanken? – Warum empfinde ich das so? Warum passiert das ausgerechnet mir? Womit habe ich das verdient? Warum bin ich so? Ich will mich nicht so fühlen … –
      Alle aufgeführten Fragen lassen sich nicht beantworten. Und seien wir doch ehrlich: Fragen dieser Art geben uns auch Gelegenheit, uns selbst zu bemitleiden, uns als Opfer zu fühlen und nach Herzenslust zu lamentieren.
      Fragen wie diese zeigen, dass wir glauben, wir hätten einen Anspruch auf positive Emotionen und auf Glück, und dass wir es für normal halten, im Leben nicht von negativen Emotionen behelligt oder mit Unglücklichsein konfrontiert zu werden.
      Um glücklich zu sein, versuchen wir, negative Emotionen zu vermeiden oder zu unterdrücken. Doch je mehr Energie wir darauf verwenden, umso stärker werden eben diese negativen Aspekte unseres Lebens.
    • Akzeptieren ist die Bereitschaft zu fühlen, was Sie in diesem Augenblick fühlen, zu erleben, was Sie momentan erleben – auch wenn Ihr Verstand Ihnen raten mag, möglichst rasch davonzulaufen und das, was Sie erleben, zu unterdrücken oder zu zerstreuen. Es bedeutet, dass Sie bereit sind, Traurigkeit, Angst, Unsicherheit, Verlassenheit, Wut, Verzweiflung, Niedergeschlagenheit, Minderwertigkeitsgefühle usw. zu spüren. Veränderung ist nur möglich, wenn Sie zunächst akzeptieren, was im Moment ist. Das mag paradox klingen, aber so liegen die Dinge nun einmal.
    • Akzeptieren ist nicht das gleiche wie Resignieren. Akzeptieren bedeutet nicht, dass Sie das Leben passiv so belassen sollen, wie es ist. Dann wären Sie das Opfer Ihrer Lebenssituation und was Sie tun, spielte nicht die geringste Rolle. Akzeptieren ist ein aktives, positives Annehmen des Lebens. Es ist eine Art, zum ganzen Leben Ja zu sagen. Die Kunst besteht darin, ein Gleichgewicht zwischen einer akzeptierenden Haltung und Veränderung zu erreichen.

Quelle u.a.: “Im Augenblick leben” von Ernst Bohlmeijer und Monique Hulsbergen.

Sich der Realität stellen

Denkst du manchmal oder stellst dir vor:

  • ewig jung zu bleiben oder ewig zu leben?
  • Krankheiten zu vermeiden?
  • an denen, die du liebst, festzuhalten, dass diese auf immer bei dir sein werden?
  • an deinem Besitz festzuhalten?
  • den Folgen deiner Handlungen zu entkommen?

Fühlst du dich innerlich bedroht, wenn du erfährst, dass ein anderer Mensch …

  • schwer erkrankt ist?
  • einen schweren Verlust erlitten hat?
  • gestorben ist?

Wendest du viel Energie auf, um die Realität nicht wahrzunehmen und aus deinem Leben wegzudrücken?

Alle Bemühungen, Realität zu verleugnen, sind im Grunde die Wurzel eines großen Teils deines Leidens.

Fünf Themen zur häufigen Reflexion bzw. Meditation:

  • Ich bin sicher, dass ich alt werde. Ich kann Altwerden nicht vermeiden.
  • Ich bin sicher, dass ich krank werde. Ich kann Krankheit nicht vermeiden.
  • Ich bin sicher, dass ich sterben werde. Ich kann den Tod nicht vermeiden.
  • Alle Dinge, die mir wichtig sind und die ich liebe, sind Veränderung und Trennung unterworfen.
  • Ich bin Eigentümer meiner Handlungen und ich werde Erbe meiner Handlungen sein.

Quellen:

Widerstand zwecklos

Wer mein Blog intensiver liest, wird bemerkt haben, dass sich die psychologischen und philosophischen Themen hier immer wieder um folgendes drehen:

Diese Themen und Methoden sind ganz essentiell, um den Tod eines geliebten Menschen oder andere Katastrophen im Leben besser verarbeiten können.

Und wieder ist ein schönes Buch zu genau diesem Themenkomplex erschienen:

Andreas Knuf: Widerstand zwecklos –  Wie unser Leben leichter wird, wenn wir es annehmen, wie es ist / 192 Seiten, Kösel-Verlag, ISBN 978-3466347124

Empfehlenswert!

Über Akzeptanz, Annahme, Zulassen

Unzählige Menschen kämpfen mit Angst, Trauer oder anderen negativen Emotionen. Und irgendwann sagen viele: „Ich weiß – ich muss nur meine Angst, Trauer, usw. akzeptieren.“

Sie glauben, Akzeptanz bedeutet aufzugeben. Schließlich hören sie auf, sich zu ändern. Dies ist jedoch nicht das, was Akzeptanz von uns verlangt.

Akzeptanz ist stattdessen eine bewusste Wahl, sich zu öffnen und mit dem zu sein, was auch immer passiert, so wie es ist. Aber Sie können nicht akzeptieren, was Sie nicht kennen. Und Sie können nicht akzeptieren, was Sie ablehnen und dem Sie feindlich gegenüberstehen.

Etwas anzunehmen bedeutet also, Platz zu schaffen und es zuzulassen. Sie müssen auch bereit sein zu erkennen, was Sie unwohl macht. Achtsamer und präsenter zu sein, macht hier den großen Unterschied.

Wir können nicht entscheiden, was uns alles in den Sinn kommt und was wir fühlen. Wir können nur auswählen, worauf wir achten, wie wir darauf achten und was wir dann tun.

Ohne Freundlichkeit und Mitgefühl gibt es keinen gesunden Weg, um Angst, Trauer oder andere unangenehme emotionale Erlebnisse zuzulassen.

Stattdessen wird es sich anfühlen, als ob Sie eine tickende Zeitbombe in der Hand haben, die nur darauf wartet, dass sie explodiert, und Sie unternehmen nichts dagegen.

Aber Sie können Ihren Schmerz sanft und mit etwas Neugier und Mitgefühl betrachten. Dies kann den Schmerz in etwas verwandeln und entschärfen, das Sie tragen und ehren können und um vielleicht daraus zu lernen und zu wachsen.

Quelle: Forsyth/Eifert – Anxiety happens, Ch. 16: „Cultivating Allowing“, Übersetzung aus dem Englischen von mir.

Ein sehenswertes Video: „Why It’s Hard Being Human“ (in Englisch) des Autors John Forsyth:

Vom CHANGE-Modus zum CHOOSE-Modus

Der gemeinsame Nenner aller emotionalen Schmerzen ist die Notwendigkeit, die aktuelle Realität, die momentan aber unveränderbar ist, zu VERÄNDERN (CHANGE-Modus).

Du versuchst etwas zu ändern, was normalerweise unmöglich zu ändern ist, aber du versuchst es weiter, und so quälst du dich weiter.

Vielleicht lernst du, mit dem Schmerz zu leben, oder du versuchst, ihn mit Drogen, Alkohol oder übermäßiges Arbeiten zu betäuben, aber weil du weiterhin versuchst, deine gegenwärtige Realität zu ändern, bleibst du weiterhin verletzt.

Du kannst aber deinen Schmerz einfach beseitigen, indem du den Drang, die aktuelle Realität zu ändern, loslässt.

Wenn du dich dafür entscheidest (CHOOSE-Modus), die aktuelle Realität zu akzeptieren und deine Lebensvision zu realisieren, löst du deinen Drang nach Änderung auf und dein Schmerz wird verschwinden.

Sage die ACT (ACCEPT-CHOOSE-TAKE ACTION) Formel:

  1. Ich AKZEPTIERE, dass ich momentan emotionale Schmerzen in meinem Leben spüre.
  2. Ich entscheide mich dafür (CHOOSE), meine Vision (von dem, was ich in meinem Leben will) zu leben.
  3. Ich werde Maßnahmen ergreifen (TAKE ACTION), um das zu erschaffen, was ich im Leben will.

Quelle:
Emery/Campbell: Rapid Relief from Emotional Distress, Fawcett Columbine, NY, 1986, p. 15, Übersetzung von mir.

Epiktet über den Tod (1)

Warum wachsen die Ähren? Nicht wahr, damit sie reif werden? Und werden sie nicht darum reif, damit man sie abschneide? Denn sie wachsen nicht bloß für sich, und sind nicht bloß um ihrer selbst willen da. Müssten sie nun wohl, wenn sie sich ihrer selbst bewusst wären, wünschen, dass sie niemals abgeschnitten würden? Das wäre ja ein Fluch für die Ähren, wenn sie nie eingeerntet würden.
So sollte man auch erkennen, dass es ein Fluch für die Menschen wäre, nie zu sterben, wie es für die Ähren ein Fluch sein würde, nie zu reifen und nie geerntet zu werden.
Aber ungeachtet wir auch solche Ähren sind, die nicht nur eingeerntet werden müssen, sondern es noch dazu begreifen, dass es sein muss, sind wir doch ungehalten darüber.
Denn wir erkennen nicht, was wir sind, und haben die Menschheit nicht studiert, wie Reiter die Pferdenatur studieren.

Epiktet (50-138, antiker Philosoph)

Dein Leben geht weiter – bist du bereit?

Eine kleine Checkliste:

  • Nimm deine Umgebung wahr.
    Wertschätze sie.
    Verbinde dich mit ihr: Sieh, höre, fühle, berühre je 5 Dinge in deiner Umgebung.
  • Registriere deine Gedanken, aber lasse sie nur kommen und gehen.
    Folge ihnen nicht. Es sind lediglich Worte.
    Frage dich: Hilft mir dieser Gedanke, der Mensch zu sein, der ich sein möchte?
    Hilft mir dieser Gedanke, ein erfülltes und sinnvolles Leben zu führen?
  • Bemerke, wenn es dich zur Vergangenheit oder Zukunft zieht.
    Mache aber sonst nichts damit.
  • Bemerke, wie ein Drang zum Vermeiden aufkommt.
    Führe den Drang aber nicht aus, bemerke es nur.
    Folge weiter deinen Werten.
  • Kämpfe nicht gegen schmerzliche Gefühle.
    Beobachte sie, atme ruhig, schaffe Raum für sie, lasse sie zu.
    Schließe Frieden mit ihnen.
  • Mach etwas Neues.
    Vielleicht etwas Spielerisches.

Probleme? – Völlig normal!

Wie reagieren Sie auf Probleme?

Auf die kleinen Probleme:
Regen, Verkehrsstau, Zugverspätung, schlafmützige Kassierer, …?

Spüren Sie einen Widerstand? Sollte die Welt nicht ein kleines Bisschen besser und perfekter sein? Regen Sie sich über diese Probleme auf? Spüren Sie eine Anspannung?

Aber alle diese kleinen Probleme sind völlig normal.

Derartiges passiert in jeder Sekunde tausendfach an allen Orten rund um den Globus.

ALLES VÖLLIG NORMAL.

Und wie reagieren Sie auf große Probleme:
Krebserkrankung, Keller überschwemmt, Tod eines Angehörigen, …?

Was spüren Sie jetzt? Mehr Widerstand? Große Anspannung? Angst? Gefühlschaos?

Aber auch diese großen Probleme sind völlig normal.

In den letzten tausend Jahren mussten Millionen von Menschen derartige Probleme durchleben und bewältigen.

ALLES VÖLLIG NORMAL.

Allerdings heißt NORMAL nicht GUT. Wenn ein Problem auftritt, ist das nicht gut, aber eben normal.

Versuchen Sie einmal in der nächsten Zeit folgende Gedankenübung: Immer wenn Sie auf ein Problem stoßen und Sie Widerstand, Ärger, Anspannung spüren, dann sagen Sie zu sich still:

Mein Problem „XYZ“ – völlig normal.

Und spüren Sie, was passiert.

(Inspiriert von einem Leitsatz aus dem empfehlenswerten Buch von Matthias Ennenbach: „Inspiration in 108 Leitsätzen“)

Die Situation ist, wie sie ist

Was ist der wirkliche Grund des Nicht-Glücklichseins im Menschen? Ist der Grund die Situation, oder ist der Grund, wie die Gedanken eine Situation beurteilen? In 95 Prozent aller Situationen bringt nicht die Situation das Unglücklichsein hervor, sondern die Geschichte, die man sich über die Situation im Kopf erzählt. Man fühlt dann die Reflexion dieser Gedanken als Emotionen im Körper, und man glaubt, das sei die Situation. Wenn man das erkennt, dann trennt sich plötzlich der Gedankenfluss von der Situation – die Situation ist, wie sie ist. Das ganze Drama im Kopf hat nur ein Ziel, nämlich das Selbstgefühl, das sich aus Gedanken bezieht, diese Fiktion des Selbst, das sogenannte „Ego“, zu stärken: durch ständiges Beklagen, durch ständiges Verneinen, durch ständiges Nicht-Wollen. Das ist ein unbewusster Prozess – der Mensch macht sich also selbst unglücklich, vollkommen unbewusst. 95 Prozent allen Leidens sind überflüssig.

Eckhart Tolle in einem Vortrag

Gefühle und Bedürfnisse

Gefühle sind die Sprache unserer Bedürfnisse. Vielen ist dieser Zusammenhang oft nicht bewusst.

Einige Beispiele:

Trauer ist Ausdruck des unerfüllten Bedürfnisses nach Verbundenheit.
Angst ist Ausdruck des unerfüllten Bedürfnisses nach Sicherheit.
Ärger ist Ausdruck des unerfüllten Bedürfnisses nach Kooperation.
Wut ist Ausdruck des unerfüllten Bedürfnisses nach Anerkennung.

Für die Gesundheit sind die achtsame Wahrnehmung der negativen Gefühle und die Erfüllung der dahinter liegenden unerfüllten Bedürfnisse sehr wichtig.

Das Vermeidungs- und Abwehrverhalten gegenüber Gefühlen erzeugt Stress und Anspannung und auf lange Sicht psychosomatische Störungen.

Was unangenehme Gefühle am meisten nährt, ist Widerstand.
Je mehr Gefühle abgelehnt werden, desto hartnäckiger bleiben sie.

Die vollständige Akzeptanz der unangenehmen Gefühle entzieht ihnen die Macht und bewahrt vor negativen Auswirkungen auf die seelische und körperliche Gesundheit.

Ewigkeitssonntag 3

Heute ist der dritte Ewigkeitssonntag, an dem ich meiner verstorbenen Frau gedenke. Ja, ich finde Trost im Glauben. Ja, ich bin sehr dankbar für die gemeinsame Zeit mit meiner Frau. Ja, ich habe die Realität akzeptiert. Aber ich vermisse meine Frau oft schmerzlich. Auch heute im Gottesdienst überkam mich wieder die Traurigkeit.

Langsam wird mir klar: die Trauer reduziert sich, aber enorm langsam, und sie wird nie ganz verschwinden.

In der Mathematik nennt man das eine horizontale Asymptote. Erst nach unendlich langer Zeit wird die Trauer zu null.

Ich lerne, und ich werde weiterhin lernen müssen, damit zu leben. Manche Leute in meiner Umgebung empfehlen mir eine neue Partnerin. Aber das ist zu einfach gedacht, denn „eine Neue“ wird meine Trauer nicht verändern, höchstens verdrängen.

Ich bin gespannt, was ich in einem Jahr unter dem Titel „Ewigkeitssonntag 4“ schreiben werde.

Nur eines ist für mich inzwischen sicher: meine Trauer bleibt und das ist vielleicht auch gut so.