Die Lichtung

Übersetzung:

Versuche nicht, die ganze Welt zu retten
oder sonst etwas Großartiges zu vollbringen.
Stattdessen erschaffe eine Lichtung
im dichten Wald deines Lebens
und warte dort geduldig,
bis das Lied, das dein Leben ist,
in deine geöffneten Hände fällt,
und du es erkennst und begrüßt.
Nur dann wirst du wissen,
wie du dich dieser Welt, die es so wert ist,
gerettet zu werden, schenken kannst.

— Martha Postlewaite

Hauptstraßen zum Sinn des Lebens

Die Existenzanalyse, eine Weiterentwicklung der vom österreichischen Neurologen und Psychiater Viktor Frankl entwickelten Logotherapie, konzentriert sich auf die Voraussetzungen, die ein Mensch braucht, um sinnerfüllt leben zu können.

Frankl ging davon aus, dass das Streben nach Sinn die stärkste Motivationskraft des Menschen ist:

Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie.

Mit diesem Satz von Nietzsche brachte Frankl die von ihm entwickelte sinnorientierte Beratungs- und Behandlungsmethode auf den Punkt.

Viktor Frankl hat drei „Hauptstraßen zum Sinn des Lebens“ beschrieben:

  1. Erlebniswerte:
    Das Erleben von etwas Gutem, von etwas, das uns wertvoll erscheint, kann unserem Leben Sinn geben. Ein Spaziergang, Musikgenuss, ein Sonnenuntergang, ein inspirierendes Gespräch, eine erfüllende Liebesbeziehung.
  2. Schöpferische Werte:
    Werke oder Taten, etwas schaffen, kreativ werden in der Arbeit oder im Alltag, für eine Sache oder andere Menschen einstehen und auf diese Weise Sinn erfahren.
  3. Einstellungswerte:
    Leiden als Aufforderung begreifen, trotz aller Einschränkung noch die Freiheit ergreifen im Wie des Leidens und im Wofür des Leidens – und dem Leben, sich und anderen Menschen eine bedingungslose Treue halten.

Quelle: Psychologie Heute, Heft 01/2016, S. 66.

Buchtipps: Alfried Längle: Sinnvoll leben / Alfried Längle: Sinnspuren

Weiter auf der Suche

Im August 2015, fünf Monate nach dem Tod meiner Frau, fragte ich mich: Wie soll es weitergehen?. Ich begann mit der Suche nach für mich sinnstiftenden und erfüllenden Tätigkeiten.

Ich habe eine Messe für ehrenamtliche Tätigkeiten besucht, Gespräche geführt, in einer Gruppe einige Zeit mitgearbeitet. Bislang ist der Funke noch nicht übergesprungen; ich konnte bislang noch nicht sagen: „Das ist es“.

Es ist vielleicht einfach noch etwas früh. Ich habe oft das Gefühl, dass mich ein neues Engagement momentan überfordert, da meine Trauer mir immer noch Energie raubt und Anspannungen verursacht. Mental bin ich alles andere als stabil.

Ich frage mich außerdem, ob eine ehrenamtliche Tätigkeit wirklich die einzige Lösung für ein sinnvolles und erfülltes Leben darstellt. In der Ratgeberliteratur ist das Ehrenamt oder Freiwilligenarbeit fast immer der erste und oft auch der einzige Ratschlag für etwas mehr Sinn im Leben.

VHS-Kurse besuchen, Reisen machen, Sprachen lernen, Fotografieren, Lesen, usw. – auch damit könnte ich meine Tage füllen und hätte sicherlich eine Menge Spaß dabei.

Eine neue Beziehung? Gott bewahre! Das wäre die größte Dummheit, die ich tun könnte.

Ich bin also weiter auf der Suche – und sicherlich noch lange Zeit, denn mein Leben ist nicht mehr wie es mal war.