Der Kosmos ist Veränderung – das menschliche Leben ist Meinung

Mark Aurel: Selbstbetrachtungen, IV, 3

Die Folgen von Nicht-Akzeptanz

Was ist die Strafe dafür, die Dinge nicht so zu akzeptieren, wie sie sind?

Du fühlst dich elend, wenn du allein bist, und du fühlst dich unglücklich, wenn du mit anderen zusammen bist.

Du musst nicht in ein Gefängnis geworfen werden – du bist bereits in einem.

— Epiktet: Discourses I, Kap. 12, 21-22.

Der Karren und der Hund

Stellen Sie sich einen Hund vor, der an einem fahrenden Karren angeleint ist. Die Leine ist lang genug, um dem Hund zwei Möglichkeiten zu bieten:

  1. Entweder kann der Hund problemlos der Richtung des Wagens folgen, über die er keine Kontrolle hat, und gleichzeitig die Fahrt genießen und die Umgebung erkunden.
  2. Oder er kann dem Karren mit aller Kraft hartnäckig widerstehen und wird ohnehin mitgeschleppt – für den Rest der Fahrt.

Genau wie bei diesem Hund gibt es viele Dinge in unserem Leben, die wir nicht kontrollieren können. Entweder nehmen wir die Situation an und versuchen, das Beste daraus zu machen, oder wir bekämpfen sie wie der bockige Hund.

Es ist unsere Wahl.

Nehmen wir uns also den Rat des Philosophen Epiktet (um 50 – 138 n. Chr.) zu Herzen:

Verlange nicht, dass das, was geschieht, so geschieht, wie du es wünschst, sondern wünsche, dass es so geschieht, wie es geschieht, und dein Leben wird heiter dahinströmen.

Leicht gelesen – aber nicht leicht getan!

Dinge passieren, die sehr unglücklich scheinen, keine Frage.

Liebe Menschen sterben, eine Flut zerstört Ihr Zuhause, Sie verlieren Ihren Job oder bestehen Ihre Prüfungen nicht. Sie können diese Dinge nicht rückgängig machen. Sie können nur versuchen, sie mit einem edlen Geist zu akzeptieren und das Beste aus der gegebenen Situation zu machen.

Aber Achtung:
Akzeptanz hat überhaupt nichts mit Resignation zu tun.
Und Akzeptanz heißt auch nicht, dass wir es gutheißen.

Zehn praktische Lehren des Stoikers Mark Aurel

Mark Aurel (oder Marcus Aurelius) war von 161 bis 180 römischer Kaiser und als Philosoph der letzte bedeutende Vertreter des Stoizismus.

Mark Aurel

Im folgenden Video (auf Englisch) sind zehn praktische Lehren aus den Selbstbetrachtungen des Mark Aurel wunderbar dargestellt:

  1. Ignoriere, was andere tun oder sagen
  2. Deine Realität wird durch Deine Meinungen gemacht
  3. Tue weniger
  4. Denke immer daran: der Tod klopft an Deine Tür
  5. Du bist stärker, als Du denkst
  6. Setze Deine Gaben und Stärken ein
  7. Beklage Dich niemals
  8. Egal wo, Du kannst überall glücklich leben
  9. Hilf der Gemeinschaft
  10. Sei dankbar für die Dir gegebenen Wohltaten und Segnungen

Kleiner Hinweis: Sie können in YouTube die Untertitel und die automatische Übersetzung ins Deutsche einschalten.

Und: es gibt weitere ähnliche Videos, die Lebensregeln von weiteren Stoikern zeigen – Seneca und Epiktet:

Widerstand zwecklos

Wer mein Blog intensiver liest, wird bemerkt haben, dass sich die psychologischen und philosophischen Themen hier immer wieder um folgendes drehen:

Diese Themen und Methoden sind ganz essentiell, um den Tod eines geliebten Menschen oder andere Katastrophen im Leben besser verarbeiten können.

Und wieder ist ein schönes Buch zu genau diesem Themenkomplex erschienen:

Andreas Knuf: Widerstand zwecklos –  Wie unser Leben leichter wird, wenn wir es annehmen, wie es ist / 192 Seiten, Kösel-Verlag, ISBN 978-3466347124

Empfehlenswert!

Was in meiner Macht steht – und was nicht

Oft konzentrieren wir uns auf Dinge, die außerhalb unserer Kontrolle liegen.

Je mehr wir dies tun, desto enttäuschter, wütender, ängstlicher oder trauriger fühlen wir uns.

Je mehr wir uns dagegen auf das konzentrieren, was in unserer Macht steht, desto stärker sind wir, und wir können tatsächlich etwas Nützliches tun.

Außerhalb meiner Macht sind:

  • Mehrheit meiner Gefühle
  • Mehrheit meiner Gedanken
  • Mehrheit meiner Empfindungen
  • Meine Erinnerungen
  • Ob ich meine Ziele erreiche oder nicht
  • Wie gut ich mich fühle, wenn ich tue, was ich tue
  • Was andere Leute sagen und tun
  • Wie andere meine Motivationen wahrnehmen
  • Wie andere mich beurteilen oder wahrnehmen
  • Was in der Zukunft passiert
  • Was in der Vergangenheit passiert ist
  • Unvermeidliche schmerzliche Verluste im Leben
  • Ob das Leben mir das gibt, was ich will
  • Alterung, Krankheit und Verletzungen, sowie mein Tod

Potentiell unter meiner Kontrolle sind:

  • Wie ich auf meine Gefühle reagiere
  • Wie ich auf meine Gedanken reagiere
  • Wie ich auf meine Empfindungen reagiere
  • Wie ich auf meine Erinnerungen reagiere
  • Wieviel ich für meine Ziele unternehme
  • Wie sehr ich mich auf das konzentriere, was ich tue
  • Was ich sage und tue, um andere Menschen zu beeinflussen
  • Wieviel ich meine Werte zur Motivation einsetze
  • Ob ich mich wie eine Person benehme, die ich sein möchte
  • Was ich sage und tue, um die Zukunft zu beeinflussen
  • Wie ich auf Gedanken über die Vergangenheit reagiere
  • Wie mitfühlend ich mir selbst gegenüber bei Verlusten bin
  • Die Werte, nach denen ich lebe – egal, ob das Leben mir das gibt oder nicht, was ich will
  • Wie gut ich auf mich selbst aufpasse

Quelle: Russ Harris – The Happiness Trap

Epiktet über den Tod (1)

Warum wachsen die Ähren? Nicht wahr, damit sie reif werden? Und werden sie nicht darum reif, damit man sie abschneide? Denn sie wachsen nicht bloß für sich, und sind nicht bloß um ihrer selbst willen da. Müssten sie nun wohl, wenn sie sich ihrer selbst bewusst wären, wünschen, dass sie niemals abgeschnitten würden? Das wäre ja ein Fluch für die Ähren, wenn sie nie eingeerntet würden.
So sollte man auch erkennen, dass es ein Fluch für die Menschen wäre, nie zu sterben, wie es für die Ähren ein Fluch sein würde, nie zu reifen und nie geerntet zu werden.
Aber ungeachtet wir auch solche Ähren sind, die nicht nur eingeerntet werden müssen, sondern es noch dazu begreifen, dass es sein muss, sind wir doch ungehalten darüber.
Denn wir erkennen nicht, was wir sind, und haben die Menschheit nicht studiert, wie Reiter die Pferdenatur studieren.

Epiktet (50-138, antiker Philosoph)

Ist das Leben unfair?

Herbert Grönemeyer singt in seinem berühmten Song „Der Weg“ aus seinem Album „Mensch“ die Zeile:

… Das Leben ist nicht fair …

Nachzuhören hier:

Ist das wirklich so?
Ist das Leben nicht fair, weil jemand zu früh starb?
Oder vielleicht doch fair – aus Gründen, die ich nicht kenne?

Manche Menschen sterben sehr früh.
Manche sehr spät.

Manche Menschen leiden vor ihrem Tod.
Manche sterben von einer Sekunde zur anderen.

Was ist „Fairness“?
Das Wort drückt eine Vorstellung von Gerechtigkeit aus. Fairness lässt sich laut Wikipedia im Deutschen mit „akzeptierter Gerechtigkeit“, mit „Angemessenheit“ oder „Anständigkeit“ gleichsetzen.

Aber kann es Fairness in Bezug auf Lebenslänge oder Krankheiten überhaupt geben?

Die Stoiker sagen, dass der Mensch sich nur auf die Dinge konzentrieren solle, die in seiner Macht stehen, die er beeinflussen und verändern kann.

Lebenslänge oder Krankheiten stehen aber nur in sehr geringen Maße in der Macht bzw. Kontrolle des Menschen. Man kann versuchen, gesund zu leben, aber mehr auch nicht. Vielleicht hat es einen Einfluss auf das zukünftige Leben. Vielleicht aber auch nicht.

Ob die Lebenslänge als fair (= gut) oder als unfair (= schlecht) genannt wird – es sind völlig subjektive Beurteilungen und Gedanken.

Der Stoiker Epiktet sagte:

Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Meinungen und die Urteile über die Dinge.

War das Leben eines Menschen kurz, dann denken wir sofort negativ: „Das Leben ist unfair“. Und kurz danach stellen sich dann zuverlässig negative Gefühle ein.

Das ständige Beurteilen aufzugeben – es ist vermutlich eine der größten Herausforderungen in unserem Leben.

Jesus ermahnt uns in Matthäus 7,1:

Richtet nicht.

Mein persönliches Fazit:
Das Leben ist, wie es ist.
Weder fair, noch unfair.
Leben ist.
Versuchen wir unsere Träume zu leben, solange noch Zeit dafür ist.

Der Unterschied zwischen Leid und Leiden

Was ist Leid?

Alle Probleme in unserem Leben, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, kann man unter dem Begriff Leid zusammenfassen.

Zum Beispiel:

  • Ein Teller fällt zu Boden und zerbricht.
  • Der Urlaub ist verregnet.
  • Das Auto steht im Stau.
  • Während einer Wanderung gibt es einen Wolkenbruch.
  • Der Ausgang der Bundestagswahl entspricht nicht meinen Erwartungen.
  • Der Zug hat drei Stunden Verspätung, und das Flugzeug fliegt ohne mich ab.
  • Ich werde krank.
  • Mein Partner stirbt.

Alles sind Fakten.
Da gibt es nichts herumzudeuteln.
Wir müssen damit irgendwie weiterleben.
Wie? Akzeptieren. Das ist alles.

Was ist Leiden?

Leiden ist die gedankliche, gefühlsmäßige und körperliche Reaktion auf das Leid.

Zum Beispiel:

  • Ein Teller fällt zu Boden und zerbricht → ich bin verärgert.
  • Der Urlaub ist verregnet → ich lamentiere.
  • Das Auto steht im Stau → ich bin wütend.
  • Während einer Wanderung gibt es einen Wolkenbruch → ich werde komplett nass.
  • Der Ausgang der Bundestagswahl entspricht nicht meinen Erwartungen → ich rege mich auf.
  • Der Zug hat drei Stunden Verspätung, und das Flugzeug fliegt ohne mich ab → ich bin am Boden zerstört.
  • Ich werde krank → ich habe Angst um meine Zukunft.
  • Mein Partner stirbt → ich trauere, ich grübele, ich habe psychosomatische Beschwerden, und vieles mehr.

Die Fakten (das Leid) kann ich nicht ändern. Ich habe auf alle diese Dinge (Schwerkraft, Wetter, Verkehrslage, Wahlausgang, Krankheit, Tod, usw.) keinen Einfluss. Ich muss die Fakten einfach nur akzeptieren.

Auf die Reaktionen zu den Fakten, auf das persönliche Leiden, habe ich jedoch sehr wohl einen Einfluss.

Fast alle Reaktionen kommen aus meinem antrainierten Ego, das mir ohne Unterlass Erwartungen, Bewertungen und andere schädliche Impulse einflüstert: ich will … ich will nicht … ich muss … ich mag … ich mag nicht … ich finde … ich denke … ich meine … das darf nicht … wieso … warum nur …

Durch Achtsamkeit kann ich diese Erwartungen, Bewertungen und Impulse erkennen und wahrnehmen. Schon allein durch dieses Erkennen und Wahrnehmen wird das Ego reduziert und so auch mein Leiden gemindert, denn die Reaktionen auf das Leid werden dann Ergebnis einer bewussten Entscheidung in größerer Klarheit.

Lebensregeln

Nachfolgend einige Lebensregeln (auch gültig in Zeiten der Trauer), basierend auf den Grundprinzipien des Stoizismus (siehe auch: Text, Audio, Video):

  • Lassen Sie sich nie von Dingen quälen oder beeinflussen, über die Sie wenig oder keinen Einfluss haben. Manchmal laufen die Dinge eben nicht so, wie Sie es beabsichtigt oder geplant hatten; also seien Sie immer bereit, sich anzupassen!
  • Bereiten Sie sich gedanklich auf schwierige Umstände vor, und stellen Sie sich dabei vor, sie mit ruhiger Gelassenheit zu behandeln. Eine solche Vorbereitung wird die Angst vor schwierigen Umständen reduzieren und ihre Wirkung verringern, falls sie tatsächlich passieren. Darüber hinaus sollten Sie schwierige Umstände immer positiv sehen, indem Sie sie als Lernmöglichkeiten ansehen.
  • Leben Sie weitgehend in der Gegenwart, da die Vergangenheit vorbei und unveränderlich ist und die Zukunft weitgehend unsicher und nicht in unseren Händen ist.
  • Finden Sie ein Gleichgewicht zwischen einem engagierten und einem losgelösten Leben. Betrachten Sie das Leben als eine Art Festival oder ein Spiel – mit dem Ziel, es für die kurze Dauer, die wir hier sind, zu genießen; beobachten Sie das Leben, nehmen Sie daran teil – aber ohne zu viel über die Resultate betroffen oder bekümmert zu sein.
  • Konzentrieren Sie sich mehr auf die Entwicklung Ihres Charakters, anstatt an „äußeren Dingen“ zu verhaften oder zu hängen, die kurzlebig oder außerhalb Ihrer Kontrolle sein können; z. B. materielle Dinge, sinnliche Freuden, sozialer Status, Gesundheit und sogar nahestehende, geliebte Personen.
  • Wertschätzen Sie, dass alle Dinge nach einem universellen Schema geschehen, welches einen tieferliegenden Grund und Sinn hat, aber über unser aller endliches Verständnis hinausgeht. Benutzen Sie diese Perspektive, um sich immer daran zu erinnern, dass die Dinge, die uns bekümmern oder quälen, im allgemeinen „Kleinkram“ im Gesamtsystem aller Dinge ist. Dieses Gesamtsystem ist voller Geheimnisse, aber es scheint zumindest ein unglaublich riesiges Universum, das seit Milliarden Jahren existiert, zu umfassen!

Quelle: Buchrezension eines Lesers auf amazon.com, die die wichtigsten praktischen Punkte aus „Stoicism and the Art of Happiness“ (und anderen Quellen?) zusammenfasst – von mir aus dem Englischen übersetzt und leicht verändert.

Stopp

Im Jahre 40 n. Chr. schrieb Seneca einen langen Brief (eine Trostschrift) an Marcia, die seit über drei Jahren sehr aktiv den Tod ihres Sohnes Metilius betrauerte. Nach üblichen Maßstäben fehlt diesem Trostbrief ein gewisses Mitgefühl gegenüber Marcias Trauer und Verlust. Seneca schreibt in Teil 8 über den allmählichen Rückgang der Trauer mit der Zeit:

VIII. Was natürlich ist, nimmt durch die Zeit nicht ab; den Schmerz jedoch verzehrt die lange Zeit. Mag er noch so hartnäckig sein, sich täglich neu erheben und gegen die Heilmittel aufbrausen, dennoch entnervt ihn die Zeit, das wirksamste Mittel, den Trotz zu bändigen. Zwar hält bei dir, o Marcia, auch jetzt noch die heftige Trauer an und scheint gleichsam schon eine harte Haut bekommen zu haben, zwar nicht so aufgeregt, wie sie bei Octavia war, aber doch hartnäckig und eigensinnig; und dennoch wird auch sie die Zeit nach und nach dir abnehmen. So oft du etwas anderes tust, wird sich dein Gemüt erholen: jetzt hast du nur dich selbst im Auge und hängst deinem Schmerze nach.

Seneca fordert Marcia sogar auf, dass sie nicht passiv warten solle, bis die Trauer von allein langsam verschwindet, sondern dass sie doch ihre Trauer aktiv beenden solle:

Es ist aber ein großer Unterschied, ob du dir zu trauern erlaubst oder gebietest. Um wieviel mehr aber geziemt es der Schönheit deines Charakters, der Trauer lieber ein Ende zu machen, als es abzuwarten, und nicht auf den Tag zu harren, wo der Schmerz wider deinen Willen aufhört? Entsage ihm selbst.

Diese Passage hat mich nachdenklich gemacht, denn so einen Ratschlag liest man heute in der Standard-Trauerliteratur nirgends: willentlich der Trauer zu entsagen.

Nach nunmehr 1¾ Jahren Trauer und Tränen bin ich in der Öffentlichkeit selten traurig und weine schon viel länger nicht mehr in der Öffentlichkeit. In letzter Zeit weine ich auch zu Hause nur noch selten.

Ich habe mich daher heute entschlossen — nach 1¾ Jahren Trauer und Tränen, mir bei aufkommender Traurigkeit und Tränen innerlich ein „Stopp“ zu sagen.

stopp-trauer

Zumindest werde ich das zukünftig versuchen. Ganz wie Seneca es Marcia empfiehlt. In einem Kalender werde ich diese Fälle und das Resultat notieren.

Ein anderer Vertreter des Stoizismus, Marc Aurel, sagte:

Wie die Gedanken sind, die du am häufigsten denkst, ganz so ist auch deine Gesinnung. Denn von den Gedanken wird die Seele gesättigt.

Traurige Gedanken erzeugen traurige Gefühle. Ein bewusster Stopp der Gedanken kann dies unterbrechen. Das heißt nicht, dass ich meine verstorbene Frau vergessen will. Oder dass ich sie nicht mehr liebe.

Aber es ist nun an der Zeit, der spontanen Traurigkeit, den spontanen Tränen, in der/denen auch viel Selbstmitleid steckt, willentlich ein Ende zu machen. Dies ist auch ein Teil der Transformation meines vergangenen Lebens zu zweit in mein zukünftiges Leben allein.


Nachtrag 22.1.2017:

Die Idee mit dem Trauer-„Stopp“ hat sich als keine gute Idee erwiesen. Es war einfach zu früh.

Nachtrag 2019:

Inzwischen, nach mehr als 3-4 Jahren, halte ich die oben dargestellte Methode durchaus für angebracht und praktikabel.


Andere Artikel zum Thema Stoizismus, Trauer und Tod:

 

„The Work“ – und die drei Arten von Angelegenheiten

Byron Kathleen Mitchell, meist nur Byron Katie genannt, ist bekannt als Gründerin der Methode „The Work“.

„The Work“ ist eine Methode der meditativen Gedankenüberprüfung, die von jedem Menschen – jeden Alters, jeder Herkunft und jeder Art von Leidens- oder Lebensgeschichte – angewandt werden kann und die aus vier Standardfragen besteht:

  • Ist das wahr?
  • Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
  • Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?
  • Wer wärst du ohne den Gedanken?

Außerdem wird die zu untersuchende Aussage umgekehrt. Die Umkehrungen sind eine Möglichkeit, das Gegenteil von dem zu entdecken, was man für wahr hält, und sich so mental weiterzuentwickeln.

Auch in Verlust- und Trauer-Situationen kann man die Methode anwenden.

Gemäß Byron Katie gibt es nur drei Arten von geistigen Angelegenheiten:

  • meine Angelegenheiten,
  • anderer Leute Angelegenheiten und
  • Gottes Angelegenheiten (des Gottes, wie du ihn dir vorstellst).

Wenn man sich geistig in anderer Leute oder Gottes Angelegenheiten bewegt, vergiftet man sich unnötig sein Leben.

Das mag brutal klingen – ja. Es ist aber wahr; es ist stoische Philosophie (← Link verweist auf ein empfehlenswertes Audio-Feature des Bayerischen Rundfunks). Der Tod ist Gottes Angelegenheit, ggf. (bei Selbsttötung) auch die Angelegenheit des Verstorbenen. Es geht darum, die belastenden Todesumstände, die Selbstvorwürfe und irgendwann auch die Trauer loszulassen, nicht aber den Verstorbenen und die Liebe zu ihm/ihr.

Schön zusammengefasst auch im „Gebet der Gelassenheit“:

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Copyright-Hinweis: „The Work“ © Byron Katie International, Inc.

Über den Tod

epiktet

Nicht die Dinge selbst, sondern die Meinungen von den Dingen beunruhigen die Menschen.

So ist z. B. der Tod nichts Schreckliches; die Meinung vom Tod, dass er etwas Schreckliches sei, das ist das Schreckliche.

Sage nie von einem Ding: ich habe es verloren; sondern: ich habe es zurückgegeben.

Dein Kind ist gestorben – es ist zurückgegeben worden.

Dein Weib ist gestorben – es ist zurückgegeben worden.

Wenn du willst, daß deine Kinder, dein Weib und deine Freunde ewig leben sollen, so bist du ein Tor.

Du willst damit, daß Dinge, die nicht in deiner Gewalt sind, in deiner Gewalt sein sollen, und was nicht dein ist, soll dir gehören.

— Epiktet – Handbüchlein der Moral