Hermann Hesse: Das Totenopfer muss in unsrer eigenen Seele vollzogen werden

Schmerz und Klage sind unsre erste, natürliche Antwort auf den Verlust eines geliebten Menschen. Sie helfen uns durch die erste Trauer und Not, sie genügen aber nicht, um uns mit dem Toten zu verbinden. Das tut auf primitiver Stufe der Totenkult: Opfer, Grabschmuck, Denkmäler, Blumen. Auf unsrer Stufe aber muß das Totenopfer in unsrer eigenen Seele vollzogen werden, durch Gedenken, durch genaueste Erinnerung, durch Wiederaufbau des geliebten Wesens in unserem Inneren. Vermögen wir dies, dann geht der Tote weiter neben uns, sein Bild ist gerettet und hilft uns, den Schmerz fruchtbar zu machen. – Hermann Hesse: Lektüre für Minuten, Nr. 1060, S. 276

Werbeanzeigen

Goodbye My Love

Goodbye My Love – ein fast schon uraltes (1970er Jahre) chinesisches Abschiedslied zweier Liebenden, hier gesungen von der wahrscheinlich berühmtesten taiwanischen Sängerin: Teresa Teng (鄧麗君, Dèng Lìyún), die viel zu früh 1995 während einer Reise durch Thailand in Chiang Mai an einem Asthmaanfall mit nur 42 Jahren verstarb. Ursprünglich wurde der Song übrigens von Ann Lewis in Japanisch 1974 veröffentlicht (グッド・バイ・マイ・ラブ).

Goodbye My Love / 再見,我的愛人 / Zàijiàn, wǒ de àiren

Während der Live-Performance im folgenden Video (1976 in Japan) fließen bei der Sängerin während des gesprochenen Teils in der Mitte ein paar Tränen…

teresa-teng

Eine ungefähre Übersetzung des Songtextes:

Auf Wiedersehen, meine Liebe, wir trennen uns jetzt voneinander. Ich habe dir alles gegeben, ich hoffe du schätzt es und erfüllst meine Zuneigung zu dir. Ich weiß nicht, wann wir uns wiedersehen werden. Ich werde dich immer von ganzem Herzen lieben. Ich wünschte, du vergisst mich nicht. Ich werde mich bis in alle Ewigkeit an dich erinnern, an deine sanfte Berührung, dein warmes Herz, deine süßen Küsse, deinen berauschenden Gesang, die Zeit, die wir zusammen verbracht haben. Auf Wiedersehen, meine Liebe, ich weiß nicht, wann wir uns wiedersehen werden. — Auf Wiedersehen, meine Liebe, ich werde dich nie vergessen und wünschte, du würdest es auch nie. Vielleicht sehen wir uns ja wieder, nicht wahr? — Auf Wiedersehen, meine Liebe. Werden wir uns eines Tages sehen? Ich liebe dich von ganzem Herzen. Ich wünschte, du vergisst mich nicht. Oh, meine Liebe, ich glaube, wir werden uns eines Tages wiedersehen!

Der Song erinnert mich sehr an meine liebe Frau, schon allein deswegen, weil sie nur eineinviertel Jahre vor Teresa Teng und ebenfalls auf Taiwan geboren wurde.

Wann ist die Trauer endlich zu Ende?

Meine Frau ist heute vor 227 Wochen gestorben. Und in diesen 4 Jahren und 4 Monaten habe ich mich oft gefragt:

Wann ist die Trauer endlich zu Ende?

Vielleicht fragen Sie sich das auch gerade, wenn Sie dies hier lesen.

Ich kann hier nur von mir schreiben. Andere Trauernde werden es wahrscheinlich völlig anders erleben.

In diesem Jahr 2019 war bislang bei mir die Trauer substantiell weniger als in den 3¾ Jahren davor (2015 bis 2018).

Ich könnte auch sagen: Meine Trauer hat knapp 200 Wochen gedauert.

Anfang dieses Jahres schrieb ich: „2019 ist das Jahr des Entrümpeln, des Wegwerfens, des Aufräumens. Jeden Tag ein Schrankteil, eine Schublade, usw. – durch alle Zimmer, Keller, Dachboden.“

Fast fünf Monate habe ich entrümpelt, weggeworfen, aufgeräumt: viele Sachen von mir und von meiner Frau.

Das war ungeheuer befreiend und erleichternd.

Dazu zwei Reisen, die lange gewünscht waren und nichts mehr mit meiner Frau zu tun hatten. Es waren meine Reisepläne, die ich umgesetzt hatte.

Ich denke noch oft an meine Frau, aber diese Wehmut, diese Sehnsucht und Traurigkeit ist inzwischen die meiste Zeit verschwunden. Ich habe mein Leben wieder „in die Hand“ genommen: ich plane Neues, und es macht wieder Freude.

Klar ist: die Trauer wird irgendwann mal wieder zurückkommen, aber das ist für mich absolut in Ordnung, und es wird mich nicht erschrecken. Solche kleineren Trauerepisoden würde ich zur ursprünglichen Trauerzeit nicht mehr dazurechnen.

Ich bin momentan die wichtigste Person in meinem Leben, und ich muss das Beste aus meinem restlichen Leben machen. Ich bin allein dafür verantwortlich, niemand sonst. Und das hat nichts mit Egoismus zu tun.

Es ist mein Leben. Und eine neue Beziehung ist für mich kein Thema. Wenn es sich ganz zufällig ergeben würde: vielleicht. Man soll ja niemals „Nie“ sagen. Aber mit fast 70 sollte man auch ein wenig Realist sein.

It’s a bittersweet symphony – this life

Nächstes Jahr werde ich 70, und ich kann sagen: Viel Wahres in diesem Songtext.

Ein Unbekannter schrieb zum Original-Songvideo folgenden Kommentar – und ich kann ihm zu 100% zustimmen (Übersetzung in’s Deutsche):

This is a brilliant song. It is about the feeling of being trapped and powerless to change your behavior or your life due to circumstances beyond your control. It is about the sense of desperation you feel as your life passes before your eyes and you struggle unsuccessfully to control and shape it. It is about the perpetual conflict between the path you want to follow and the path you are compelled to follow.

Original: The Verve – Bitter Sweet Symphony, 1997
Autor: Richard Ashcroft
Musik: Mick Jagger, Keith Richards

Diese Dance/Electronic-Version:
Gamper & Dadoni – Bittersweet Symphony (feat. Emily Roberts), 2019

Veränderungen

Meine Tochter und ihre Familie haben sich entschieden, für einige Jahre und „open end“ in die Heimat ihrer Mutter bzw. meiner Frau auszuwandern. Mein Schwiegersohn hatte dort ein attraktives Stellenangebot gefunden, und er wurde akzeptiert. Inzwischen sind meine Tochter, mein Schwiegersohn und meine Enkelin in ihre neue Wahlheimat geflogen. Sie müssen ihren Lebensweg selbst finden – da habe ich nichts hineinzureden.

Aber ihr Weggang und ihre große räumliche Distanz schmerzen mich schon, auch in Zeiten von Messenger, WhatsApp & Co. Ich muss damit irgendwie klarkommen. Einfach wird das nicht.

Norwegen

Vier Jahre und mehr als drei Monate sind nach dem Tod meiner Frau vergangen.

Zu Beginn dieses Jahres habe ich einen Neubeginn für mein eigenes Leben angepackt. Zuerst einige Monate des Entrümpeln, des Wegwerfens, des Aufräumens. Das hatte etwas ungeheuer Befreiendes. Nicht dass ich nur Dinge weggeworfen habe, die einmal meiner Frau gehörten. Es waren weitaus mehr Dinge, die mir gehörten. Vieles hat jetzt einfach keine Bedeutung mehr.

Dann war ich im April auf den Kanaren und Madeira. Nun, zwei Monate später, war ich zehn Tage in Norwegen. Beide Ziele waren neu für mich und waren langgehegte Reisewünsche.

Besonders die Norwegenreise hat meiner Seele gutgetan.

Das mehr oder minder angenehme Leben zu Hause hat oft zu wenig neue visuelle Reize, hat zu viel Routine, verleitet zum Grübeln und zu einem schädlichen Schongang.

Die unendliche Weite der Landschaft, des Himmels oder des Meeres hat etwas enorm Beruhigendes. Das Leben in Norwegen hat eine viel geringere Geschwindigkeit und Lautstärke. Auf den Straßen spürt man die ca. 25% E-Autos sofort, genau wie den nicht von Eile und Aufgeregtsein geprägten Fahr- und Lebensstil.

Die nachfolgenden Fotos mögen dies ein wenig verdeutlichen.

Ich habe oft an meine Frau gedacht; sie hätte diese Reise sehr gemocht.

Das Leben geht weiter, und ich werde aus meinem restlichen Leben das Beste machen. Zu Hause sitzen, grübeln, traurig sein, sich im Selbstmitleid ergehen – das kann es nicht sein. Es gibt noch viel Neues zu entdecken. Auch allein.

Wenn Fortuna uns besucht …

Ein interessanter Gedankengang aus Kapitel 22 des Buches „Die Kunst des guten Lebens“ von Rolf Dobelli:

Unser Leben scheint planbarer, als es in Wahrheit ist.

Der Zufall spielt eine viel größere Rolle, als wir wahrhaben möchten.

Die Idee des Schicksals, der Fortuna“, der Göttin des Zufalls – ein jahrtausendelang bewährtes gedankliches Werkzeug – haben wir in den vergangenen 100 Jahren ausradiert.

Darum sind wir so erschüttert, wenn uns etwas Schlimmes aus dem Nichts widerfährt – Unfall, Krebs, Krieg, Tod.

Bis ins letzte Jahrhundert hinein wurden solche Katastrophen bereitwilliger akzeptiert. Die Menschen waren gedanklich auf Fortunas Besuch vorbereitet.

Heute bedeutet Schicksal ein „Versagen des Systems“.

Es gehört aber zum guten Leben, dem gedanklichen Werkzeug der Fortuna wieder den notwendigen Platz einzuräumen.

Fortuna und das Rad des Lebens (Buchillustration aus dem 15. Jh.)

Wie man Witwer mittags satt wird

Ich gebe es offen zu: in der Küche bin ich ein „Dummy“ (am. = Dummkopf). Aufwärmen von Tiefkühlkost, Spaghetti, Spiegeleier, Steak oder Bratwurst braten, Pizza aus dem Backofen … alles kein Problem für mich. Das war’s aber auch schon. Spaß macht mir das nicht – und das wird sich in meinem Leben wohl auch nicht mehr ändern.

Am Beispiel „Hühnchen-Geschnetzeltes in Curry-Soße mit Gemüse und Reis“ kann man die Alternativen mit ihren Vor- und Nachteilen und den zeitlichen und pekuniären Kosten schön aufzeigen:

  1. Gaststätte (China- oder Thai-Restaurant)
    Arbeitszeit: 0 Minuten, nur Weg zum Restaurant und Wartezeit.
    Kosten: ca. 8-12 Euro
    Vorteil: schmeckt i.A. besser als zu Hause, raffinierter zubereitet
    Nachteil: teuer
     
  2. Fertiggericht, z.B. Thai Curry von YouCook
    Arbeitszeit: 10 Minuten, nur Erhitzen in der Mikrowelle oder in der Pfanne
    Kosten: ca. 4 Euro
    Vorteil: schnell zubereitet (= aufgewärmt), schmeckt akzeptabel
    Nachteil: Portionsmenge relativ klein, zu wenig Gemüse
     
  3. Selbst kochen mit einigen Convenience-Produkten
    Arbeitszeit für zwei Portionen: 30 Minuten (Hühnchenfilet schneiden, anbraten, Sahne+Wasser+Soßenpulver+Fertigreis dazu, weiterköcheln. Gleichzeitig TK-Gemüse in Salzwasser erhitzen)
    Kosten für zwei Portionen: 3,50 Hühnchenfilet, 0,20 Sahne, 0,90 Maggi Fix Curry, 1,00 REWE Express Jasminreis, 1,00 TK-Gemüsemischung = 6,60 Euro, pro Portion 3,30 Euro.
    Vorteil: große Portion, die ein wenig „deutsch“ schmeckt, zweite Portion erfordert nur Aufwärmen.
    Nachteil: spürbarer Arbeitsaufwand plus größerem Abwasch.

Je nach Lust und Laune nutze ich alle drei Varianten.

Die zwei Fotos zeigen Variante 3 – vorher und nachher.

Zutaten
Resultat (eine Portion von zwei)

Sie ist immer bei mir

Letzte Woche am Montag waren es exakt 1.500 Tage, dass meine Frau nicht mehr unter den Lebenden weilt.

Vier Wochen davor hatte ich mir einen Tritt gegeben und eine Kanaren-Madeira-Kreuzfahrt gebucht. Raus aus dem Trott. Raus aus diesem gleichförmigen Witwer-Leben, das wie ewiger Urlaub aussieht, aber doch keiner ist. Raus aus der Komfortzone. Mal was ganz anderes sehen, auch wenn das schnatternde Gehirn einem dauernd einredet, dass das alles keinen Sinn mehr macht oder dass es das Geld nicht wert ist.

Die Kanaren und Madeira kannte ich nicht, und ich wollte unbedingt mal selbst in Augenschein nehmen, wie es da so ist. Und dann wollte ich endlich mal wieder mit dem Schiff unterwegs sein. Rausschauen in die unendliche Weite der Wellen und Wolken, den Wind spüren, …

Es war ein sehr schöner Urlaub, wenn man die Menschenmassen in den Buffetrestaurants und auf dem Sonnendeck einfach einmal ausblendet …

Während dieser Reise spürte ich meine liebe Frau oft sehr nah bei mir.

Schon im Flugzeug über den Wolken – wie schon bei den zwei anderen Flugreisen nach ihrem Tod – stellte sich dieses Gefühl erneut schnell ein. Hier in der Weite des Himmels spüre ich immer ein Gefühl der Nähe zu ihr. Wenn sie irgendwo sein sollte, dann nicht im Grab, nicht zu Hause, dann eher hier im grenzenlosen Raum.

An den beiden Seetagen zwischen den Kanaren und Madeira war es genauso. Meine Frau wurde auf einer Insel geboren, sie liebte das Meer und es war ihr vertraut. Anders als in der städtischen Enge zu Hause, spürte ich hier ihre Nähe.

Auf Madeira im botanischen Garten wusste ich sofort, dass es ihr hier sehr gefallen hätte – die verschiedenen Blüten, die Ausblicke auf das Meer…

Als der Bus auf Teneriffa den Nebel und den Wald verließ, war da nur noch der Pico del Teide und das Wolkenmeer. Ähnliches hatten wir einmal auf Taiwan am Alishan erlebt: ein endloses Wolkenmeer. Wie glücklich war meine Frau damals!

Und auf Fuerteventura sah das Meer so blaugrün aus wie an der Côte d’Azur. Was für ein Blick, der (zwar künstliche) weiße Strand, das Meer, das Schiff! Unwirklich, und doch war es so. Das hätte sie geliebt, diese Farben, diese Atmosphäre.

Ich bin allein – aber sie ist immer bei mir …

Und ich erinnere mich gerade an ein sehr altes chinesisches Liebesgedicht:

Ihr reist in die Ferne
westwärts nach Qin.
Ich wäre so gerne
Euer Schatten,
dass ich immer und überall bei Euch bin.
Doch wünsch‘ ich Euch nicht,
im Schatten zu stehn.
Bleibt nur immer im Licht.
Dann könnt Ihr mich sehn.

Tagsüber entspannen und abends besser einschlafen

Entspannung und guter Schlaf ist unheimlich wichtig – gerade auch in Zeiten der Trauer.

Täglich Autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation kann wahre Wunder bewirken. Es lohnt sich, diese Methoden zu erlernen und täglich anzuwenden.

Sehr gut und sehr suggestiv sind die Audios von Stefanie Grabner, verfügbar auf YouTube.

Man kann die CDs auch kaufen:

Drei schöne Zitate …

… zum Thema Trauer vom US-amerikanischen Kinderbuch-Autor, Cartoonzeichner und Grinch-Erfinder Theodor Seuss Geisel:

theodor-seuss-geiselFoto: Donated to the Library of Congress / Lizenz: Public Domain

* * *

Sei wer du bist und sag, was du fühlst.
Denn die, die das stört, zählen nicht
und die, die zählen, stört es nicht.

* * *

Weine nicht, weil es vorbei ist.
Lächle, weil es passiert ist.

* * *

Manchmal erkennt man den Wert eines Augenblick erst dann,
wenn er zur Erinnerung wird.

* * *

Worte von Papst Franziskus zu Tod und Trauer

Im Familienpapier „Amoris laetitia“ (= „die Freude der Liebe“), einem nachsynodalen Schreiben von Papst Franziskus vom 19. März 2016, geht Papst Franziskus am Ende des 6. Kapitels im Abschnitt „Wenn der Stachel des Todes eindringt“ [Nr. 253-258] auf die Themen Tod und Trauer ein.

Dieser Abschnitt ist durchaus lesenswert, auch für Menschen, die mit der röm.-kath. Kirche nichts am Hut haben.

Der Papst spricht Klartext, und in einer Sprache, die mühelos verstanden werden kann, z. B. dies:

Irgendwann während der Trauer muss man zu der Einsicht verhelfen, dass wir, wenn wir einen geliebten Menschen verloren haben, immer noch eine Aufgabe zu erfüllen haben und dass es uns nicht gut tut, das Leiden in die Länge ziehen zu wollen, als sei das eine Huldigung. Der geliebte Mensch hat weder unser Leiden nötig, noch erweist es sich für ihn als schmeichelhaft, wenn wir unser Leben ruinieren. Ebenso wenig ist es der beste Ausdruck der Liebe, jeden Moment an ihn zu denken und ihn zu erwähnen, denn das bedeutet, von einer Vergangenheit abhängig zu sein, die nicht mehr existiert, anstatt diesen realen Menschen zu lieben, der sich jetzt im Jenseits befindet.

Hier nochmals der Link auf diesen Abschnitt „Wenn der Stachel des Todes eindringt“ [Nr. 253-258].

Den Tod überleben

Nachdem ich lange Zeit keine Trauerliteratur mehr gelesen habe, habe ich in den letzten Tagen einen neu erschienenen „Begleiter in Zeiten der Trauer“ (Untertitel) mit dem Titel „Den Tod überleben“ gelesen.

Der Autor dieses sehr schön ausgestatteten Lesebuches – jeder Text umfasst zwei Seiten, und das Buch muss nicht linear von vorn nach hinten gelesen werden – ist Dr. Peter Kottlorz, Senderbeauftragter der Katholischen Kirche am Südwestrundfunk.

Die Texte in ihrer Vielfaltigkeit haben mir wirklich gut gefallen. Es ist kein Ratgeberbuch, sondern ein Buch, das Hoffnung machen soll, das Halt geben soll, das tröstet. Der Tod wird oft heute aus dem Leben verdrängt, und er gehört trotzdem zum Leben. Dies wird in vielerlei Facetten und Geschichten beleuchtet.

160 Seiten, 18 Euro, Hardcover, mit Lesezeichen-Bändchen, Farbdruck, Patmos Verlag.

Negativ: Der Preis ist ziemlich hoch für ein so dünnes Büchlein. Und der Artikel namens „Europa macht sich schuldig“ mit der Kritik an Frontex hat m. E. in einem Trauerbegleiter nichts verloren.

Trotzdem: Empfehlenswert.

Was Leben und Tod wirklich bedeuten

Der Tod ist das Gegenteil von Geburt, aber nicht von Leben, weil Leben kein Gegenteil hat.

Innerhalb des Lebens werden Formen geboren, um später wieder zu sterben.

Doch das Leben selbst stirbt nicht.

Das, wofür wir uns und unsere Nächsten normalerweise halten, sind wir nicht.

Wir sind keine sterblichen Personen, sondern nur vorübergehende Erscheinungen in dem einen Leben, das wir selbst sind. Wenn der Tod des Körpers eintritt, geht das Leben weiter. Sie gehen in Liebe weiter.

— Aus dem Buch „Was dein Leben leuchten lässt“
von Dirk Hessel (ISBN 978-3843413459)

Haltet die Welt an

Auch nach vier Jahren ist es für mich einfach unfassbar, dass meine Frau nicht mehr ist. Klar, ich habe es akzeptiert, ich habe es rational begriffen, dass meine Frau tot ist. Aber gefühlsmäßig ist das alles immer noch schwer zu fassen.

Die Liebe, die Trauer, die Dankbarkeit.

Dieser Song sagt alles: Es fehlt ein Stück – haltet die Welt an!

Gruppe: Glashaus – Wikipedia / imglashaus.de
Song-Titel: Haltet die Welt an
Aus dem Album: Drei (2005)

Liedtext:

Seitdem du weg bist,
ist so manches ok.
Dafür, dass es korrekt ist,
tut es aber ganz schön weh.
Ich bin wirklich gesegnet,
hatte Glück,
und vieles ist super wie es ist,
bis auf die Lücke,
die nicht schließt.
Es ist ein perfekter Kreis von 280 Grad.
Der rettende Beweis,
den ich leider grad nicht hab.
Es ist der Sinn des Lebens,
den keiner mir verrät.
Man muss wirklich kein Genie sein,
um zu merken, dass was fehlt.

(Refrain 1:)
Bei Gott, es fehlt ein Stück, haltet die Welt an.
Es fehlt ein Stück, sie soll stehen …

(Refrain 2:)
Und die Welt dreht sich weiter,
und dass sie sich weiter dreht,
ist für mich nicht zu begreifen,
merkt sie nicht, dass einer fehlt?
Haltet die Welt an, es fehlt ein Stück.
Haltet die Welt an, sie soll stehen.

Es ist nicht zu beschreiben,
wie kalt und leer es ist.
Ich versuche nicht zu zeigen,
wie sehr ich dich vermiss.
Meine Freunde tun ihr Bestes,
aber das Beste ist nicht gut genug.
Für das was du mir gabst,
hat diese Welt kein Substitut.
Dies ist ein Akt der Verzweiflung,
ein stummer Schrei
eines Menschen voller Leid
und seiner Wunde die nicht heilt.
Es ist der letzte Kampf gegen das,
woran es liegt.
Wie ein Vogel mit nur einem Flügel,
der bestimmt nicht fliegt.

(Refrain 1)

(Refrain 2)

Es ist leicht zu erkennen
und schwer zu ertragen.
Wie konnte man uns trennen?
Mein Herz trägt deinen Namen.
Es ist die alte Geschichte,
wenn jemand stirbt.
Es fehlt ein Stück vom Puzzle,
das so niemals fertig wird.
Man sagt mir, halb so schlimm,
es geht weiter wie du siehst.
Um zu sehen, dass das nicht stimmt,
braucht es keinen Detektiv.
Ich kann meinen Zweck nicht erfüllen,
wie eine Kerze ohne Docht.
Dieses Schiff geht langsam unter,
merkt ihr nicht, es hat ein Loch?

(Refrain 1)

(Refrain 2)

Bilder von dir

Bilder von dir von Laith Al-Deen (erschienen 2000)

Bilder von dir überdauern – bis in alle Zeit
Bilder von dir überdauern – bis in die Ewigkeit

(Refrain:)
Bilder von dir überdauern – bis in alle Zeit
Bis in alle Zeit, bis in alle Zeit
Bilder von dir überdauern – bis in die Ewigkeit
In die Ewigkeit, in die Ewigkeit.

Meine Worte hüllt in Schweigen,
so können sie nicht flieh’n.
Das was dunkel macht das bleibt
Und lässt das andre zieh’n.

Ich kann nicht sagen und will nicht vergessen
Oh nein, nein, nein
Wie ich es seh‘, wie ich es seh‘ …

Worte sind wie Pulver,
wenn du den Himmel kennst
Ich fühl’s in meinem Kopf,
fühl’s überall hab’s lang vermisst

Ich kann nicht sagen, will nicht vergessen
Oh nein, nein, nein
Wie ich es fühl, wie ich es fühl.

(Refrain, 2x)

Tausend Spuren und Gedanken,
nicht das kleinste Stück von mir
du lässt mich taumeln, lässt mich wanken,
die Luft ist voll von dir.

Ich kann nicht sagen, will nicht vergessen
Oh nein, nein, nein

Wie ich es fühl, wie ich es fühl.
Wie ich es fühl, wie ich es fühl.
Wie ich es fühl, wie ich es fühl.

Ich kann nicht sagen, will nicht vergessen
Oh nein, nein, nein
Wie ich es fühl, wie ich es fühl …

(Refrain, 2x)

Herbstmond über dem ruhigen See (平湖秋月)

Diese chinesische Melodie entstand in den 1930er Jahren, als der Komponist Lü Wencheng im Herbst einen Ausflug zum Westsee in Hangzhou machte. Dieser malerische Westsee bei Mondschein hat ihn regelrecht verzaubert: ein ruhiger See, Weiden am Seeufer, eine kühle Abendbrise und angenehmer Duft. Die Welt schien in einem silbernen Schleier zu liegen.

Für meine liebe Frau, die in meinem Herzen weiterlebt. Diese Musik drückt so vieles aus, was sie ausgemacht hat: ihre chinesische Seele, ihre Schönheit, ihre Liebe zur Natur und zur Musik. Ich liebe dich.

Jetzt ist die Zeit

Meine liebe Frau ist vor fast vier Jahren in eine andere Welt gegangen, und ich werde in fünfzehn Monaten siebzig. Wahnsinn – wirklich schon siebzig?!? Scheiße! Aber …

… jetzt ist die Zeit! 2019.

2019 ist das Jahr des Entrümpeln, des Wegwerfens, des Aufräumens. Jeden Tag ein Schrankteil, eine Schublade, usw. – durch alle Zimmer, Keller, Dachboden.

Es geht gar nicht nur um Dinge meiner Frau, sondern es ist eher ein generelles Loslassen, Loswerden von Dingen, die sich in den letzten Jahrzehnten angesammelt haben – uraltes Zeug, dem irgendwann früher eine Bedeutung gegeben wurde und das aufgehoben wurde.

Jetzt ist eine neue Zeit, eine neue Lebenssituation, vieles hat sich geändert, hat sich relativiert. Vieles ist nicht mehr wichtig.

Es ist tagtäglich ein gutes Gefühl: wegwerfen, saubermachen, neu ordnen.

Für mich ist das ungemein befreiend und es erleichtert mich. Manchmal fast eine kleine Euphorie.

Marie Kondō lässt grüßen, obwohl ich nicht ihre Prinzipien anwende.

Wenn ich durch alle Räume durch bin, werde ich wahrscheinlich einen zweiten Durchgang machen und dann das wegwerfen,  was ich jetzt noch als eher aufhebenswert erachte.

Ich bin gespannt, wie es Ende 2019 bei mir aussieht.

Das Leben ist schwierig

Übersetzung:

Das Leben ist schwierig.

Dies ist eine große Wahrheit, ja eine der größten Wahrheiten.

Es ist eine große Wahrheit,
weil wir, sobald wir sie wirklich erkennen,
über ihre reine Wahrnehmung und Erfahrung hinausgehen.

Sobald wir also wirklich erkennen, dass das Leben schwierig ist –
es wirklich verstehen und akzeptieren
dann ist das Leben nicht mehr schwierig.

Sobald nämlich die Tatsache einmal akzeptiert ist,
dass das Leben schwierig ist, ist dies gar nicht mehr so wichtig.

Buch in Deutsch erschienen: M. Scott Peck: Der wunderbare Weg / Leseprobe (PDF)